Erstmals seit über 300 Jahren
In München wächst wieder Wein

Text: Alice Gundlach | Veröffentlicht: 13.05.2026
Eigentlich ist München die Bier-Hauptstadt Deutschlands. Erstmals seit mehreren Jahrhunderten wird dort aber auch wieder Wein angebaut. Der erste Weingarten wurde Mitte April angelegt, angepflanzt wurde eine moderne Rebsorte.

Weinbauverein und Weinladen starteten Projekt
Die neuen Reben stehen im Stadtteil Obermenzing im Westen Münchens. Angelegt hat sie der Weinbauverein Menzing, der 2024 gegründet wurde und seinen Ursprung beim Menzinger Weinladen hat. Federführend für das Projekt ist Christian Dauber, Inhaber des Weinladens und Erster Vorsitzender des Vereins.
Piwi-Sorte angepflanzt
Auf einer kleinen, gepachteten Fläche, die als Pilotprojekt dient, wurden Reben der Neuzüchtung Souvignier Gris gepflanzt. Sie zählt zu den pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (Piwis), die auch bei feuchter Witterung kaum Pflanzenschutz brauchen.
Nachhaltigkeit spielt grosse Rolle
Ausgesucht hat der Weinbauverein diese Sorte, weil er einen umweltfreundlichen Weinbau betreiben will. Das Ziel sei es, ohne Pflanzenschutzmittel und Herbizide auszukommen und den Boden nur mechanisch zu bearbeiten. Ausserdem sollen die Rebzeilen begrünt bleiben, um die Biodiversität im Weinberg zu fördern. «Der Standort ist durchgehend sehr sonnig und durch viel Wind gut belüftet», erklärt Christian Dauber.

Stadtwein in wenigen Jahren
Der erste Münchner Stadtwein wird in etwa drei bis fünf Jahren erwartet. «Langfristig kann sich München als innovativer, urbaner Weinstandort mit besonderem Charakter etablieren», erklärt der Verein.
Weinbau in der Stadt ab dem Mittelalter
Der Weinbau in München hat Geschichte: ab dem Mittelalter hat es hier belegt Weinbau gegeben. Der Marienplatz diente als zentraler Umschlagplatz für Wein, und noch heute zeugen historische Kelleranlagen in der Altstadt von dieser Zeit. Mit dem Einsetzen der Kleinen Eiszeit im 17. und 18. Jahrhundert verschwand der Weinbau aber weitgehend aus München und verlagerte sich nach Franken.