Profipanel | Weisse Burgunder 2014

Punktlandung

Text: Rudolf Knoll, Fotos: Patricia Seibert

Kann man mit Burgunder ein blaues Wunder erleben, wenn weisse Burgunder, graue Burgunder und Chardonnay schon einige Jahre hinter sich haben? Das war die grosse Frage vor unserer Bestandsaufnahme mit dem Jahrgang 2014 aus dem CHAD-Land, der Schweiz, Österreich und Deutschland. Fazit: Es gab zwar klimatische Unterschiede in den drei Ländern, die teilweise eine grosse Herausforderung für die Winzer waren. Doch die meisten Weine präsentierten sich frisch und anregend!

Das war eine besondere, spezielle «Punktlandung». Einmal zwischen 18 und 19 Punkten bei neun Bewertungen für Chardonnay. In zweiter Instanz reichte die Skala von 17 bis wieder 19 Punkten, erneut für einen Chardonnay aus der hausinternen Kategorie Grande Réserve. Unter dem Strich kam im Schnitt die gleiche Note heraus: 18.5 Punkte bei leichter Aufrundung. In beiden Fällen darf sich der gleiche Winzer freuen: Uli Metzger aus der Pfalz war Doppelsieger bei diesem Test der weissen Burgunderwelt aus dem Jahrgang 2014! Wer so auftrumpft, der hat es auch verdient, mit beiden Weinen in der Reihung vertreten zu sein. Eine weitere Ausnahme machten wir noch mit zwei Weinen, ebenfalls von einem Pfälzer Betrieb, Ökonomierat Rebholz. Der Chardonnay und der Weissburgunder liefen mit jeweils 17.5 Punkten ein. Wen nehmen? Also wichen wir auch hier von der Regel ab, beim Profi-Panel nur einen Wein pro Betrieb vorzustellen. 36 Weine befanden sich auf dem Prüfstand. Dass es ein Übergewicht an deutschem Wein gab, lag nicht nur daran, dass die drei Sorten der weissen Burgunderwelt in den letzten Jahren bei der Rebfläche deutlich zugelegt haben und damit weit vor Österreich und noch weiter vor der Schweiz rangieren. Der zweite Grund war eine Überprüfung der Weine, die beim Weinführer 2016 (damals noch «Gault Millau») unter der Regie von Chefredakteur Joel Payne und seinem Team hoch bewertet wurden (92 Punkte und mehr). Ihnen wird eine Bestandsaufnahme im nächsten, im Herbst erscheinenden VINUM-Weinführer unter dem Titel «Fünf Jahre danach» gewidmet. Man darf schon heute das Fazit ziehen, dass die Kollegen seinerzeit die richtigen Noten für ausgezeichnete Weine gezogen hatten. Wir verbanden diesen Test mit einem Profi-Panel, bei dem auch Österreich und die Schweiz einbezogen wurden. Die Lieferanten der eidgenössischen Weine wählte Chefredakteur Thomas Vaterlaus aus. Eine kleine Auswahl aus Österreich lieferte Spezialist Rudolf Knoll.

Die Ausgangssituation war für die Schweiz nicht einfach mit lediglich 380 Hektar Chardonnay, 232 Hektar Grauburgunder und lediglich 113 Hektar Weissburgunder. Schon im Vergleich mit Österreich zog man den Kürzeren: Chardonnay 1617 Hektar, Weissburgunder 1971 Hektar und Grauburgunder 226 Hektar. Dann erst Deutschland! Riesling ist zwar nach wie vor unangefochten die Hauptsorte (und beim Pinot Noir inzwischen auch eine «rote Macht»), aber die weissen Burgunder sind zusammen schon bei knapp 14 000 Hektar angelangt. Hier ist der Grauburgunder durch seine starke Präsenz in Baden mit insgesamt 6400 Hektar führend, vor dem Weissburgunder (5300 Hektar) und dem Chardonnay, der erst 1991 offiziell zugelassen wurde. Kenner der Szene erinnern sich noch an die vorher bereits heimlich getätigten Anpflanzungen unter dem Deckmantel Weissburgunder und daran, dass früh in den neunziger Jahren plötzlich etliche «Chardonnay von alten Reben» auf den Markt kamen...

Einige Jahre vorher hatte es in Deutschland beim Grauburgunder eine Zäsur gegeben. Die Sorte wurde damals noch als Ruländer bezeichnet und überwiegend süss ausgebaut – ein Stil, der in den achtziger Jahren, als die trockene Welle anrollte, nicht mehr gefragt war. Wer der «Erfinder» der Abkehr vom schmalzigen, zuckrigen, oft von Botrytis geprägten Ruländer zum betont herben, durchaus mit Säure aufwartenden Synonym Grauburgunder war, darüber streiten sich heute noch am Kaiserstuhl die Gelehrten. Sicher ist, dass die Metamorphose zu einer neuen Karriere führte und Ruländer heute in der Regel nur mehr bei edelsüssen Weinen auf dem Etikett steht.

Doch zurück in die Neuzeit. Der im Fokus stehende Jahrgang 2014 war in den drei Ländern recht unterschiedlich. Für Deutschland war er zwar arbeitsaufwändig, aber nicht sonderlich problematisch. Auch die Menge war insgesamt normal (9,2 Millionen Hektoliter). In Österreich gab es schwierige Witterungsverhältnisse im Sommer und Herbst, die einen hohen Aufwand bei der Ernte erforderten. Es war vor allem der reichlich nasse September zum Zeitpunkt der Haupternte, der viel Selektion notwendig machte. Wer diese Phase überstand, konnte im Oktober noch gute Weine ernten. Aber das Ergebnis lag in Österreich mit zwei Millionen Hektoliter deutlich unter dem langjährigen Schnitt (2,5 Millionen Hektoliter). Bei den Weissweinen war es oft schwer, hohe Qualitäten zu erzielen. Einige Betriebe, von denen wir Proben erbeten hatten, mussten deshalb passen.

Höchst unterschiedliche Verhältnisse gab es in der Schweiz. Das Jahr war nach einem milden Winter, einem trockenen Frühling sowie guten Blütebedingungen im Juni oft wechselhaft, kühl und nass. Die Nässe sorgte für ein kräftiges Wachstum, das die Winzer erst mal in den Griff bekommen mussten. Der Herbst versöhnte etwas. Die Ernte fand teilweise später als normal statt. Die Mostgewichte waren nicht hoch, aber die Säure intakt, die Aromen gut ausgebildet.
Verkostet wurde nicht nach Sorten und Ländern, sondern kunterbunt gemischt. Rückschlüsse auf Herkunft waren schwierig. Eher konnten die Sorten identifiziert werden, obwohl Holzeinsatz schon Unterschiede verwischt. Dem Grauburgunder kann man etwas mehr Fülle attestieren, dem Weissburgunder eine merkliche Würze, die aber bei einem Grossen Gewächs mit Schmelz harmonieren durfte. Einige der Chardonnays überzeugten mit eleganten Facetten und hatten ihre Säure gut verpackt. Positiv vermerkt werden darf, dass die Weine fast durchweg im Alkohol nicht ausuferten.

Dass eine Region im Ergebnis insgesamt die Nase vorn haben würde, ahnte Joel Payne schon vorher: «Die Pfalz ist bei diesen Sorten einfach sehr stark.» Die sonstigen Ergebnisse waren durchweg hochanständig. Bei der Schweiz mussten wir allerdings ein paar schon recht welke Weine aussortieren. Aber immerhin spielte Daniel Gantenbein einmal mehr in der Spitze mit!

Die Jury

(von links nach rechts)

Adam Hauer Gastronom und Hotelier in Pleisweiler-Oberhofen (Landhotel «Hauer») und früherer Weinhändler in München.

Christina Fischer Weinguts-Tochter aus Göcklingen, Pfalz, studiert derzeit Weinbau und Kellerwirtschaft in Geisenheim, bekam von VINUM einen Stipendien-Zuschuss aus dem Erlös vom Flaschenverkauf Deutscher Rotweinpreis.

Josefine Schlumberger Weinguts-Tochter aus Laufen, Markgräflerland, Deutsche Weinkönigin 2015/16, derzeit im Marketing bei Rheinhessenwein e.V. tätig, mit Prüfer-Zertifikat der DLG.

Matthias Mangold Mitarbeiter VINUM-Weinführer, Journalist und praktizierender Geniesser mit seiner Agentur «genusstur» (Seminare, Kochkurse) in Venningen (Pfalz).

Rudolf Knoll Langjähriger VINUM-Redakteur, Organisator des Deutschen Rotweinpreises und des Riesling-Champion, Schwandorf.

Georg Diehl junior Im Weingut Borell-Diehl in Hainfeld, wo er schon eifrig in der Kellerwirtschaft mitmischt und Akzente setzt.

Joel Payne Chefredakteur des VINUM-Weinführers, der auch seine Räumlichkeiten für die Verkostung zur Verfügung stellte und die Probe gründlich vorbereitete.

Jürgen Mathäss Mitarbeiter VINUM-Weinführer, selbstständiger Fachjournalist und Buchautor aus Landau.

Tina James Geschäftsführerin der Weinhändler-Vereinigung Wein-Musketiere und Weinhändlerin in Salach (Weincontor Tina James).


«Die Weine nach ihren Sorten zu erkennen, war nicht problematisch. Vor allem die Chardonnays waren durch ihre Vanilleholznoten geprägt, die aber meist gut eingebunden waren. Weiss- und Grauburgunder überzeugten mich durch Frische und Saftigkeit. Ein Grossteil der Probe war von guter bis sehr guter Qualität, einige Highlights ragten heraus. Die meisten Weine waren im Aroma reizvoll, mal mit einer Nase nach reifen Früchten, dann wieder mit Würze und Vanille. Im Körper präsentierten sie sich saftig mit einer guten Balance von Säure und Alkohol.»

Adam Hauer Gastronom


 

 


«Wenn ich aufgrund meiner badischen Herkunft nicht schon längst ein bekennender Burgunder-Fan wäre, würde ich es nach dieser Probe sein. Ich fand es einfach begeisternd, welche Vielschichtigkeit in den weissen Burgundersorten steckt. Man konnte so viele verschiedene Handschriften und Philosophien erschmecken – von herrlich cremig über kraftvoll fruchtig bis hin zu spannungsvoll-reduktiver Stilistik. Eines hatten aber fast alle Weine gemeinsam: Sie strotzten nur so vor Power, Trinkfluss und Frische. Keine Spur von Altersermüdung!»

Josefine Schlumberger Winzertochter aus dem Markgräflerland und Deutsche Weinkönigin 2015 / 16


 

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