Hotspot München
Kork – Die Weinbar

Nein, ein unverwechselbares Ambiente herrscht hier nicht. Unter «räumlich gewordene Beliebigkeit» subsumieren wir das Weinbarinnere. Aber dann nehmen wir unser Anfangsurteil zurück, weil bei genauerem Hingucken Detailvernarrtheit sichtbar wird: Lichtinstallationen aus kopfüber hängenden Flaschen, ein Fenstersichtschutz aus gepressten Korken und eine Küchendurchreiche aus schwarzer Schieferwand sind Hingucker, die auf das Wesentliche verweisen: den Wein – und zwar ausschliesslich deutschen. Vor allem solche von jungen Winzern wie Jürgen Krebs aus der Pfalz oder Lukas Krauß, der allein mit seinem «Pornfelder», einer Cuvée aus Portugieser und Dornfelder, für Gesprächsstoff sorgt, haben es Marion Brückner angetan: «Ich hab keine Berührungsängste. Sie finden hier alle 13 Anbaugebiete, darunter viele Exoten wie Grünen Veltliner aus der Pfalz oder Optima, eine uralte deutsche Rebsorte», sagt die 30-jährige Sommelière und giesst fränkischen Bacchus in unsere Gläser.
Seit Oktober 2014 stielt die«Kork»-Besitzerin mit ihrem Mann Oliver das bunte Gästevolk auf deutsche, vielfach spontan vergorene Tropfen ein. Nachdem die schlanke Blondine ihren Job als Beraterin für digitale Medien an den Nagel gehängt hatte, machte sie eine Sommelière-Ausbildung bei der IHK und entdeckte schnell, dass in der Münchner Weinszene italienischer Wein über- und deutscher unterrepräsentiert war. Da kam die Immobilie im Glockenbachviertel gerade recht, um diese Lücke mit der Rebsortenvielfalt aus deutschem Terroir zu füllen. Nur in Sachen Bistrokost macht man noch italophile Kompromisse: Linguine mit Kirschtomaten und Bärlauch oder hauchdünn ausgebackener Flammkuchen mit Gorgonzola zum «Chasslie», einem Chasselas sur lie aus Baden – passt scho.