Trinken, kochen, essen: Schlutzkrapfen, Strudel … und so viel mehr!

Südtirol, Alto Adige

Text: Ursula Heinzelmann, Fotos: StockFood/Mondadori Portfolio

Südtirol, Alto Adige: Sudtirolo! Vom Gebirge ebenso geprägt wie vom Wasser, der namensgebenden Etsch, dem weinverbundenen Kalterer See, nördlich und südlich zugleich, für Nordeuropäer anheimelnd vertraut und doch wunderbar anders… eine Region, die viele scheinbare Gegensätze in sich vereint.

Eine der grössten Provinzen und eines der kleinsten Anbaugebiete Italiens: Wein gehört zum Südtiroler Alltag und ist zugleich seit Langem wichtiges Handelsgut. Die alten Römer förderten den Weinbau ebenso wie die Mönche und der Adel nach ihnen. In einem einzigartigen Zusammenspiel von Sonne, Wärme und Niederschlag profitieren die Reben von milden Wintern und kühlenden Winden, die beträchtlichen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht erhalten die Säure und Frische in den Trauben. Die grosse Vielfalt der Böden, von Urgesteinsböden aus Quarz und Glimmer über Kalk- und Dolomitgestein bis hin zu vulkanischem Porphyr, führt im Spiel mit den Höhenlagen zu einer ebenso grossen Vielfalt an Rebsorten, die im Anbau auffallend gleichmässig verteilt sind.

Bajuwaren und Tiroler haben hier ebenso ihre Spuren hinterlassen wie die Habsburger – kein Wunder, dass Strudel, Schlutzkrapfen und Speckknödel serviert werden! Die Beschreibung als ländlich ist in Südtirol eine positive, weil sie mit hoher Lebensqualität daherkommt. Heimatverbundenheit geht einher mit Weltoffenheit, individuelle Unabhängigkeit mit Gemeinschaftssinn.

Das gilt auch für den Weinbau: Kennzeichnend für die Region sind neben den bekannten Gütern kleine bäuerliche Betriebe, die in grossen Kellereigenossenschaften organisiert sind – und die Spitzenqualitäten, die dort entstehen! Vorbei sind die Zeiten von Pergolen und Masse beim Vernatsch, heute ist Südtirol die führende Weissweinregion Italiens, sind Müller-Thurgau und Traminer Standard im Angebot römischer Enotheken.

Hinter diesem Reload in den 90er Jahren stand eine Gruppe von Visionären, die den verrufenen Traminer als trockenen, essenstauglichen Wein mit Trinkfluss neu erfand und damit auch auf die Neutral-Weisswein-Pinot-Grigio-Welle reagierte, an der die Weinwelt zu ersticken drohte. Sie revolutionierte das Image des Müller-Thurgau, zeigte neue Wege für den Sauvignon Blanc, besann sich auf die Stärken des Terlaners und bewies, dass Südtiroler Rotwein durchaus auch dunkel und kräftig sein konnte.

All das geschah, ohne den Bodenkontakt zu verlieren. Die erfolgreichen Kellereien mit zum Teil spektakulär moderner Architektur sind weiterhin Teil des Wein-Alltags, die Tre-Bicchieri-Prämierungen reflektieren die Anstrengungen aller. Ein Drittel des Südtiroler Weins wird ebendort getrunken, ein weiteres, grosszügiges versorgt das übrige Italien – und der Rest ist beim Weinhändler unseres Vertrauens zu finden! Vernatsch und Lagrein sind genau richtig, wenn es herbstelt, inspirieren zu bodenständiger Sudtirolo-Küche und sind zugleich offen für so viel mehr.

Südtirol, Alto Adige, ist aber auch…

Der Traminer stammt nicht aus Tramin und muss eigentlich dem älteren Savagnin zugeordnet werden – doch in Südtirol wurde im Mittelalter sehr erfolgreich eine aromatische Cuvée gehandelt, unter anderem aus weissem Lagrein und Muskateller, die als Traminer bekannt und in anderen Gegenden mit dortigen Sorten nachgebaut wurde. Die Reload-Traminer sind südlich kraftvoll und dabei so frisch wie die schneebedeckten Dolomitengipfel im Abendglühen der Sonne. Noch eleganter sind die lange gelagerten Versionen des Terlaners als Cuvée aus Weissburgunder mit Chardonnay und Sauvignon Blanc.

Daneben gibt es Weissburgunder und Pinot Grigio in zahlreichen Abfüllungen als wunderbar unkomplizierten Stoff für den Alltag, ein Glas als Apéro, zum Salat, zu Pizza und Pasta. Müller-Thurgau, einst für genau die Randlagen gezüchtet, in denen der Riesling nicht zu voller Reife gelangt, fühlt sich im Schatten der Alpen (und bis in Lagen auf 1000 Meter Höhe!) ausgeprochen wohl, wirkt schlank, spritzig und mineralisch. Beim Sauvignon Blanc hingegen kommt die südliche Wärme ins Spiel und bei den Spitzengewächsen der gekonnte Ausbau in teils neuen Holzfässern, so dass die «grünen» Aromen beleben, statt zu kratzen, und Mittelmeerfisch förmlich umarmen. Diese Kombination von Frische und Wärme bringt auch der Lagrein Kretzer ins Glas, die Rosé-Version der alten heimischen roten Sorte, zugleich unkompliziert, belebend und doch rund, für Kamin und Terrasse!

Womit wir beim Rotwein wären: Neben Lagrein und Vernatsch wachsen Pinot Noir bzw. Blauburgunder, Cabernet, Merlot und viele mehr, zeigen die Winzer eine beeindruckende stilistische Bandbreite von sehr feingliedrig bis ausgesprochen kraftvoll.

Schliesslich: Süsswein. Selten – aber die Suche wert! Traminer als Spätlese oder «Passito», also aus getrockneten Trauben, sind goldene Aromenessenzen, die trotzdem nicht klebrig schmecken. Noch seltener ist Rosenmuskateller, die Sorte ursprünglich ein Import aus Sizilien, die Weine dunkelrot, süss, nach Rosen, Lindenblüten und Muskat duftend, zum Träumen…

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