Weinwissen mit Perspektive – Wege durch die Vielfalt der Aus- und Weiterbildungen

Die weite Welt des Weinlernens

Text: Claudia Stern, Anick Goumaz und Nicolas Greinacher, Foto: z.V.g.

Ob neugierige Einsteiger oder ambitionierte Profis, die Weinwelt hält einen bunten Blumenstrauss an Ausbildungen bereit. Neben Kursen für hobbymässige Enthusiasten finden sich eidgenössisch anerkannte Fachausbildungen ebenso wie international hochdekorierte Abschlüsse. Damit im dichten Wald der Angebote der Überblick nicht verloren geht, stellen wir ausgewählte Aus- und Weiterbildungen sowie ihre Institutionen vor. Lehrende und ehemalige Teilnehmende berichten aus erster Hand, was sie an den jeweiligen Programmen überzeugt und geprägt hat. Schnell wird klar, dass Wein zu lernen nicht nur bildet, sondern auch inspiriert und viel Freude bereitet.

Académie du Vin

Der bewährte Einstieg zum Wein

Wer sich hierzulande vertieft mit Wein befassen will, stösst unweigerlich auf die Académie du Vin. Die Institution wurde in den 1970er Jahren in Paris gegründet und ist seit 1981 auch in der Schweiz präsent. Aus einer Pionieridee ist eine der beliebtesten Weinschulen des Landes geworden, regional verankert, international vernetzt und fachlich breit abgestützt. Heute zählt sie zu den führenden WSET-Anbietern und bildet jährlich mehrere hundert Studierende aus, vom neugierigen Einsteiger bis zur Branchenfachperson.

Das Erfolgsrezept liegt in der Verbindung von Struktur und Genuss. Unterrichtet wird von erfahrenen Weinakademikern, Sommeliers und Önologen, die ihr Wissen laufend erweitern. Verteilt an Kursstandorten in der ganzen Schweiz von Basel über Olten und Zürich bis nach St. Gallen steht dabei die Verkostung als Handwerk im Zentrum. Denn wer Wein wirklich verstehen will, muss ihn korrekt beschreiben und einordnen können.

«Als Kursleiter begleite ich unsere Studenten mit grosser Freude in die Weinwelt. Insbesondere unsere Themen-Ateliers sorgen für inspirierende Abwechslung.»

Carsten Fuss, Weinakademiker und Kursleiter

Der Basisweinkurs richtet sich an alle, die ohne Schwellenangst lernen möchten, wie Wein degustiert, gelagert und mit Speisen kombiniert wird. Ohne Prüfung, dafür mit viel Praxis, vermittelt er solides Fundamentwissen. Aufbauend darauf führt der international anerkannte WSET Level 2 systematisch durch Rebsorten, Weinregionen und Stilistik. Die Ausbildung kombiniert Theorie mit professionell angeleiteter Degustation und schliesst mit einer Prüfung ab.

Ergänzt wird das Programm durch thematische Ateliers. Diese reichen von Food Pairing über Schweizer Weine und Weinregionen bis hin zu Naturweinen. Sie erlauben eine gezielte Vertiefung und spiegeln die Vielfalt der heutigen Weinwelt. Eines der vielen Highlights sind unter anderem die Sherry- und Portweinlektionen mit dem Weinakademiker Hans Georg Babits im Rahmen des WSET Level 3. So versteht sich die Académie du Vin als lebendige Denkfa­brik und praxisnahe Bildungsstätte, die Weinkultur verständlich und erlebbar macht.

Steckbrief

Kursstandorte: Basel, Bern, St. Gallen, Zürich, Olten, Basel, Luzern, Emmental, Weggis

Kostenpunkt: Basisweinkurs: 230 Fr., WSET Level 2 von 950 bis 1925 Fr., WSET Level 3 von 1910 bis 2250 Fr., Ateliers in der Regel um die 145 Fr. pro Abend

Onlinekurse: Je nach Angebot


Strickhof, Wädenswil

Schweizer Weinbildung mit System

Am linken Zürichseeufer werden am Strickhof in Wädenswil zwei Ausbildungswege angeboten, die den Wein von der Rebe bis zum Markt ganzheitlich betrachten und unterschiedliche Karrierestufen abdecken. Mit dem Abschluss als Weinfachmann/-frau EFZ (Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis) entsteht ein Berufsbild, das handwerkliche Tradition mit moderner Technik verbindet. Die vierjährige Ausbildung qualifiziert Fachleute für alle Produktionsschritte, wobei eine Fachrichtung in drei Jahren mit einem EFZ abgeschlossen werden kann.

«Besonders wertvoll war der Aufbau eines schweizweiten Netzwerks angehender Weinbautechniker, von dem ich bis heute fachlich wie persön-lich profitiere.»

Julian Holenweger, Weingut Engel in Uesslingen (TG)

Die Ausbildung gliedert sich in die Fachrichtungen Winzer und Kellerwirtschaft und wird jährlich angeboten. Im Rebberg stehen Rebschnitt, Bodenpflege, Biodiversität und nachhaltiger Pflanzenschutz im Zentrum, mit dem Ziel einer qualitativ hochwertigen Traubenernte. In der Kellerwirtschaft liegt der Fokus auf der Verarbeitung der Trauben, der Steuerung von Gärprozessen, dem Ausbau sowie der Stabilisierung und Abfüllung der Weine. Die theoretischen Grundlagen orientieren sich stark an berufstypischen Handlungssituationen und der Saisonalität der Arbeitsschritte.

Darauf aufbauend bietet der Strickhof die berufsbegleitende Höhere Fachschule HF Weinbautechnik an. Sie richtet sich an Berufsleute mit EFZ und Praxiserfahrung, die Führungsaufgaben in Weinbaubetrieben, Kellereien oder entlang der Wertschöpfungskette übernehmen wollen. In kleinen Klassen vermittelt die dreijährige Ausbildung vertiefte Kenntnisse in Produktionstechnik, Weinbereitung und Unternehmensführung. Betriebswirtschaft, Marketing und Verkauf sind ebenso wichtiger Bestandteil wie Projektarbeiten, Exkursionen und eine Diplomarbeit. Ziel ist es, Absolventen zu befähigen, moderne Weinunternehmen nachhaltig zu führen und strategisch weiterzuentwickeln. Im Unterschied zur EFZ Ausbildung wird der Lehrgang zum diplomierten Weinbautechniker HF nur alle drei Jahre durchgeführt, das nächste Mal mit Start im Herbst 2026.

Steckbrief

Abschlüsse: Weinfachmann/-fachfrau EFZ, Dipl. Weinbautechniker/in HF

Organisation: Der Strickhof ist eine Abteilung des Amtes für Landschaft und Natur (ALN) in der Baudirektion des Kantons Zürich

Durchführungsort Weinausbildungen: Wädenswil


Eidgenössische Qualität von Basel bis Genf

Vielfältige Wege zum Weinwissen

Obwohl die Schweiz in der globalen Weinproduktion nur eine Nebenrolle spielt, geniesst sie international einen hervorragenden Ruf, getragen von einer langen Tradition erstklassiger Hotelfachschulen sowie hoher Standards in Service und Gastgewerbe. Für Berufsleute ist der eidgenössische Fachausweis Sommelier der wichtigste und am breitesten anerkannte Abschluss. Die Ausbildung wird in allen drei Sprachregionen angeboten: in Zürich, Bellinzona sowie an der Hochschule für Weinbau und Önologie Changins. Für Prüfungen kommen alle Schweizer Kandidatinnen und Kandidaten am Sitz von Hotel & Gastro Formation in Weggis LU zusammen.

«Unsere Mission ist es, die nächste Generation zu befähigen, die Zukunft der Weinkultur in der Schweiz und international aktiv mitzugestalten.»

Lilla Fülöp, Direktorin von WE – WineEducation Switzerland

Der Schweizerische Verband der Berufs-Sommeliers (ASSP) vergibt zudem ein in der Branche anerkanntes Zertifikat, das als erste Stufe auf dem Weg zum eidgenössischen Fachausweis gilt. Diese mehrere Monate dauernde Ausbildung ist insbesondere in der Romandie etabliert, wo sie unter der Leitung der Sommelière Yanna Delière steht. Paolo Basso, seit Mai 2025 Präsident der ASSP, arbeitet an mehreren Neuerungen in der Aus- und Weiterbildung: Einführungskurse in die Welt des Weins für ein breites Publikum, Informationstage zu Schweizer Weinen für Service- und Gastronomieprofis sowie eine ASSP-Zertifizierung für die Deutschschweiz. Letztere soll – mit einer englischsprachigen Option für die vielen Expats in der Region – in Zusammenarbeit mit der privaten Schule WE – WineEducation Switzerland aufgebaut werden.

Darüber hinaus hat das Luzerner Ausbildungszentrum vor kurzem eine Partnerschaft mit der International Sommelier Guild (ISG) angekündigt. Dieses neue Angebot soll eine Lücke für Fachleute schliessen, die eine international anerkannte Ausbildung vor Ort und in ihrer Muttersprache bevorzugen – statt sich für englischsprachige Programme etwa in London zu entscheiden. Auch der Dachverband GastroSuisse bietet thematische Weiterbildungen an, etwa zu zu alkoholfreien Getränken.

Steckbrief

Eidg. Fachausweis Sommelier: Für Fachkräfte, die eine national anerkannte Ausbildung anstreben.

Schweizerische Vereinigung professioneller Sommeliers: Für Quereinsteiger sowie ambitionierte Weinliebhaber.

GastroSuisse: Spezifische Weiterbildungsmöglichkeiten für Fachkräfte.

WE – WineEducation Switzerland: Professionelle Sommelier- und Weinausbildung.

Hochschule für Weinbau und Önologie Changins: Bachelor- und Masterstudiengänge.


WSET School, London

Profis und Geniesser vereint

Der WSET (Wine & Spirit Education Trust) gilt seit fast 60 Jahren als weltweit führender Anbieter von Getränke-Schulungen. Neben Wein stehen heute auch Kurse zu Spirituosen, Sake und seit kurzem auch Bier auf dem Programm. Das Institute of Masters of Wine wurde 1953 gegründet und ist historisch eng mit dem WSET verbunden, der 1969 aus dem Umfeld der Worshipful Company of Vintners hervorging. So ist die Spirituosen-Ausbildung seit jeher eng mit der Geschichte der Organisation verbunden. 

Dank des Netzwerks aus zugelassenen Schulen konnte es sich schnell rund um den Globus ausdehnen. Seit 2007 übersteigt die Zahl der internationalen Studenten die der englischen Bewerber. Die Studiengänge sind in mehrere Stufen unterteilt: vier für Weine, drei für Spirituosen, drei für Sake und zwei für Bier. Die Methodik unterscheidet den WSET von den meisten anderen Ausbildungsstätten. 

«Ich habe gelernt, komplexe Ideen klar und wirkungsvoll zu vermitteln, eine Fähigkeit, die mir im Alltag sehr zugutekommt.»

Amanda Wassmer Bulgin, Weinakademikerin, DipWSET, Bad Ragaz

Teilnehmer müssen über das reine Auswendiglernen von Bezeichnungen und Rebsorten hinausgehen und die Auswirkungen kontextueller Faktoren und der Entscheidungen des Winzers auf die verschiedenen Weinprofile erklären können. Auch die Verkostungsmethode ist häufig Gegenstand positiver oder negativer Kommentare. Sie lässt wenig Raum für Interpretationen und legt beispielsweise klare Kriterien fest, um die Qualität eines Weins anhand seiner Komplexität, Intensität, Dichte (Körper) und Länge im Abgang zu bestimmen. 

Dieser Ansatz hat sich bewährt und zieht ein grosses Publikum an. So sind die Anmeldungen im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent gestiegen. Während der europäische Markt stagniert und Amerika und China zurückgehen, ist in Asien (ausserhalb Chinas) ein starker Anstieg zu verzeichnen. 

«WSET ist die ideale Ausbildung für Wein, Spirituosen, Bier und Sake: modular, mehr­stufig und international anerkannt.»

Denis Duhme, «Mister WSET in Deutschland», Tegernsee

Die vier Stufen des WSET Award in Wines – und schliesslich das Diploma in Wines als letzte Stufe – unterscheiden sich stark voneinander. Während die ersten beiden Stufen noch Fachleute und Amateure zusammenbringen, werden Letztere ab der dritten Stufe seltener. Die Stufe 4, auch WSET Diploma in Wines genannt, erfordert ein hohes Mass an Engagement. In Deutschland wird sie lediglich an der Sommelierschule in Koblenz angeboten, in Österreich nur an der Weinakademie in Rust. Die Schweizer verfügen nicht über die gleichen Möglichkeiten und fahren in der Regel nach London oder Paris, um die begehrte vierte Stufe zu erlangen.

Steckbrief

Gründung: 1969

Anzahl der seit der Gründung verliehenen Titel: über 1,5 Millionen

Anzahl der Ausbildungspartner: über 700 weltweit

Anzahl der derzeitigen Studierenden: über 125 000

Kosten: variieren je nach Kursstufe


Hochschule Geisenheim

Das deutsche Oxford des Weines

Die Hochschule ist Institution, Magnet und Mythos zugleich und prägt durch ihre international vernetzte, forschungsstarke Arbeit massgeblich die zukünftige Entwicklung des Weins.

«Geisenheim ist einer dieser besonderen Orte auf der Welt, wo (Wein-)Wissen und Genuss international gelebt werden!»

Robert Lönarz, Leiter der Stabsabteilung Strategische Hochschulbeziehung

Zum Wintersemester 2025/26 begrüsste die Hochschule Geisenheim 278 Erstsemester, darunter rund 15 Prozent internationale Studierende, was zeigt, wie stark dieser Ort junge, ambitionierte Talente anzieht. Genau diese Macher werden von einer sich rasant wandelnden, anspruchsvollen und global ausgerichteten Weinbranche dringend benötigt. Dass nahezu die Hälfte der Studierenden weiblich ist, unterstreicht eine moderne und vielfältige Campusweinwelt, die neue Perspektiven zulässt und aktiv gestaltet.

An der Weinuniversität entstehen entlang der gesamten Wertschöpfungskette innovative, praxisnahe und zugleich wissenschaftlich fundierte Methoden sowie visionäre Ideen, die gemeinsam mit einem internationalen Kollegium entwickelt, geprüft und in die betriebliche Realität übertragen werden. Die Geschichte des Hochschulstandorts im Rheingau hat gezeigt, welches Potenzial hier verankert ist. Sie verdeutlicht, mit welcher Entschlossenheit, fachlichen Tiefe und Kraft auch künftig eine führende Rolle im globalen Weindiskurs übernommen wird.

«Geisenheim hat meinen Blick auf Wein und Küche verändert: ganzheitlich, global und strategisch, für westafrikanische Küche mit Weltformat.»

Terrence Ofri-Darko, Koch und Sommelier, Köln

Die Hochschule Geisenheim University gilt international als prägender Leuchtturm der Weinwissenschaft, weil sich hier Önologie, Weinbau, Getränketechnologie und Weinwirtschaft in einer forschungsstarken, interdisziplinären Struktur verbinden, die Wissen nicht nur sammelt, sondern weiterentwickelt. Ein Netzwerk aus 41 Professoren und sechs Honorarprofessoren erzeugt Impulse auf höchstem Niveau, während die wachsende Zahl der Promovierenden die internationale Sichtbarkeit der Hochschule stärkt.

Die Hochschule denkt in kultureller und strategischer Hinsicht über ihren Lehrauftrag hinaus und reflektiert zugleich kritisch die Verschiebung von der Produktionspraxis hin zu Forschung, Management und Internationalisierung.

Der Geisenheimer Alumni-Verband vereint weltweit über 3200 Mitglieder. Mit der Bezeichnung «Geisenheimer» hat die Hochschule eine weltweite Marke geschaffen, deren Fundament eine praxisorientierte, reflektierte Ausbildung ist.

Steckbrief

Gründungsjahr: 1872

Studierende: 1373

Studiengänge: 18 (8 Bachelor, 10 Master)

Mitarbeitende: 576

Promovierende: 97 (52% weiblich)

Ca. 200 internationale Studierende aus ca. 50 Nationen

40 743 m² Fläche (8471 m² Gewächshäuser, 56,5 ha Freiland, davon 36 ha Weinbau und Rebenzüchtung)


Weinakademie Österreich

Wo ganz Österreich Wein lernt

Die Weinakademie Österreich entwickelt seit 35 Jahren Ausbildungskonzepte, die mittlerweile in ganz Österreich und grenzüberschreitend angeboten werden. Eine halbe Million Menschen haben die Seminare besucht, und ein Grossteil der über 1200 Weinakademiker arbeitet seit vielen Jahren in der Weinbranche. Auch Quereinsteiger verwirklichen sich oft ihren Traum im Weinbereich, sei es im eigenen Weinhandel, in der Weinschulung, in einer Weinbar oder auch auf einem Weingut.

«Wein verbindet Menschen und Kulturen. Unsere Absolventen, die Weinakademiker, kommen aus 58 verschiedenen Ländern.»

Josef Schuller MW

Die Zahl der namhaften Weinakademie-Absolventen ist beeindruckend: elf Master of Wine, darunter alle aus Österreich und die meisten aus Deutschland wie Caro Maurer MW oder Janek Schumann MW. Topwinzer wie Gunter Künstler, Andi Kollwentz oder Irene Grünenfelder. Sommelier-Weltmeister Raimonds Tomsons oder Topgastronom Markus Segmüller. ProWein-CEO Frank Schindler sowie Christina Fischer.

Die Ausbildung folgt einer wohldurchdachten Struktur und lädt zur Entwicklung ein. Wer hier lernt, tastet sich nicht blind durch Fakten, sondern versteht Zusammenhänge. Die Sensorik wird geschärft, die Sprache wird klarer, und der Geschmack gewinnt an Sicherheit. Und so fühlt sich das Lernen nicht anstrengend an, sondern ­lebendig und sinnlich.

Entscheidend geprägt wurde dieser Erfolg durch Josef Schuller MW. Als Direktor war und ist er einer der innovativsten Gestalter moderner Weinausbildung in Europa. Er dachte Wein immer international, ohne die regionale Identität zu verlieren. Mit Offenheit, Weitblick und grosser Neugier verknüpfte er die österreichische Weintradition mit globalem Denken. Seine Programme fordern heraus, ohne zu überfordern, und laden dazu ein, Fragen zu stellen und eigene Standpunkte zu entwickeln.

«Die Ausbildung an der Weinakademie Österreich vermittelte mir Weingrundlagen und war fachlich wie persönlich grossartig in jeder Hinsicht.»

Caro Maurer MW

Wer hier gelernt hat, trägt Wein weiter – mit Freude, Respekt und echtem Verständnis. Genau das macht diese Akademie so kraftvoll und so zeitlos relevant. Es ist daher kaum überraschend, dass der hervorragend funktionierende Alumni-Club der Weinakademiker über tausend Weinprofis umfasst, die in mehr als 58 Ländern aktiv sind. Deutschland ist mit rund 200 Mitgliedern besonders stark vertreten, und die Weinproben sind eine absolute Spitzenquelle für eine stetige Weiterbildung unter Profis.

Steckbrief

Rust, Wien; Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Salzburg, Kärnten, Tirol, Vorarlberg (Geisenheim, Wädenswil, Brixen)

Weinakademiker-Diploma (Vorstufe zum Master of Wine) International anerkannt

Unterrichtssprache: Deutsch

Dauer: 1,5–2 Jahre, ca. 5950 Euro

50 regelmässige Lektionen


Court of Master Sommeliers, London

Exzellenz in der Gastronomie

Der Titel «Master of Wine» gilt weltweit als Heiliger Gral für Weinexperten, während Gastronomieprofis eher beim Court of Master Sommeliers (CMS) aktiv sind. Im Vergleich sind das Ansehen des Titels und das erforderliche Engagement miteinander vergleichbar. Die Institutionen Master of Wine, WSET und CMS wurden in London gegründet und haben gemeinsame Wurzeln.

«Ich hatte oft das Gefühl, wie ein Spitzensportler zu agieren, mit der gleichen Präzision und Disziplin.»

Tony Lécuroux, MS seit 2025,zweitbester Schweizer Sommelierim Jahr 2025

Da die ersten Londoner Wein­experten nicht aus der Gastronomie stammten, wurde der CMS ins Leben gerufen, um Spitzenleistungen im Dienstleistungsbereich zu fördern. Der Lehrplan gliedert sich in vier Stufen: Introductory Sommelier Certificate (zweitägiger Kurs und Prüfung am dritten Tag), Certified Sommelier Certificate, Advanced Sommelier Certificate und schliesslich das begehrte Diplom des Master Sommelier. 

Unabhängig von seiner Erfahrung muss jeder Kandidat zwangsläufig alle Stufen durchlaufen, die den theoretischen Unterricht über die Welt des Weins sowie Kompetenzen in den Bereichen Service, Speisen- und Weinkombinationen sowie Verkostung umfassen. Die Prüfungen für die Stufen Advanced und Master beruhen auf derselben Struktur, wobei die Anforderungen bei letzterer deutlich höher sind. Die Studenten muss in jedem Fachbereich – Theorie, Verkostung und Service – eine Erfolgsquote von 75 Prozent erreichen. 

«Die Ansprüche im Lehrgang sind so hoch wie die eines Gourmet-Gastes, ob beim Wein oder bei anderen Getränken.»

Fabien Mène, MS seit 2025, bester Schweizer Sommelier 2021

Sie können nicht bestandene Phasen innerhalb von zwei Jahren nachholen oder alles von vorne beginnen, wenn nicht alle Fächer innerhalb dieses Zeitraums bestanden werden. Für 2026 sind bereits alle Prüfungstermine für den Master Sommelier ausgebucht. Die Anmeldungen erfolgen in Form von Einladungen, was die Vorbereitung der Kandidaten leider nicht gerade vereinfacht. Absolventen dürfen ihrem Namen die begehrten zwei Buchstaben MS anfügen. Mit weniger als 300 Titeln gibt es sogar deutlich weniger Master Sommeliers als Masters of Wine. Die Schweiz hat vier MS: Christian Bock, Bertrand Lutaud, Tony Lécuroux und Fabien Mène, während es in ganz Deutschland lediglich fünf gibt: Tobias Brauweiler, Stephanie Hehn, Franck Kämmer, Helga Schroeder und Hendrick Thomas sowie in Österreich mit Alex Koblinger und Stefan Neumann zwei.

Steckbrief

Gründung: 1977

Anzahl der seit der Gründung verliehenen Titel: 293 (davon etwa 30 Frauen)

Erfolgsquote: 5 % (Master)

Anzahl der derzeitigen Studierenden: 1400 (davon 100 für den Master Sommelier)

Durchschnittliche Ausbildungsdauer: 4 bis 5 Jahre(zwischen Advanced und Master)

Kosten: mehrere Tausend Euro


Institute of Masters of Wine, London

Die Königsdisziplin

Seit beinahe 75 Jahren gilt der Titel «Master of Wine» (MW) als höchste Weihe der internationalen Weinausbildung. Vergeben wird er vom Londoner Institute of Masters of Wine, das für gnadenlose Leistungsanforderungen bekannt ist. Der Weg zum MW beginnt lange vor dem eigentlichen Studium. Zugelassen wird nur, wer über eine fundierte weinfachliche Ausbildung verfügt, etwa ein Önologiestudium oder die Ausbildung zum Weinakademiker. Hinzu kommen mindestens drei Jahre Berufserfahrung in der Weinbranche sowie ein Empfehlungsschreiben eines amtierenden MW oder einer international anerkannten Weinpersönlichkeit. 

«Nach aussen legitimierte der Titel mein Fachwissen, während er auf persönlicher Ebene wunderbare Freundschaften entstehen liess.»

Anne Krebiehl MW, Weinautorin und Referentin

Nach der Aufnahmeprüfung werden die Kandidaten einem persönlichen Mentor zugeteilt und besuchen mehrtägige Kurse an Standorten rund um den Globus. Die Zusammensetzung der Studierenden ist so vielfältig wie die Weinwelt selbst: Winzer, Sommeliers, Einkäufer oder Autoren aus Europa, Asien, Amerika oder Australien büffeln vom ersten Tag an gemeinsam im Prüfungsraum. In der sogenannten «Stage 1» müssen unter hohem Zeitdruck zwölf  Weine blind verkostet und zwei Essays verfasst werden. Die Degustation folgt einer strikt faktenbasierten Methodik. Erlaubt ist nur, was sich aus dem Glas belegen lässt und argumentiert wird logisch wie vor Gericht. Im theoretischen Teil müssen Aussagen zwingend mit Beispielen aus der realen Weinwelt untermauert werden, und zwar global. Von Rebsorten und Kellertechnik über Qualitätsmanagement bis hin zu Marketingstrategien wird ein fundiertes Wissen über die gesamte Wertschöpfungskette erwartet.

Wer die «Stage 1» übersteht, blickt in der «Stage 2» vier aufeinanderfolgenden Prüfungstagen mit insgesamt 36 Weinen und 13 Essays entgegen. Die Durchfallquote bleibt hoch, die Zeit ist limitiert, die maximale Studiendauer begrenzt. Erst in der dritten und letzten Stufe folgt eine Abschlussarbeit. Wer den harten Studienalltag besser verstehen will, findet im Dokumentarfilm «Blend» aus dem Jahr 2023 spannende Einblicke. Zu Wort kommen unter anderem die in der «Stage 3» studierenden Miriam Lemke (Coop) und Johanna Dayer (Clos de Tsampéhro), die kurz vor der Erlangung des begehrten MW-Titels stehen.

Steckbrief

Erstes Prüfungsjahr: 1953

Bestandene Prüfungen seit Beginn: 517

Bestehensquote: rund 12%

Aktuell immatrikuliert: 317 Studenten

Durchschnittliche Studiendauer: 7 Jahre

Kostenpunkt: im fünfstelligen Bereich