21. Gutedel-Cup

Muttermilch der Markgräfler im Aufwind

Text: Rudolf Knoll

Tusch für die Sorte mit dem vielversprechendsten Namen aller Reben! Zum 11. Mal fand in Badenweiler und zum 21. Mal im Markgräflerland die Siegerehrung des Gutedel-Cups statt, mit internationaler Beteiligung (Schweiz) und im Vorfeld mit mehr Anstellungen als jemals zuvor (231). Keimzelle dafür war 1995 eine umfangreiche Gutedel-Verkostung von VINUM.

Hunderte von Fans drängten sich schon eine halbe Stunde vor Beginn vor dem Kurhaus in Badenweiler und bereuten nicht, dass sie noch nicht eingelassen wurden. Denn als Apero gab es Sekt von einer Sorte, die an diesem Abend Ende April im Mittelpunkt stand: 2013er Gutedel Brut vom «Jungwinzer des Jahres», Philipp Kiefer vom Weingut Kiefer-Seufert aus Ballrechten-Dottingen (siehe VINUM 3/2017). Hätte es beim schon zur Tradition gewordenen Wettbewerb neben Qualitätswein und Kabinett trocken, Selektion und Edelsüss noch eine Kategorie Sekt gegeben, wäre der Kiefer-Prickler ein Sieg-Anwärter gewesen. «Aber es gibt leider zu wenig Sekt vom Gutedel», bedauerte Claudia Schlumberger vom Weingut H. Schlumberger in Laufen. Sie war einige Jahre Vorstandsvorsitzende des Vereins Markgräfler Weine – und liess sich gern nachschenken.

Gut 20 Jahre vorher wäre ein solcher Auflauf bei Gutedel kaum denkbar gewesen. Zwar schätzten die Markgräfler Winzer «ihre» Brotsorte, die 1780 vom Markgrafen Karl Friedrich von Baden als wertvoll propagiert wurde, in allen Zeiten. Vorher, im 17. Jahrhundert, gab es die ersten Pflanzungen in Württemberg, Franken und Sachsen. Im Süden von Freiburg löste die Rebe den weit verbreiteten Mischsatz ab und verbreitete sich so sehr, dass sie vor rund 120 Jahren als «Markgräfler» einen Flächenanteil von 90 Prozent hatte.

Dass es heute mit 1050 Hektar (Anteil 33 Prozent) deutlich weniger ist, lag an der latenten Gefahr von Spätfrösten, der relativ langen Blütezeit mit mehr Regenrisiko und der Konkurrenz anderer, vor allem klassischer Sorten aus der Burgunderfamilie – und an der oft eher bescheidenen Qualität, die im Widerspruch zum Namen stand. 1621 wurde er erstmals registriert. Damals war die auch als Tafeltraube taugliche Sorte schon uralt. Im Jahr 2000 wurde «5000 Jahre Gutedel» gefeiert, weil in Königsgräbern in Oberägypten in der fruchtbaren Oase El Fayyum (Seenland) Wandgemälde mit Gutedel-Blättern gefunden wurden, die vermutlich etwa um 3000 vor Christus entstanden. Ob damals Trauben gekeltert und der Most zu Wein verarbeitet wurde, ist natürlich nirgendwo verbürgt. Aber kecke Markgräfler können schon mal erzählen, dass Königin Kleopatra ihre Schönheit nicht einem Bad in Eselsmilch, sondern in Gutedel zu verdanken hatte.

Wie die Sorte (oder ihre Urahnen) aus dem fernen Ägypten in europäische Weinregionen und hier in ihr Hauptverbreitungsland Schweiz (4000 Hektar) kam, ist nicht bekannt. Eltern konnten mit allen Mitteln der Gentechnik nicht ermittelt werden. Man weiss nur, dass es gentechnische Ähnlichkeiten mit alten Sorten im Alpenraum wie Teroldego und Lagrein gibt. Tatsache ist, dass sie im Markgräflerland wieder deutlich mehr Wertschätzung als noch vor zwei Jahrzehnten geniesst. Winzer Markus Büchin aus Schliengen, Nachfolger von Claudia Schlumberger beim Verein Markgräfler Weine, meint: «Das ist unsere Muttermilch, damit werden wir grossgezogen.»

Qualitätssteigerung dank Gutedel-Cup

Die Renaissance der Sorte begann genau genommen 1995 im Restaurant «Mühle» in Binzen, als VINUM private Winzer, Genossenschaftsmitglieder und Funktionäre an einen Tisch geholt hatte, um zu verkosten. Und um darüber zu diskutieren, wie man dem Gutedel Schubkraft geben kann. Hermann Zenzen, damals Kellermeister der Genossenschaft von Britzingen, klopfte am späten Abend nach einer qualitativ überraschend guten Probe auf den Tisch und forderte: «Wir müssen an einem Strang ziehen und einen Gutedel-Förderverein gründen.»

Den Verein gibt es seit etlichen Jahren, zwar nicht auf Gutedel konzentriert, sondern auf die ganze Region. Aber bereits 1997 wurde erstmals ein Gutedel-Cup ausgeschrieben, damals schon mit Schweizer Beteiligung und Chasselas- oder Fendant-Anstellungen. Die Auszeichnungen, die seitdem jedes Jahr verliehen werden, haben viele Erzeuger motiviert und zu einer Qualitätssteigerung auf breiter Front geführt. Nahezu alle Weine, die sich beim 21. Wettbewerb unter den Top Ten platzierten, hatten ein gutes bis sehr gutes Niveau. Geschmacklich gibt es mit den Nachbarn eine Annäherung. Die Schweizer Weine sind nicht mehr so sehr vom biologischen Säureabbau geprägt wie früher. Die Markgräfler Erzeuger wagen sich erfolgreich an Ausbauvarianten mit Holz und langem Hefelager. So wird die vielleicht älteste Kulturrebe der Welt immer mehr ihrem Namen gerecht und sogar Realität, was die 2011 verstorbene Winzer-Legende Wolf-Dietrich Salwey aus dem Kaiserstuhl einst seinen Markgräfler Kollegen – allerdings mehr im Scherz – ans Herz legte: «Macht doch mit dem Gutedel Grosse Gewächse!»

Die Sieger

Qualitätswein trocken

 

Winzergenossenschaft Hügelheim
Hügelheimer Schlossgarten 2016

Noch etwas jugendliche Kohlensäure im Glas; im Aroma ein Hauch Paprika, grüner Apfel; saftig, gradlinig, anregend.
Zum Sieger: Die Kooperative von Hügelheim, 1952 gegründet, gehört zu den kleinen Genossenschaften in Baden, ist aber noch eigenständig unterwegs. Motto deshalb: «Wir sind die kleine, feine WG.» 90 Mitglieder bewirtschaften 78 Hektar (davon 35% Gutedel). Plätze unter den Top Ten beim Gutedel-Cup sind die Regel.
www.wghuegelheim.de

Auf den Plätzen
2. Badischer Winzerkeller, Breisach
Norsinger Batzenberg Roter Gutedel 2016
3. 1. Markgräfler Winzergenossenschaft, Schliengen-Müllheim
Schliengener Sonnenstück 2016


Kabinett trocken


Winzerkeller Auggener Schäf
Auggener 2016

Zarte nussige Aromen; ausgewogene Mundfülle trotz der Leichtigkeit des Weines (11 Vol.-%); unkomplizierter Spassmacher.
Zum Sieger: 2011 fusionierten die Genossenschaft von Auggen und die Kooperative von Laufen zum Winzerkeller Auggener Schäf. Die Eigenständigkeit der beiden Betriebe inklusive Ausbau blieb indes erhalten. Die Spitzenlagen Auggener Schäf (hoher Gutedel-Anteil) und Laufener Altenberg (viel Burgunder) werden in den Vordergrund gestellt. Über 400 Winzerfamilien bewirtschaften rund 300 Hektar.
www.auggener-wein.de | www.winzergenossenschaft-laufen.de

Auf den Plätzen
2. Weingut Löffler, Staufen-Wettelbrunn
Ballrechter Castellberg 2016
3. Weingut Engler, Müllheim
Müllheimer Reggenhag 2016


Selektion


Weingut Michael Wiesler, Staufen
Staufener Schlossberg Edition 2015

Helles Goldgelb; Nüsse und Mandeln in der Nase; schmelzig, rund, würzig, guter, schmeckbarer Extrakt, erreicht durch strenge Ertragsbegrenzung (60 hl/ha), stattlich Länge.
Zum Sieger: 2017 kann Michael Wiesler, die dritte Generation im Betrieb, das 90-jährige Bestehen des kleinen Weingutes (5,6 Hektar) feiern. Seit zehn Jahren nützt er mit seiner Edition die Flächen in der Toplage Staufener Schlossberg optimal aus und lässt sich dabei auch im Keller viel Zeit beim schonenden Ausbau.
www.weingut-wiesler.com

Auf den Plätzen
2. Caveau Gregor Kuonen, Salgesch
Fendant Valais 2016
3. Fünfschilling Wein und Sekt, Fischingen, Fischinger 2015


Edelsüss

 

Weingut Löffler, Ballrechten-Dottingen
Ballrechter Castellberg Trockenbeerenauslese 2015

Goldgelb; Nüsse und Honig im Aroma; komplex, zwar üppige Süsse, aber in feiner Kombination mit anregender Säure, viel Schmelz, lang im Abgang.
Zum Sieger: 1988 gründete Wolfgang Löffler, vorher zweiter Kellermeister in Ballrechten-Dottingen und Britzingen, sein eigenes Weingut, das er heute mit Sohn Andreas betreibt. Auch Seniorin Irma ist noch in den Reben und in der Straussiküche aktiv, so dass drei Generationen bei inzwischen 14 Hektar an einem Strang ziehen. Gutedel ist mit 4,5 Hektar die Hauptsorte.
www.weingut-loeffler.de


Auf den Plätzen
2. Weingut Julius Zotz, Heitersheim
Heitersheimer Maltesergarten Trockenbeerenauslese 2015
3. Haltinger Winzer, Weil am Rhein
Haltinger Trockenbeerenauslese 2015

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