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Auf in den deutschen Süden!

Text: Eva Maria Dülligen, Fotos: Stuttgart-Marketing GmbH, Martina Denker, z. V. g

Immer mehr weinverliebte, reiselustige Menschen entdecken die milden Weinregionen Deutschlands für sich. Was liegt da näher, als die Weinberge zwischen Heilbronn und Stuttgart zu durchwandern, sich vom Riesling-Sekt bis zum Spätburgunder zu verwöhnen und das Ganze mit kulturellen Events zu verbinden?

Dem deutschen Weinsüden fehlt es an nichts. Steilhänge an Neckarschleifen wechseln mit romantischen Weingärtnerdörfern, Trips zu spätromanischen Burgruinen bereichern den Kulturfreak ebenso wie Tagesausflüge zu barocken Schlössern. Schwere Keuperböden, bunter Mergel, Kieselsandstein oder Muschelkalk verteilen sich übers Ländle und sorgen für geschmeidige Chardonnays, mineralische Rieslinge, seidige Lemberger oder leicht rauchige Spätburgunder. Freilich korrespondieren die Spezialitäten im Glas mit solchen auf dem Porzellan. Ob Gaisburger Marsch – der schwäbische Traditionseintopf –, Schupfnudelpfanne, Bibbelskäs-Terrine oder Maultaschen mit Hack: Die regionale Küche ergänzt sich vorzüglich mit den regionalen Gewächsen.

Doch die kulinarisch-kulturelle Wundertüte Württembergs ist groß. Und der Weinorte entlang des Neckars und in den geschützten Tälern seiner Nebenflüsse Rems, Kocher, Jagst, Tauber und Ens sind es viele. Auf rund 470 Kilometern verbindet der längste Weinwanderweg Deutschlands traumhafte Weinlandschaften von Aub in Bayrisch Franken bis Esslingen am Neckar. Um den Gästen im Ländle ein zuverlässiges Gesamtpaket zu garantieren, zeichnet das Tourismus-Marketing Baden-Württemberg, kurz TMBW,  traditionelle Winzergemeinden aus, die besonders viele touristische Kriterien erfüllen. In der zweiten Folge über die prämierten «Weinsüden Weinorte» laden wir Sie ein, einen Blick in die Gemeinden Markelsheim, Fellbach und Obersulm zu werfen. Denn auch diese drei «Schdädde» sind mit dem Gütesiegel versehen.

Tipp 1

Kappelberg und «Roter Hirsch»

«Wo die guten Weine des Landes aufgezählt werden, ist der Fellbacher mitgenannt», konstatierte das Oberamt Cannstatt anno 1895. Das ist bis heute so geblieben, denn vom steilen Rebgelände des Kappelbergs, etwa der geschützten Südhanglage «Lämmler», stammen Große Gewächse aus den Rebsorten Riesling, Weißburgunder und Lemberger. Kostproben hiervon kann man sich in der Vinothek der Eventlocation «Alte Kelter» abholen – neben Schlemmereien wie gekochter Ochsenbrust und Fellbacher Rostbraten.

1906 im Jugendstil erbaut, sorgt die freitragende Holzdachkonstruktion der «Alten Kelter» auch auf der «Messe für Genuss» oder bei Bluesband-Auftritten für spezielle Stimmung. Die Weinbaugemeinde ist mit 180 Hektar eine der größten Weinbaugemeinden Württembergs. Wer sie erfassen möchte, nimmt den 4,5 Kilometer langen «Weinweg Fellbach» und erfährt von Infotafeln Fakten über die biologische Vielfalt am Weinberg sowie Kultur und Geschichte des Weinbaus.

Eines der schönsten historischen Bauten des Ortes – ein Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert – beherbergt das Stadtmuseum mit seiner umfangreichen Sammlung kulturgeschichtlicher Zeugnisse und einem Möricke-Kabinett. Sonderausstellungen wie «Das kleine Schwarze» als Hommage an Coco Chanel und interaktive Hör- und Lesestationen ergänzen das großzügige Raum-Programm. Nach körperlicher und kultureller Ertüchtigung sollte man sich an reich gedeckten Tafeln niederlassen: Die elegante Variante «Der Rote Hirsch» bietet auf dem hübschen Fellbacher Marktplatz parallel zu ausgewählten Weinen etwa Winzergulasch vom Rind in Lembergersößle mit handgeschabten Spätzle. Die rustikale Variante «Schmieg's Kellerbesen» wartet mit hausgemachten Fleischküchle oder Stangenspargel Schwäbischer Art auf.

Der passende Wein

Fellbacher Weingärtner

Lämmler Riesling 2020 Edition S

13 Vol.-%

Die geschützte Südhanglage «Fellbacher Lämmler» mit Schilfsandsteinverwitterung und buntem Mergel hat viel reife, teils exotische Facetten in diesen Riesling gebracht. Saftiger Weinbergspfirsich, Limonenzeste, salzige Mineralität und Kräuterwürze. Auch subtiler Rauch. Samtige Oberfläche. Mineralisch im Finish.

Preis: 8,60 Euro | www.fellbacher-weine.de


 

Tipp 2

Roggenberg und wilde Wölfe

Die Gemeinde Markelsheim – Stadtteil der Kreisstadt Bad Mergentheim – fand auf dem Pergament 1054 erstmals Erwähnung. Der Weinbau innerhalb der Muschelkalk-dominierten Steillagen des Taubertaler Winzerdorfes wurde 42 Jahre später urkundlich erwähnt. So bietet sich eine Weinbergwanderung in dieser alten Kulturlandschaft an. Geführte Wanderungen, etwa mit dem Weinerlebnisführer Helmut Fischer, der als «Täubentäler Häcker» durch ehemalige Rebgärten navigiert, Knowhow über den Weinbau im Taubertal bis zurück ins Mittelalter weitergibt und das Wanderabenteuer mit einer geselligen Weinprobe im Pavillon inmitten der Markelsheimer Rebstöcke ausklingen lässt, stehen auf dem Programm.

Ausgangspunkt und Ziel ist die Weingärtnergenossenschaft Markelsheim, die Tour führt über den Weinlehrpfad am Roggenberg. Ein Abstecher in den Wildpark Bad Mergentheim mit über 70 Tierarten vom Flughund bis zur Riesenschildkröte ist ein weiteres Muss. Das Konzept fußt auf Freisichtanlagen und artgerechter Haltung. «Man sieht, was man erzählt bekommt», sagt die Tierpflege-Meisterin und begleitet zum Gehege des größten Wolfrudels Europas. Damit die Raubtiere in Form bleiben, müssen sie ihre Beute am Simulator erjagen. So viel Wadenarbeit macht auch den Touristen hungrig, deshalb ist ein Besuch in der «Weinstube Schurk» unerlässlich. In urgemütlicher Umgebung tischt Küchenchef Raffael Weiss fränkisch-schwäbische Kost und internationale Schmankerl auf – im Innenbereich sowie auf der mit Wein überrankten Terrasse inklusive Blick auf die Markelsheimer Weinberge. Eine hundert Positionen starke Weinkarte rundet ab, bevor man beim «Schlafen im Fass» unweit der Roggenberger Schutzhütte in einem 8000 Liter großen, schick ausgestatteten Weinfass am Rand eines Rebgartens in die Kissen sinkt.

Der passende Wein

Weingärtner Markelsheim

Tauberberg Spätburgunder 2018
Spätlese trocken

15 Vol.-%

Ein barriquegereifter Spätburgunder, der ein Duftbad aus Süßholz, Wacholder und Salbei in die Nase pustet. Die Kräuterakzente setzen sich am Gaumen fort. Das glänzende Rubinrot umhüllt gezügeltes Tannin, seine rauchigen Nuancen machen den voluminösen Tropfen zum Traumpartner aller BBQ-Gerichte.

Preis: 6,60 Euro | www.markelsheimer-wein.de


 

Tipp 3

Dieblesberg und Schmetterling

Mitten im Heilbronner Land, rund um die Weinbaugemeinde Obersulm wachsen Rot- und Weißweine in hoher Qualität. Klingende Lagen wie  «Dieblesberg», «Paradies» und «Sonnenhalde» versprechen nicht zu viel und sorgen mit ihren Keuper- und Mergel-geprägten Böden für feingliedrige Rieslinge oder Lemberger mit klarer Frucht. Sich hier auf zum Weinerlebnispfad am Zeilberg zu machen, bedeutet drei Kilometer lang Einblicke in den Weinbau Obersulms: Über den Weinbau und sein ökologisches Umfeld hinaus informieren 60 Lehrtafeln zudem über die Bewohner von Trockenmauern, Streuobstwiesen und Waldrändern. Und sie enthalten Rätsel sowie Mitmachaktionen: Mal kann man den Schmetterling suchen, der gerne im Weinberg flattert. Mal gilt es, das Laub verschiedener Rebsorten zu benennen.

Zu empfehlen ist ebenfalls der Walderlebnispfad Eichswald mit Schautafeln zu den heimischen Baumarten und Waldbewohnern – auch hier warten Mitmachstationen. Schattenspendende Bäume laden im Mineralfreibad Obersulm zum Chillen ein. Aus dem eigenen Tiefbrunnen gespeistes Wasser sorgt mit einer solarbeheizten Wasserfläche von 1200 Quadratmetern inklusive Sprungbrett und Breitwellen-Wasserrutsche für jede Menge Badespaß. Dem heraufziehenden Appetit sollte man entweder im «Gasthaus Rößle» begegnen – der seit 170 Jahren bestehende Familienbetrieb bringt «Gutes aus dem Ländle» wie Schwabenpfännle mit Spätzle auf die Tische der Weinrebenterrasse. Oder man taucht im Eldorado für Fleischliebhaber ab. «Nalans Butcherei» bereitet etwa einen saftigen «Butcher Burger» mit karamellisierten Zwiebeln zwischen Brötchen aus der Dorfbäckerei oder geschmorte Lammhaxe in Datteljus. Die Weinkarte kann sich sehen lassen und überzeugt unter anderem mit feinen Sekten und Weinen aus der Umgebung.

Der passende Wein

Winzer vom Weinsberger Tal

Blanc de Noirs – Bergrebell

12,5 Vol.-%

Mit fein eingewobener Süße und verhaltener exotischer Frucht überzeugt die Cuvée aus Riesling, Muskateller und Müller-Thurgau. Ein unkomplizierter Wein, der sich vor allem auf Gartenpartys zu gegrilltem Seafood und hellem mariniertem Fleisch profiliert.

Preis: 5,95 Euro | www.weinsbergertal-winzer.de