Chiles einzigartige Terroirs
Viña San Pedro, Cachapoal Andes Valley, Chile
Text: Nicole Harreisser, Foto: z.V.g.

Als eines der wichtigsten und ältesten Wein-güter Chiles hat sich Viña San Pedro um die chilenische Weinkultur verdient gemacht. Vom ersten Standort im Curicó-Tal ist man heute mit dem Weingut im Cachapoal-Tal angekommen und hat weitere spannende Weinregionen im Portfolio.
Es gibt kein anderes Weinland, das eine solch grosse Ausdehnung von Norden nach Süden aufweist wie Chile. Über mehr als 4200 Kilometer erstreckt sich das Land entlang der Anden und des Pazifik. Die Weinregionen reichen von den Wüstengebieten im Norden bis hinunter in den frischen Süden. Begonnen wurde der Weinbau rund um die Hauptstadt Santiago de Chile, als die ersten Rebstöcke aus Frankreich gepflanzt wurden. Die Wurzeln von Viña San Pedro liegen rund 200 Kilometer südlich der Hauptstadt. Dort legten die Brüder Correa Albano 1865 im Curicó-Tal den Grundstein für das heutige Weingut. Das Zusammenspiel der Böden und des Klimas sowie die Anforderungen der verschiedenen Rebsorten wurden dank des Strebens nach Exzellenz, der Entdeckungsfreude und Nachhaltigkeit im Laufe der Zeit perfektioniert.
Vielfalt und Exzellenz
Heute ist San Pedro eines der führenden Weingüter Chiles, das Weine in unterschiedlichen Weinregionen des Landes produziert. Kern des Erfolgs ist, jede Rebsorte in dem für sie besten Terroir zu kultivieren, um die Essenz aus Sorte und Boden in die Flasche zu bringen. Die San Pedro Cachapoal Andes Winery, die in den späten 1990er Jahren gebaut wurde, ist der Hauptsitz des Unternehmens und Heimat der ikonischen Weine San Pedros. Die Rebfläche erstreckt sich über rund 160 Hektar, davon sind 75 Prozent mit Cabernet Sauvignon bestockt. Die Rebflächen an den Ausläufern der Anden steigen bis auf 500 Meter über Meer an und fächern sich aus der Vogelperspektive wie ein Amphitheater auf. Besonders auffällig sind die unterschiedlichen Expositionen und vielfältigen Bodenformationen. Durch das Gelände zieht sich ein Flusslauf, der fruchtbares Schwemmmaterial in die Böden eingebracht hat. Die weiteren Lagen sind durch gröberes Gestein aus den Anden geprägt, teils vulkanischen Ursprungs. Im Tal herrscht mediterranes Klima mit sehr warmen Tagen und kühlen Nächten. Die hohe Tag-Nacht-Differenz wirkt sich positiv auf die Trauben aus und sorgt für ein feines Aromenspiel. In den kühlen Nächten kann die Rebe zur Ruhe kommen, da das Wachstum stoppt. Das sorgt für eine grössere Balance im späteren Wein. Vergleicht man die Bedingungen während der Reifephase mit anderen Weinregionen wie Bordeaux, Napa, Coonawara oder auch dem Maipo-Tal, fällt vor allem ein Parameter auf: die Anzahl der Stunden mit Temperaturen unter zehn Grad Celsius.
«Heute zeigen die Weine auch ihr volles Potenzial durch ihre Reife.»
Hier kann sich der Cabernet Sauvignon hervorragend entwickeln, und das spürt man bei jedem Schluck des Cabo de Hornos, des ikonischen Cabernet Sauvignon von San Pedro. Wenn Chef-Winemaker Gabriel Mustakis über die Reblagen und die Weine aus dem Cachapoal-Tal spricht, spürt man seine absolute Passion für diese Weine. Seit mehr als acht Jahren ist er für die Leitung des Weinguts und die Produktion der hervorragenden Weine verantwortlich. Er ist Agronom mit Spezialisierung auf Weinbau und Önologie und hat seinen grossen Erfahrungsschatz im In- und Ausland bei renommierten Weingütern erworben. Für ihn steht vor allem eines im Fokus: Mustakis will die Essenz des Weinbergs in die Flasche bringen. Bei San Pedro ist es gelungen, jede Rebsorte am für sie besten Ort zu pflanzen und somit die Grundlage dafür zu schaffen. «Hier kann ich auf die Erfahrungen meiner Vorgänger aufbauen, auch weil sie mir eine grosse Weinbibliothek hinterlassen haben, mit der ich die Entwicklung der Weine und die Idee dahinter studieren konnte», erzählt Mustakis. Im Keller sind alle Voraussetzungen geschaffen worden, um die Trauben bestmöglich zu vinifizieren. Er arbeitet mit vielen unterschiedlichen Tanks, Amphoren, Granitbehältern und Holzfässern aus verschiedenen Materialien und in unterschiedlichen Grössen. So kann er auch kleine Parzellen perfekt ausbauen.

Eine weitere Linie im Portfolio von San Pedro sind die «1865 Selected Vineyards»-Weine, die nach dem Gründungsjahr des Weinguts benannt sind. Sie steht für erstklassige Weine aus verschiedenen Rebsorten und zeigt jede Sorte vom besten Terroir Chiles. Besonders im Fokus steht der Carménère, der sich erst seit 1994 grosser Aufmerksamkeit erfreut. Ein französischer Ampelograph hatte ihn bei seinen Studien im Rebberg entdeckt. Man erkannte sein Potenzial und stellte ihn als Rebsorte in den Fokus. Die Vinifikation erfolgt mit dem gleichen hohen Anspruch wie in der San Pedro Cachapoal Andes Winery, in einer weiter südlich gelegenen Produktionsstätte.
Ein einzigartiges Projekt ist als Teil der Nachhaltigkeitsphilosophie von San Pedro im Malleco-Tal angesiedelt. In Zusammenarbeit mit einer Gruppe der indigenen Mapuche-Bevölkerung wurde ein neuer Wein der Linie 1865 Selected Vineyards geschaffen: Tayu, ein reinsortiger Pinot Noir. Es ist das erste Weinbauprojekt, das zusammen mit einer Mapuche Gemeinschaft entwickelt wurde, die die Trauben auf ihren eigenen Weinbergen kultivieren. Anfangs waren es nur zwei Familien mit je zweieinhalb Hektar Reben, mittlerweile zählt das Projekt elf Familien mit insgesamt 27,5 Hektar. Es bedurfte grossen Vertrauens auf beiden Seiten, aber mit viel Engagement kam alles ins Laufen. Der Zusammenhalt der Familien ist gross, sie arbeiten mit alten Methoden und helfen sich gegenseitig.
Es geht immer weiter
Nicht nur die klimatischen Veränderungen treiben die Entwicklungen im Weingut voran. «Es gibt immer noch viel zu lernen», meint Mustakis. Auch wenn man ein Gebiet kennt, braucht es die volle Aufmerksamkeit, um auf höchstem Niveau zu bleiben. Das Ziel ist es, weiterhin exzellente Weine aus Chile zu produzieren und diese mit Menschen weltweit zu teilen.
Weine im Clubpaket
Carmenère Selected Vineyards 1865 2022
DO Valle de Colchagua
2026 bis 2032
Intensiv duftend mit pfeffrigen, würzigen Noten. Pflaumenfrucht und rote Beeren. Der Gaumen überrascht mit Eleganz, zeigt Struktur und Tiefgang. Gehaltvoll und sehr harmonisch.
Mariage: Pasteten und Wildterrinen, Pilzgerichte und rezente Käsesorten.
Cabo de Hornos 2021
DO Valle de Cachapoal
2026 bis 2031
Rote Beeren, Kirsche und Pflaume, florale Noten sowie Garriguekraut und Aromen von gelagertem Kaminholz. Am Gaumen saftig, fast opulent. Die belebende Säure sorgt für Spannung. Vollmundig und mundfüllend. Würzige Noten lassen ihn lange ausklingen.
Mariage: Rindsfilet, aber auch Lammkrone und gegrillter Meeresfisch.
Pinot Noir Tayu 1865 2022
DO Valle de Malleco
2026 bis 2032
Expressiv mit Würznoten, roten Beeren und Sauerkirschen. Am Gaumen seidig, mit animierender Frische und pikantem Tannin: Gute Struktur und voller Körper.
Mariage: Schmorgerichte, aber auch Wild und Steaks. Fein zu Hartkäse.