Tourismus

14 Geheimtipps im Südtirol

Fotos: Andreas Tauber, Eisacktal, Emi Massmer Emotions, IDM Südtirol-Alto Adige/Marion Lafogler, AlexFilz, Hannes Niederkofler Photographer, Anneliese Kompatscher, Felix Bacher, René Riller, z.V.g., Armin Terzer Photography, Franziska Unterholzner

Reinhold Messners Vision

1. Weingut Castel Juval Unterortl, Kastelbell (Vinschgau)

Dieses Weingut wurde in den 1990er Jahren vom wohl berühmtesten Südtiroler, der Bergsteiger-Legende Reinhold Messner, gegründet. Der Keller, in dem die Weine ausgebaut werden, ist dem Berg abgetrotzt. Pächter sind seit 2023 die Schweizer Raphael und Christine Burki. Sie verbrachten fast 15 Jahre in Neuseeland, bevor sie nach Südtirol kamen. In der Region Martinborough, wo sie sich niederliessen, ist Pinot Noir die Hauptrebsorte. Die gibt es auch im Weingut Unterortl, aber: Die Schwerpunkte liegen auf Riesling und Weissburgunder. Highlights der Kollektion sind der elegante, spannende Pinot Bianco Himmelsleiter und der filigrane, klare Riesling Windbichl. Eine kleine Parzelle Vernatsch haben sie auch – die bringt zwar nur rund 300 Flaschen pro Jahr, wird aber trotzdem gepflegt, denn schliesslich ist sie eine typisch Südtiroler Sorte. Im Übrigen legen die Burkis Wert auf nachhaltiges Wirtschaften, etwa auf sparsame Bewässerung und leichte Flaschen. 

unterortl.it

Wein braucht Ansprache

2. Weingut Josmoar, Kastelbell (Vinschgau)

So gar nicht typisch für den Vinschgau sind die Rebsorten, die Sebastian Tonner anbaut: Er hat den Vernatsch, der früher auf seinen Rebflächen stand, fast völlig aufgegeben und stattdessen Chardonnay, Blauburgunder, Sauvignon Blanc und Cabernet Sauvignon gepflanzt. Er habe sich beim Weinbau «mehr Freiraum» gewünscht, sagt er schlicht. Seine Reben liegen in kühlen Höhen bis 750 Meter, seine Weine wirken strukturiert, intensiv und geradlinig. Sehr typisch wiederum für den Vinschgau ist der Anbau von Äpfeln – auch diesen führt Tonner im Familienbetrieb weiter, und das sogar biozertifiziert. Sein Vater Helmuth ist noch im Betrieb tätig, «er spricht mit den Reben», schmunzelt Sebastian Tonner. Demnächst wird eine Vinothek gebaut, die seine Ehefrau Janina leiten wird. 

Wo der Name des Weingutes herkommt? Der Vorfahr von Sebastian Tonner, der den Hof im 16. Jahrhundert gründete, hiess Josef Mair – im Vinschgauer Dialekt wurde daraus «Josmoar». 

josmoar.it

Sommer im Burghof mit Musik

3. Weingut Stachlburg, Partschins (Vinschgau)

Der Turm der Stachlburg stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist damit älter als die Gemeinde Partschins, in deren Ortskern die Burg steht. Der Hausherr, Baron Sigmund von Kripp, war beim Weinbau in vielem ein Vorreiter in der Region. Seit 1998 arbeitet er biologisch. Als einer der ersten im Vinschgau pflanzte er Chardonnay und Blauburgunder, seit kurzem stehen in seinen Weinbergen auch Piwi-Sorten, also pilzwiderstandsfähige Neuzüchtungen. Sein Anliegen ist dabei klassisch: «Ich will Weine machen, die reifen können.» Die Mehrzahl seiner Weine reift deshalb im Holzfass. Im Sommer belebt er den Garten innerhalb der Burgmauern, lässt Bands auftreten und schenkt den Stachlburg-Wein aus – auch für Gäste, die spontan vorbeikommen. 

stachlburg.com

Spontan verkosten in der City-Vinothek

4. Kellerei Meran, Meran

Ein atemberaubendes Stück moderner Südtiroler Architektur ist der Neubau der Kellerei Meran. Schöpfer ist der Architekt Werner Tscholl, der aus dem Vinschgau stammt und schon einige Kellereien in seiner Heimatregion entworfen hat. In der City-Vinothek in Marling kann man spontan zum Verkosten einkehren. Nur ein kleiner Teil der Weinberge der Kellerei liegt im Vinschgau – genug jedoch, um ihnen eine eigene Linie zu widmen, mit frischen, saftigen und mineralischen Weinen der Rebsorten Weissburgunder, Riesling, Blauburgunder, Vernatsch und Kerner. Ein besonderer Tipp sind ausserdem die Schaumweine der Kellerei, die in traditioneller Flaschengärung (Metodo Classico) hergestellt werden und ein besonders langes Hefe-lager von 36 bis 72 Monaten durchlaufen. 

kellereimeran.it

Ferienwohnungen, Äpfel und Wein

5. Ansitz Mairhof, Partschins (Vinschgau)

Mitten in Partschins betreibt die Familie Bernhart vier stylische Ferienwohnungen. Die Mauern und Teile des Gebälks stammen aus dem 16. Jahrhundert, die Ausstattung dagegen ist topmodern und komfortabel. Daneben bauen die Bernharts die für den Vinschgau typischen Äpfel an, Wein keltert Matthias Bernhart in einem eigenen kleinen Weinkeller. Am beliebtesten ist sein Weissburgunder – er ist regionaltypisch und meist zuerst ausverkauft. Ausserdem baut er Grünen Veltliner an («weil ich etwas machen wollte, was nicht jeder hat») und natürlich auch Riesling. An Roten hat er Blauburgunder, Zweigelt und Vernatsch im Angebot. Aus Lagrein macht er einen fruchtigen Rosé. Probieren kann man die Weine im eigenen Verkostungsraum an der langen Holztafel. 

ansitz-mairhof.com

Fine Dining mit Gemüse aus dem Garten

6. Hotel-Restaurant Matill****, Latsch (Vinschgau)

Neben einem 900 Jahre alten Ansitz, «Schlössl» genannt, be-findet sich das Hotel-Restaurant «Matill». Hier dreht sich alles um Entspannung. Herzstück des Vinum-Hotels ist das Spa mit Pool im Innen- und Aussenbereich, Saunalandschaft, Kräuterdampfbad, Massagen, Behandlungen und Aktivpaketen. Ein Highlight ist das Wein-Wellness-Paket, das ein Tresterbad, eine Weinwanderung und eine Verkostung beinhaltet. Im Restaurant wird Fine Dining regional interpretiert. Es kommen Biokräuter und -gemüse aus dem eigenen Garten auf den Tisch, seit kurzem ist auch selbst angebauter Wein im Angebot. Jede Woche wird ein Dinner im Weinkeller angeboten. Legendär sind die Weinproben mit Seniorchef Hansjörg Dietl, zu denen er in seinen privaten Weinkeller einlädt. 

matill-retreat.com

Landhaus mit Spa und opulentem Weinkeller

7. Romantik Hotel Oberwirt, Marling

In der zehnten und elften Generation betreiben Sepp Waldner und seine Tochter Barbara das Hotel. Gehobener Landhausstil erwartet die Gäste hier: viel helles Holz, viel Historie. Die Spa-Landschaft bietet zwei Pools und einen Sauna- und Ruhebereich. Die Körperhandlungen basieren auf natürlichen Produkten. Im Restaurant ist Haubenkoch Werner Seidner seit mehr als 35 Jahren Küchenchef. Seine Kreationen sind breit gefächert, von mondän über mediterran bis deftig. Ein Highlight ist zu-dem das Frühstücksbuffet, zu dem auch hausgemachtes Gebäck und Marmeladen gehören. Der Weinkeller mit 700 Positionen bietet viele Topweine aus Südtirol und dem übrigen Italien, aber auch aus Frankreich, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Probieren sollte man auch die Weine des Weinguts Eichenstein, das ebenfalls Sepp Waldner gehört, vom verspielten Rosé Carina über den alpin-mineralischen Sauvignon Blanc Stein bis hin zur strukturierten Chardonnay-Riserva Seppelaia. In der Bar im Foyer gibt‘s zum abendlichen Drink Pianoklänge.

oberwirt.com

So steil können Weinberge sein

8. Gump Hof – Markus Prackwieser, Völs am Schlern (Eisacktal)

Die orange Vespa ist sein Markenzeichen: Mit ihr fährt Markus Prackwieser durch seine Weinberge, kontrolliert den Zustand der Reben, kostet Trauben. Seine Signaturrebsorte ist Sauvignon Blanc, er war mit der Erste, der sie im Eisacktal anbaute. Im Jahr 2000 übernahm er das elterliche Gut, damals noch ein Mischbetrieb, in dem auch Äpfel und Gemüse angebaut und Milchvieh gehalten wurde. Markus wiederum stellte auf ausschliesslichen Weinbau mit eigener Abfüllung um. Die Weinberge im Prösler Ried über Völs sind extrem steil, hier geht nur Handlese. In seinem Weinkeller, der regelrecht in den Berg gehauen ist, stellt er aromatische, charakterstarke Weine her. Neben dem Sauvignon setzt er hauptsächlich auf Weissburgunder und Pinot Noir – letzteren hat er erst spät ins Portfolio aufgenommen. «Über ihn lerne ich immer noch», schmunzelt Prackwieser. Aufmerksamkeit verdient ausserdem der Vernatsch Mediaevum mit Aromen von Walderdbeeren und Mandeln, den man am besten leicht gekühlt geniesst. 

gumphof.it

Fabelhafte Buschenschänke

9. Griesserhof, Vahrn (Eisacktal)

Hier wird die Buschenschank-Kultur gelebt: Bauernkost aus der Region in Freiluftatmosphäre mit Bergpanorama bietet das Weingut Griesserhof passend zu den Jahreszeiten an. Auf der Speisekarte stehen Speck und Käse, Kaminwurzen, Gersten-suppe, Knödel, Käsenocken, Kraut, Kaiserschmarrn, Krapfen, Fruchtsäfte – und natürlich der Wein. Paul Huber und ­Daniela Perez bauen rund um Vahrn frische, fruchtbetonte Weine an, überwiegend aus den weissen Rebsorten Sylvaner, Kerner und Veltliner. Auch Pinot Noir ist vertreten. Diese rote Sorte eignet sich gut für das kühle Klima des Eisacktals. Der Herbst ist in Südtirol die Zeit fürs «Törggelen»: Dann wird in den Buschenschänken der neue Traubenmost («Susser») ausgeschenkt. Ähnlich wie die Strausswirtschaften in Deutschland sind die Südtiroler Buschenschänken nur wenige Monate im Jahr geöffnet. Die nächsten Öffnungszeiten der Buschenschänke im Griesserhof sind vom 13. September bis zum 30. November 2026, mittwochs bis sonntags ab 12 Uhr. 

griesserhof.it

Gewürztraminer vom Vulkanboden

10. Kuenhof, Brixen

Das kühle Klima des Eisacktals schreit förmlich nach Riesling – trotzdem war Peter Pliger einer der Ersten, der ihn hier anbaute. Der Kuenhof ist schon seit rund 200 Jahren in Familienbesitz, Peter Pliger war es aber, der dort ein Weingut aufbaute. Sohn Simon hat den Riesling-Schwerpunkt übernommen – der heimliche Star ist hier aber der Gewürztraminer. Die aromatische Rebsorte bekommt in der Höhenlage und auf dem vulkanischen Boden einen besonderen Twist. «Eigentlich wollte ich ihn einmal herausreissen – dann habe ich sogar noch mehr gepflanzt», schmunzelt Simon Pliger. «Manchmal ist er schon vor der Lese komplett reserviert.» In seinen Weinbergen arbeitet er nach biodynamischen Prinzipien, ist aber nicht zertifiziert. Beim Weinausbau experimentiert er gerne, etwa mit eiförmigen Holzfässern. Seinen Vater hat er, sagt er, mit Detailversessenheit überzeugt, ihn sein Ding machen zu lassen: «Seit 2019 bin ich allein im Keller – und ich liebe es.» 

kuenhof.com

Weisse Prestige-Cuvée an der Spitze

11. Kellerei Eisacktal, Klausen (Eisacktal)

Wein verkosten auf 980 Metern Höhe: Das kann man auf der Verkostungsterrasse in den Weinbergen der Kellerei Eisacktal. Nach der Fahrt auf den Berg wird man belohnt mit einem atemberaubenden Bergpanorama und fünf Premiumweinen. Daneben kann man aber auch eine Führung durch die Keller mit Verkostung buchen – oder sich einfach in der stylischen Vinothek durch die Weine probieren. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Weine von der Rebsorte Kerner, die hier auf steinigen Höhenlagen, einen so ganz anderen Charakter entwickeln als die Weine der Rebsorte, die man aus den Flachlagen kennt. Etwa der Kerner aus der Linie «Aristos» lässt sich die Reb-sorte von ihrer kühlen, filigranen Seite zeigen. Der «Granit 960» würdigt die Granitböden der Region: ein im Granitfass ausgebauter Kerner, saftig, komplex und mineralisch. Der Höhepunkt der Verkostung sollte der Flaggschiff-Wein der Kellerei sein: die Prestige-Cuvée «Adamantis», für die der Kerner mit Veltliner, Sylvaner und Pinot Grigio assembliert wurde. 

kellerei-eisacktal.it

Ein Garten voller Geheimnisse

12. Kränzelhof, Tscherms

Um den Verkauf seines Weins so unkompliziert wie möglich zu machen, sagt Franz Graf Pfeil mit einem Augenzwinkern, habe er sein Weingut, den Kränzelhof, «so schön wie möglich gestaltet, damit die Leute einfach hierherkommen.» Und zweifellos ist die Gartenlandschaft an seinem Weingut eine Reise wert. In den weitläufigen «Sieben Gärten» gibt es jährlich wechselnde Skulpturen-Ausstellungen zu sehen. Dabei sind neben den Werken anderer Künstler auch immer die kleinen «Dämonen», die Graf Pfeil selbst gestaltet. Zum Erlebnis gehören auch ein Labyrinth und ein Pavillon mit Aussicht. Wer mit dem Grafen über Weingenuss philosophieren will, kann das bei einer «Vinosophischen Weinführung» tun. Aber man kann auch einfach ein Glas Wein und einen Snack im Garten-Bistro «Essbar» geniessen. 

kraenzelhof.it

Regionale Küche auf Top-Niveau

13. Ansitz Steinbock, Villanders

Seit Oktober 2024 prägt René Tschager mit einer jugendlichen Handschrift die Kulinarik im Ansitz Steinbock. Der gebürtige Südtiroler steht für einen lässigen, aber dennoch präzisen und detailverliebten Stil. Das Konzept lässt sich als «gehobene Landhausküche» beschreiben. Dazu gehören regionale Klassiker wie die Zachewide und gefüllte Kartoffelkrapfen, die typisch für Villanders sind. Gegessen wird in der klassisch eingerichteten Stube oder im Sommer auf der Terrasse. Der Weinkeller bietet eine grosse Auswahl an Südtiroler Topgewächsen und auch internationale Klassiker. In den alten Gemäuernkann man auch stilvoll übernachten. Zwölf exklusiv eingerichtete Suiten stehen für eine neue Interpretation von Luxus.

ansitzsteinbock.com

Alte Mühle mit Flair

14. Restaurant Miil, Tscherms

Angeschlossen an den Kränzelhof befindet sich das Gourmet-Restaurant «Miil», das in einer historischen Mühle untergebracht ist. Altes Gebälk ist im Gastraum kombiniert mit moderner Ausstattung und viel Kunst an den Wänden. Elegant und extravagant, aber dabei wirklich gemütlich. Der Mühlbach plätschert seitlich vorbei und setzt Akzente. Das Küchenteam von Othmar Raich verarbeitet saisonale und regionale Produkte in Bioqualität. Die Gerichte sind dazu gedacht, zu einem Menü mit mehreren Gängen kombiniert zu werden. Dazu wird der Wein vom Kränzelhof ausgeschenkt, der natürlich biologisch angebaut wird. Auf jeden Fall sollte man sich ein Glas vom Sekt Avior gönnen, eine frische, filigrane Cuvée aus Weissburgunder, Chardonnay und Blauburgunder mit einem 60-monatigen Hefelager. 

miil.it