BRÄNDE

Der Spitzenbrenner vom Mittelrhein

Text: Carsten Henn

Der Überraschungssieger unserer Tresterprobe heisst Heinz-Uwe Fetz aus Dörscheid am Mittelrhein. In seiner Heimat weiss jeder, was für ein grossartiger Brenner er ist, deutschlandweit nur wenige. Weil Fetz gar nicht berühmt sein will, sondern lieber klein und fein. 

Die Frauen, immer wieder die Frauen – auch dem Leben von Heinz-Uwe Fetz gaben sie den entscheidenden Dreh. Eigentlich wollte er gar kein Brenner werden, da er es in der Jugend hasste, die schweren Jutesäcke mit dem Tresterkuchen im elterlichen Weingut herumzuschleppen. Das prägte. Schon mit 19 Jahren übernahm er den Betrieb. Nicht weil er musste, sondern weil er wollte. Die Brennerei hätte er am liebsten geschlossen, doch das Brennrecht sollte nicht verfallen. Also werkelte er als Autodidakt vor sich hin. Ende der 1990er passierte es dann. Seine damalige Freundin und heutige Frau reichte seine Destillate bei einer Prämierung ein, ohne dass Fetz davon wusste. Sie schnitten hervorragend ab. «Das hat bei mir einen Schalter umgelegt. Wenn es ohne Input schon gut wird, wird es mit Input richtig gut.» Fetz belegte ein Wochenendbrennseminar in Volkach, bei dem es abends eine Destillatprobe gab. Dort verkostete er erstmals Hagebutte, Quitte und Brombeere. «Das hat mich umgehauen!»

In der darauffolgenden Nacht skizzierte er, wie seine neue Brennerei aussehen sollte, noch in derselben Woche ging es zum Architekten, 2002 war die neue Brennerei gebaut. Zu drei Vierteln seines Umsatzes ist Fetz Winzer, doch vor allem das eine Viertel Destillate hat seinen Ruf begründet. Dem kompakten Mann sieht man an, dass er körperlich arbeitet. Er spricht kraftvoll, gerade heraus, mit Stolz auf das Geleistete und Visionen für die Zukunft. Aber warum ist Fetz so unglaublich gut? Fetz sitzt am Holztisch und nickt. «Früher habe ich mit sechs Bar Druck gepresst, heute mit 1,7 Bar – da bleibt im Tresterkuchen natürlich viel mehr Frucht drin. Viele Kunden sind dann überrascht und sagen, mit so viel Frucht sei das doch kein Trester.»

Wie man es nicht gelernt hat

Der Autodidakt Fetz ist jedoch der festen Ansicht, dass man manchmal etwas so machen muss, wie man es nicht gelernt hat. Beim Trester zum Beispiel neigt er im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen zur Eile. «Der Trester kommt bei mir aus der Presse direkt in eine Edelstahlwanne, wird dann mit Gärhefe versetzt und mit Folie bedeckt. Wenn die Gärung durch ist, wird destilliert und nicht gewartet!» Alle Trester sind bei ihm zweifach destilliert und werden dadurch unglaublich weich. Wie auch der Gewinner unserer Probe, sein Eisweintrester. «So etwas ist eine grosse Herausforderung. Die Trauben sind ja gefroren und mit Edelfäule belastet. Wenn sie auftauen, muss der Restzucker in eine saubere Gärung gebracht werden. Der Gewinnertrester ist erst mein zweiter vom Eiswein. Durch das lange Hängen der Trauben am Stock hat er sehr viele Fruchtaromen.»

«Wenn ich brenne, dann brenne ich. Dann mache ich nichts anderes. Dann bringt mir meine Frau Frühstück, Mittag- und Abendessen an die Brennblase.»

Heinz-Uwe Fetz aus Dörscheid

Frucht, genau darum geht es Fetz. Und wenn er brennt, dann macht er nichts anderes. Er ist einer, der jeden Morgen um 5 Uhr 15 aufsteht, fast zehn Ehrenämter innehat und trotzdem sagt: «Stress und Hektik gibt es bei mir nicht.» Und er ist einer, der keine halben Sachen macht: «Wenn ich brenne, dann brenne ich. Dann mache ich nichts anderes. Dann bringt meine Frau mir Frühstück, Mittag- und Abendessen an die Brennblase.» Schema F gibt es bei ihm nicht. «Jedes Jahr gilt es, von Kessel zu Kessel zu entscheiden.» Fetz brennt auch für andere, einige sind renommierte Winzer von Mittelrhein und Rheingau. In seinem eigenen Portfolio stehen rund 50 verschiedene Destillate, darunter so seltene wie Bühler Frühzwetschge, Wildrosenbrand (Hagebutte), Heimanns Rubinweichsel Brand, Pastoren Birne Brand oder Köstliche von Charneaux Birne Brand. Hinter einigen Namen stehen 200, hinter anderen nur 20 Flaschen.

Klein und fein. Darum geht es Fetz. So klein, dass er alles unter Kontrolle hat. Aber auch so klein, dass er noch Zeit für die Familie hat und die Verantwortung ihn nicht zum Sklaven seiner Arbeit werden lässt. Deshalb investiert er weder in Werbung noch in Marketing oder eine Vertriebsstruktur. Die Destillate gibt es fast nur bei ihm und im Gasthof des Bruders nebenan. Auch bei anderen Dingen kennt Fetz keine Kompromisse. «Bei mir wird nicht gesüsst! Bei vielen anderen schon.» Ein wenig Süsse verhilft vielen Raubeinen zu mehr Eleganz. Auf dem Etikett muss dies übrigens nicht vermerkt sein. Fetz’ hochfeine Destillate, die zu fairen Preisen verkauft werden, brauchen keine Süsse. Auch morgen wird Fetz wieder brennen, mit seiner Anlage, deren Heizwasser voll in die Wärmerückgewinnung geht – was ihn einst 65 000  Euro kostete. Er wird von 6 Uhr früh bis 22 Uhr in der Nacht an der Brennblase stehen. Schlehe, Brombeere und Kirsche. Bevor es losgeht, will er Wildsauen bei Vollmond schiessen. Auf den Hochsitz nimmt er sich gerne mal ein Fachmagazin mit. Denn der wahre Autodidakt lernt nie aus.

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