Swartland-Schätze

Rosas Jagd auf alte Reben

Sie vermittelt jungen, qualitätsbewussten Winzern den Wert alter Weingärten. Und damit rettete Rosa Kruger nicht nur 3500 Hektar altes Rebland, sondern sichert auch die Existenz von zahlreichen Farmen.

Rosa Kruger ist eine aparte Frau. Gertenschlank, elegant, mit feinen Zügen und quicklebendigen Augen. Nach ihrem Ahnen Paul Kruger, von 1882 bis 1902 Präsident der Südafrikanischen Republik und visionärer Naturfreund, wurden das berühmte Naturschutzgebiet und der Krugerrand benannt. Rosa, die Jura studierte, kann man sich ohne weiteres im Talar vorstellen, aber sie plädiert nicht vor Gericht. Sie plädiert im Weinberg.

Der Weinberg gehört Dirk Lesch. «Dirk ist Getreidebauer», erklärt Rosa, «aber er hat zwei sehr alte Weinberge, einen mit 60 Jahre alter Tinta Barocca, die Eben Sadie nimmt.» Dirk trommelt seine drei Arbeiter zusammen. Rosa zückt die Rebschere und bückt sich hinab zu den sehr niedrigen, noch ungeschnittenen Buschreben. Sie führt zweimal vor, wie man sie schneiden sollte. Dann zieht sie den ersten Arbeiter heran. «Was hast du denn für eine Rebschere?», moniert sie und überprüft gleich die seiner Kollegen. «Hör mal, Dirk, damit kann man doch nicht vernünftig schneiden!» Wie er denn seinen Weinberg bearbeitet, möchte ich wissen. «Für mich arbeiten die Erdwürmer», sagt Farmer Dirk, «und die gehen über einen Meter in die Tiefe.»

Wir sind auf der Westseite des Kasteelbergs, wo es nicht viele Weinberge gibt. Hier hat Rosa für Anthonij Rupert ein neues Weingut angelegt. «Die meisten meiner Kunden sind hier im Swartland. Ich arbeite immer noch mit Rupert Rothschild und Boetenhoutskloof, aber ich arbeite nur mit fünf Kunden, darunter für Mullineux. Der Begriff Consultant gefällt mir nicht. Ich mache grundsätzliche Arbeit im Weinberg. Nichts gefällt mir mehr, als einen ganzen Tag im Weinberg zu stehen und Reben zu schneiden.» Und Rosa erzählt weiter: «In meiner Familie sind alle entweder Anwälte oder Farmer. Ich habe Jura studiert, aber das nie praktiziert, sondern darüber Beiträge geschrieben. Aber ich liebte die Landwirtschaft, die Weite.»

«Beim Weinbau geht es vor allem darum, das Land zu kennen und die Böden zu verstehen.»

Als ihr vor gut 15 Jahren angeboten wurde, die Leitung einer Apfelfarm zu übernehmen, griff sie zu. «Wir fingen an, Trauben zu pflanzen, und das hatte einen enormen Erfolg.» Weinbau hat sie nicht studiert, aber sie ging zur Universität und sprach mit Professor Eben Archer und David Saayman, der eine war der Weinbau-, der andere der Bodenwissenschaftler. Sie bat um Hilfe. Die bestand darin, dass die beiden internationalen Koryphäen sich einmal im Monat einen Abend von Rosa bekochen liessen und sie dann belehrten. «Ich habe alle Universitätskurse bis zum dritten Jahr in Weinbau gemacht, aber nie ein Examen geschrieben. Die Wissenschaftler und die alten Farmer: Von denen kann man viel lernen. Ich hatte viel Glück. Und ich bin sehr viel gereist!» Inzwischen zum 23. Mal in zwölf Jahren.

Das Ziel ihrer ersten Reise war Didier Dagueneau. Der wollte sie anfangs abwimmeln und gab ihr einen Termin Sonntagfrüh um sieben. Es regnete wie aus Kübeln. «Ich war völlig durchnässt, vom Scheitel bis zur Sohle. Da fühlte er sich so schuldig und sagte: ‹Du weisst wirklich gar nichts, lass mich dir helfen.› Ich habe so viel von ihm gelernt, und wir wurden Freunde.» Viele andere Spitzenwinzer folgten und viele Länder. Zuletzt das Burgenland: Blaufränkisch und Süssweine. «Wenn du was lernen willst, musst du dahingehen, woher es kommt. Ich habe viel gelernt, und ich habe viel neues Wissen in dieses Land gebracht.»

«Beim Weinbau geht es vor allem darum, das Land zu kennen und die Böden zu verstehen», sagt Rosa. «Wenn ich einen neuen alten Weinberg finde, schliesse ich meine Augen. Das ist meine grösste Herausforderung: vorherzusehen, wie der Wein von einem Stück Land werden wird. Die inhärente Qualität des Weins ist bereits im Weinberg.» Eben Sadie war der Erste, dem Rosa Trauben aus einem alten Weinberg anbot. «Damals hatte ich einen Weinberg entdeckt, und ich sah die Möglichkeit, was daraus werden konnte. Ich konnte den Wein fast schmecken, wenn ich mir den Weinberg anschaute. Eben ist kein Kunde von mir, sondern ein Freund. Wenn ich etwas gefunden hatte, was ich ihm geben wollte, haben wir darüber diskutiert, und immer hat er etwas Fantastisches daraus gemacht. Das ist wundervoll für mich.»

Rosa hat vielen jungen Weinmachern geholfen, indem sie ihnen Trauben von alten Weinbergen vermittelte. Aber nur solchen, die daraus wirklich gute Weine machen. «Die Farmer lieben es, diese Weine zu probieren. Viele von ihnen sind in abgelegenen Gebieten. Wenn ich für ihre Trauben besseres Geld kriegen kann, dann kann das darüber entscheiden, ob sie ihr Land behalten oder es verkaufen. Es geht um das Leben der Leute. Ich nehme das sehr ernst, nicht nur weil ich an die Qualität des Weins glaube. Man darf seine Farmer nicht verlieren!»

Inzwischen hat Rosa eine Liste von 3500 Hektar an alten Rebanlagen erstellt, weitaus mehr, als sie zu erträumen wagte. Dahinter stehen 600 Farmer, die sich alle etwas mehr Geld für ihre Trauben erhoffen. «Und es ist so viel schöner, die Trauben an Leute zu liefern, die daraus tolle Weine machen.» Man darf darauf gespannt sein, mit welchen Weinen Südafrika uns in den nächsten Jahren überraschen wird. Dank dir, Rosa.

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