WEINE VOM ÄTNA

MANCHE MÖGEN’S HEISS!

Text: Thomas Vaterlaus, Fotos: Heinz Hebeisen

Der Ätna ist das heisseste Terroir im südlichen Italien.Nicht wegen der Lava, die der Berg ständig ausspuckt: Investoren und eigenwillige Selfmade-Winzer bringen hier Weine hervor, die im besten Falle so archaisch, wild und undomestiziert wirken wie der Vulkan, unter dem sie reifen.

 

Das schwarze Zeug rollt und knirscht wie wild unter den Füssen. Ja, die Vulkan-Basaltsteine von Randazzo sind so derb und rau, dass meine neuen Timberlands nach einem kurzen Spaziergang über den gewaltigen, erstarrten Lavastrom so abgewetzt aussehen, als seien sie fünf Jahre alt. In der Hand kratzen die porösen Dinger mit ihrer schroffen Oberfläche wie Stachelfische. Antonio Minissale, der Rebbauverantwortliche beim Prestigeprojekt Terrazze dell’Etna, nimmt ein paar der schwarzen Basaltdinger in die Hand und sagt: «Diese Erstarrungssteine hat der Vulkan im Jahr 1981 hinterlassen, genauer gesagt am 18. März 1981.» Damals öffneten heftige Eruptionen einen neuen Nebenkrater auf 2700 Meter Höhe, dessen Lavastrom auf seinem Weg ins Valle Alcantara ganze Waldpartien, etliche alte Rebgärten und auch Strassen zerstörte. Er vollbrachte sein vernichtendes Werk mit chirurgisch anmutender Präzision.

Wir sehen kraftstrotzende 80-jährige Nerello-Mascalese-Stöcke in blühendem Grün, und nur fünf Zentimeter daneben gibt es plötzlich nichts Lebendiges mehr, nur noch totes, schwarzes Geschiebe von ein paar Hundert Meter Durchmesser. Und hinter dieser Steinlawine blüht, wächst und summt es wieder, als ob nie etwas geschehen wäre... Der Lavastrom erreichte damals nur wenige Hundert Meter östlich des Stadtzentrums von Randazzo die Talsohle, zerstörte einige Häuser und wurde schliesslich vom Wasser des Alcantara-Flüsschens endgültig gestoppt. Keine Stadt liegt so nahe am Ätna wie die Winzermetropole Randazzo, und doch wurde sie bisher stets auf wundersame Weise von Vulkanausbrüchen verschont. Für Gläubige ist’s kein Wunder, sondern göttliche Fügung, begünstigt durch den Umstand, dass gleich drei gewaltige Kirchen in der Altstadt thronen, kaum ein anderes Städtchen in Sizilien verfügt über eine solche Gotteshausdichte...

Steine mit Geburtsdatum

Normalerweise verfassen Weinjournalisten gerne euphorische Lobgesänge über Terroirs, sprich Böden, die Millionen von Jahren alt sind. Und nun halte ich also einen vulkanischen Basaltstein in der Hand, ein Vintage-Gestein, einen Millésimé, einen Stein mit Geburtsdatum. Der Vulkan hat diesen Stein am 18. März 1981 geboren. Jetzt, im Alter von 33 Jahren, wachsen auf einigen der Brocken schon wieder zarte Flechten. Eines noch fernen Tages werden erste Blumen und Halbsträucher vorsichtig Fuss fassen, etwa die gelben Greiskräuter oder rote Spornblumen, und irgendwann wird die Vegetation wieder explodieren, mit Ginster, Baldrian und Birkenbäumen. Und wer weiss: In ein paar Hundert Jahren, wenn die rauen Brocken allmählich zu feinstem, mineralstoffreichem dunklem Staub mutieren, werden Winzer auf diesem Boden von 1981 wieder Reben pflanzen… Ja, dieser Berg, mit seinen vier Haupt- und über 400 Nebenkratern, der so lebendig ist, dass seine exakte Höhe nicht angegeben werden kann, ist nicht einfach ein Terroir, er ist eine gewaltige Terroir-Maschine», die permanent Boden nimmt und wieder gibt. Ein Phänomen, das einzigartig ist in der Weinwelt.

Weisse Überraschungen

Am Tag vor der Abreise zum Ätna fand ich im Keller einen 2004er Pietramarina Etna Bianco Superiore von Benanti. Der 950 Meter über Meer nahe dem Dorf Milo gereifte Cru, ein reinsortiger Carricante, fasziniert jetzt, im Alter von zehn Jahren, mit Aromen von frischen Kräutern, einem Anflug von Waldhonig, Salz und Jod, vor allem aber mit mineralischen Aromen. Im Gaumen ist nichts anderes als pure, noch immer jugendliche Frische auszumachen, getragen von einer stahligen, glasklaren Säure. Sogar ein kompromisslos vinifizierter Chablis hätte seine liebe Mühe, mit diesem asketischen zehnjährigen Ätna-Gewächs mitzuhalten. Während der Recherche am Ätna verfestigte sich der Eindruck, dass die weissen Top-Crus qualitativ durchaus auf Augenhöhe mit den vermeintlich prestigeträchtigeren roten Spitzenweinen liegen.

Wer vom Ätna spricht, spricht normalerweise zuerst von der roten Wundersorte Nerello Mascalese, die zweifelsfrei grossartige Weine hervorbringt. Doch während rote Vorzeigeweine wie der Calderara Sottana von Terre Nere oder der Feudo von Girolamo Russo heute zuweilen doch so viel Power und Fruchtfülle zeigen, dass der vielfach benutzte Vergleich mit dem Burgund als nicht mehr treffend erscheint, muten die weissen Top-Crus noch immer durch und durch burgundisch an. Ja, es scheint, dass sich die alteingesessene weisse Sorte Carricante erfolgreicher der Domestizierung zu widersetzen vermag als der rote Nerello Mascalese. Paradebeispiele dafür sind die im kühlen Terroir von Randazzo gereiften Etna Bianco von Cottanera und Graci. Beide betören mit Finesse und geradliniger Frische. Derweil kündigt sich hier, im vermeintlich kühlsten Terroir am Ätna, bereits die nächste Revolution an. Eine ganze Reihe von Kellereien experimentiert mit flaschenvergorenen Schaumweinen. Die Resultate sind überaus vielversprechend.

Vom Dornröschenschlaf zum Hype

Für eine Reise zum Ätna gibt es nur eine logische Lektüre. Den Roman «Unter dem Vulkan» vom englischen Schriftsteller Malcolm Lowry. Der spielt zwar nicht am Ätna, sondern unter dem mexikanischen Popocatepetl, und die Hauptfigur, ein desillusionierter britischer Exkonsul, trinkt keinen Wein, sondern beträchtliche Mengen von härteren Mitteln, doch eine Gemeinsamkeit zur Szenerie am Ätna besteht: Das Temperament beziehungsweise die Sprengkraft des Berges scheint einen besonderen Schlag von Menschen anzuziehen. Sie stehen auch in jedem Ätna-Artikel, die Geschichten von Esoterikern, die im Frühling oben auf dem Ätna nackt im Schnee meditieren, oder von Hobby-Vulkanologen, die immer wieder in den Gipfelbereich vorstossen, magisch angezogen von Rauch und brodelndem Magma, und irgendwann einfach spurlos verschwinden.

Unten in Randazzo ist von all dem nichts zu spüren. Zwar liegt das Städtchen nur gerade zehn Kilometer vom Ätna-Gipfel entfernt auf 770 Metern über Meer. Doch viele der hier lebenden Winzer waren noch nie oben im Kraterbereich. Sie leben zwar mit dem Vulkan und vom vorzüglichen Terroir, das er ihnen gegeben hat, halten aber gleichzeitig ehrfürchtig Abstand zu ihm. Weinbau wird hier schon seit Jahrtausenden betrieben. Restaurierte Kelterhäuser wie jene von Terrazze dell’Etna oder dem Agriturismo «Quota Mille» beweisen, dass schon vor Jahrhunderten in Höhenlagen von fast tausend Metern über Meer professionell vinifiziert worden ist. In sogenannten «Palmeti» (Kelterwannen) wurden die Trauben mit Füssen getreten und der ablaufende Saft wurde abgezogen, der im darunter liegenden Torkelbereich gewonnene Presssaft separat vergoren.

Die Krise am Ätna setzte wohl ein, als der Verkauf von Offenwein in den nahegelegenen Badeorten ins Stocken geriet. Daraufh in verfiel der Weinbau am Ätna in tiefsten Dornröschenschlaf. Die Wiedergeburt begann vor rund 25 Jahren, als Persönlichkeiten wie Giuseppe Benanti, dessen Familie in Viagrande schon früher Weine produziert hatte, mit neuem Qualitätsdenken den Weinbau revolutionierten. Doch noch zwischen den Jahren 1990 und 2000 sprachen nur einige wenige Insider über den Aufbruch am Ätna. Der weltweite Hype begann erst, als der illustre italoamerikanische Weinbroker Marc de Grazia das Terroir von Randazzo auswählte, um hier seine Tenuta delle Terre Nere zu etablieren. Volle Fahrt nahm dieses Projekt erst 2004 auf, als erstmals im eigenen Keller vinifiziert werden konnte.

Burgundisches Cru-Denken

In den letzten zehn Jahren ist in Randazzo und Umgebung nun weinmässig mehr passiert als in den 200 Jahren zuvor. Terre Nere, Cottanera, Graci, Girolamo Russo, Terrazze dell’Etna – sie alle sind hier zu Hause. Wer mit seinem Mietauto auf engen Strässchen durch die Rebberge kurvt, die hier auf 600 bis 1000 Metern liegen, sieht eine ähnliche Szenerie wie vor 25 Jahren im Priorat. Überall werden alte Terrassen-Trockenmauern restauriert, alte Parzellen revitalisiert und leer stehende Höfe renoviert. Die wohl nachhaltigste Auswirkung dieses Booms ist, dass sich das Prinzip der Einzellagen nach burgundischem Cru-Denken durchgesetzt hat. Ja, die Ätna-«Grand Crus» wie Guardiola, Porcaria oder Calderara Sottana sind für Weinfreaks schon fast so feste Begriffe wie Échezeaux oder Richebourg im Burgund. Es sind heute vor allem zwei Betriebe, die den Urtyp des temperamentvollen, eigenständigen und vor allem frischen Ätna-Crus besonders pflegen. Die Passopisciaro-Weine von Andrea Franchetti (der in der Toskana auch das Weingut Trinoro betreibt) sind Rohdiamanten von unerreichter Strahlkraft. Und der vor 13 Jahren von Belgien an den Ätna emigrierte Frank Cornelissen bringt die Ätna-Charakteristik ohne Interventionen nach den Prinzipien des naturbelassenen Weines unverfälscht und ungeschwefelt in die Flaschen.

Bleibt die Frage, was denn nun den Ätna-Crus wirklich ihren unverwechselbaren Charakter beschert. Nun, es ist wohl nicht nur der leichte, aber doch fruchtbare Vulkanboden aus Basalt, Bimsstein und Asche sondern auch der spät reifende Charakter der heimischen Gewächse, allen voran der weissen Carricante oder der roten Nerello-Mascalese-Traube. Wenn sie Ende Oktober geerntet werden, ist es oben am Ätna schon empfindlich kühl, so kühl wie im Piemont oder im Burgund. Und genau diese kühle Eleganz finden wir im besten Falle auch im Glas.

FÜNF DOMÄNEN – FÜNF PHILOSOPHIEN

Das 11.000-Einwohner-Städtchen Randazzo ist zum Mittelpunkt der Wein-Renaissance am Ätna avanciert. Wir stellen Ihnen hier fünf wegweisende Projekte vor.

PASSOPISCIARO

DIE MEISTER DER CRUS

Abendessen im Restaurant «Quota Mille», tausend Meter über Meer. Im Glas funkelt der 2009er Sciara Nuova von Passopisciaro kirschrot. Wir riechen wilde Erdbeeren, Kräuter und Erde und finden im Gaumen endgültig zu einem Wein, der mit seiner ungeschliffenen Kantigkeit fasziniert. Andrea Franchetti, der Mann hinter diesem Cru, war Restaurantbesitzer in Rom und Weinhändler in New York, bevor er in den 90er Jahren, inspiriert durch Peter Sisseck und Jean-Luc Thunevin, zwei minuziös geplante Weinprojekte initiierte: die Tenuta di Trinoro in der südlichen Toskana und danach Passopisciaro. Die Kellereiruine, die er vor 14 Jahren im Dorf Passopisciaro übernahm, ist inzwischen so instand gestellt, dass Vincenzo Lo Mauro, der Direktor des Gutes, kompromisslos qualitätsorientiert arbeiten kann. Der Ruf des Hauses beruht ganz auf Nerello Mascalese. Jährlich werden fünf famose Parzellenselektionen abgefüllt, nämlich: Chiappemacine (80-jährige Reben, 550 Meter über Meer) Porcaria (80-jährige Reben, 650 Meter über Meer), Guardiola (über 100-jährige Reben, 800 Meter über Meer), Sciaranuova (80-jährige Reben, 850 Meter über Meer) und Rampante (100-jährige Reben, 1000 Meter über Meer). Alle Weine durchlaufen eine bis zu 18-tägige Maischengärung und reifen in grossen Holzfässern (800 bis 5000 Liter). Übrigens: Nicht der höchstgelegene Cru Rampante erzielt den höchsten Preis, sondern vielmehr der Porcaria.

COTTANERA

DER KLASSIKER

Über einen Zeitraum von 40 Jahren hinweg hat die in Messina lebende Weinhändlerfamilie Cambria ihr Landgut in Castiglione di Sicilia, zehn Kilometer östlich von Randazzo gelegen, zu einem Topweingut umfunktioniert. Treibende Kraft war Guglielmo Cambria. Seit dieser 2008 im Alter von 66 Jahren gestorben ist, wird das Projekt von seinen drei Kindern und seinem Bruder Enzo weitergeführt. Ein Gang durch den kürzlich aufwändig modernisierten und erweiterten Keller beweist, dass aus dem idyllischen Anwesen eine State-of-the-Art-Winery geworden ist. Unter dem Label Barbazzale kommen auf Frucht getrimmte Weine auf den Markt, der Barbazzale Bianco etwa ist eine höchst gelungene, aromatisch-frische Cuvée aus Inzolia und Viognier. Der Gutsname Cottanera dagegen ist ganz den klassischen Ätna-Crus vorbehalten. Der Etna Bianco 2012 ist pure Frische und Finesse. Und auch der Etna Rosso 2010 besticht mit Power und Charakter. In den 90er Jahren liebäugelte die Familie Cambria noch mit internationalen Sorten wie Merlot und Cabernet, jetzt liegt der Fokus klar auf den heimischen Sorten. Die Weine beweisen: Es ist der richtige Weg!

TENUTA DELLE TERRE NERE

DIE MATCHMAKER

Ist es nicht unglaublich, wie stark ein einzelnes Weingut das Image einer Region prägen kann? Als Tausendsassa Marc de Grazia im Jahr 2003 sein Projekt in der Contrada da Calderara bei Randazzo startete, war die Rückbesinnung auf die alten Rebparzellen am Ätna schon in vollem Gange. Doch er war es, der Lagen wie Guardiola, Santo Spirito, Calderara Sottana oder Feudo di Mezzo weltbekannt machte, so dass sie inzwischen einen ähnlich legendären Ruf haben wie Brunate, Prapò oder Cannubi im Piemont. Ähnlich clever war die Lancierung seines Prephylloxera La Vigna di Don Peppino, der das Augenmerk auf die über 130-jährigen, wurzelechten Nerello-Mascalese und Nerello-Capuccio-Stöcke am Ätna lenkte. Was im Keller auffällt, ist die Umstellung auf grössere Holzgebinde aus der österreichischen Küferei Stockinger. Terre Nere steht heute für eine geschickt «geschliffene» Ätna-Charakteristik mit viel Fruchtfülle, präsentem, aber weichem Gerbstoff und einer frischen, aber nicht zu dominanten Säure.

FRANK CORNELISSEN

DER VISIONÄR

Niemand am Ätna geht so kompromisslos seinen Weg wie der aus Belgien stammende Frank Cornelissen. Als Basis seines Schaffens steht die Erkenntnis, dass der Mensch letztlich unfähig ist, die Natur in ihrer Komplexität und in ihren Interaktionen zu verstehen, und es darum besser ist, im Rebberg der Natur zu folgen, als diese mit willkürlichen Eingriffen zu irritieren. Das Gut produziert auf 18 Hektar Reben nur gerade 45 000 Flaschen Wein. Vinifiziert werden die Weine ohne jegliche Korrekturen und Zusätze, auch Schwefel zur Konservierung wird nicht zugegeben. Damit gehört Frank Cornelissen zu den Vorreitern der neuen Naturwein-Bewegung. Sein Topwein, der Magma Rosso, in der Regel eine Selektion von ungepfropften sehr alten Stöcken, die 650 bis 1010 Meter über Meer wurzeln, wird nur in Spitzenjahrgängen abgefüllt. Der Wein liegt drei Monate auf der Maische und reift danach in Amphoren. Alle Cornelissen-Weine vereinen in vorbildlicher Weise die Eigenschaften von Ätna-Crus mit dem Ausdruck von konsequent antiinterventionistisch hergestellten Weinen. Die Aromen von wilden roten Beeren und Kräutern sowie erdig-mineralische Noten zeichnen diese Weine ebenso aus wie ihre im besten Sinne ungestüme Lebendigkeit am Gaumen.

TERRAZZE DELL’ETNA

DIE SCHÖNGEISTER

Hinter dem 2008 gestarteten Projekt steht der in Palermo wohnhafte Bauunternehmer Nino Bevilacqua. Nur wenige Kilometer östlich von Randazzo hat er ein historisches, 28 Hektar umfassendes Gehöft erworben, das unmittelbar an den Lavakegel von 1981 angrenzt. Unzählige Trockenmauern, aber auch verschiedenste Unterkünfte und Ställe wurden sorgsam restauriert. Die kleinen Rebparzellen liegen inmitten eines reichhaltigen Ökosystems, bestehend aus Orangen-, Zitronen-, Oliven- und Nussbäumen, aber auch Bäumen und Sträuchern. Über dem terrassenartig angelegten Hof thront majestätisch der Ätna-Gipfel. Vinifiziert werden die Weine in einem schlicht-modern gehaltenen Hangar in der Gewerbezone von Randazzo. Auch die Weine Terrazze dell’Etna provozieren nicht mit Säure und Gerbstoff, sondern mit gekonnt gezügelter Fülle und Schmelz, ohne dabei schwer zu wirken. Von Beginn an setzte das Gut auch auf Schaumweine aus Chardonnay und Pinot Noir. Mit dem Cratere, einer Cuvée aus Nerello Mascalese und Petit Verdot, gelingt dem Gut eine perfekte Gratwanderung zwischen Ätna-Typizität und südlichem Charme.

INSEL + VULKAN = GRAND CRU

Was haben Santorini, Sizilien und Lanzarote gemeinsam? Nun, alle drei sind Inseln, die ganz oder wenigstens teilweise (Sizilien) von Vulkanen geschaffen worden sind. Und auf diesen vulkanischen Böden wird Wein angebaut, schon seit Jahrhunderten. Lange Zeit wurden diese Weine aber nur von Einheimischen, später auch von Touristen getrunken. Die verdiente internationale Aufmerksamkeit fanden die Vulkaninsel-Crus erst in den letzten Jahren, seit Winzerpioniere auf allen drei Inseln beweisen, welches Qualitätspotenzial in diesen Terroirs steckt.

Auf Santorini, «dem schönsten Pulverfass der Welt», mit seinen hoch gelegenen weissen Dörfern über azurblauem Meer fand der letzte grosse Vulkanausbruch im Jahr 1628 vor Christus statt. Heute bringt auf den damals geschaffenen Vulkanböden die Sorte Assyrtiko die besten Weissweine Griechenlands hervor, und zwar in der geradlinig frischen, dem Riesling ähnlichen Version, aber auch als im Holz ausgebauten Cru oder edelsüssen Vinsanto. Um die Trauben vor dem Wind zu schützen, wird die Assyrtiko-Rebe spiralförmig direkt auf dem Boden erzogen, so dass die Pflanze einem Vogelnest gleicht, in deren geschütztem Inneren die Trauben reifen. Paris Sigalas, Yannis Argyros und Yannis Paraskevopoulos (Gaia) sind die Topwinzer auf Santorini. Auf der spanischen Kanareninsel Lanzarote wurden die letzten starken Ausbrüche in den Jahren 1730 bis 1736 und 1824 registriert. Im Anbaugebiet La Geria wachsen die Stöcke noch immer in klassischer Manier in Mulden, die von halbkreisförmigen Mauern umgeben sind, um sie vor dem heftigen Wind zu schützen. Die besten Weine Lanzarotes werden aus der weissen Sorte Malvasia gekeltert. Bodega Stratvs und El Grifo gehören zu den führenden Betrieben.

Während die Reben auf Santorini und Lanzarote nur durch die allmorgendliche Taubildung auf den Blättern und dem Boden genügend Wasser bekommen, gilt die Weinbauregion am Ätna als vergleichsweise niederschlagsreich. Alle drei Inseln bringen Weine hervor, die nicht mit südlicher Wucht, sondern mit fast nördlich anmutender Frische und Finesse begeistern. Verantwortlich dafür ist das Zusammenspiel von leichten, mineralreichen Böden, extremen klimatischen Bedingungen (Höhenlage auf Sizilien, starker, oft kühler Wind zur Erntezeit auf Santorini und Lanzarote) und über Jahrhunderte auf die jeweils harten Verhältnisse adaptierten Sorten. Für Liebhaber der Vulkaninsel-Crus ist zudem heute klar: Die Weissweine begeistern in der Regel mehr als die Roten.

RANDAZZO

DIE CHARMANTE WEIN-«GOLDGRÄBER»-CITY

Es ist glücklicherweise eine jener italienischen Städte, wo es die Einwohner abends noch immer hinaus auf die Strassen und Plätze treibt. Randazzo «after work» ist ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Und auch wenn der Vulkan bis heute die Stadt verschont hat, so ist er doch auf mannigfaltige Weise stets präsent. Nicht nur wenn er gerade mal wieder raucht und Feuer spuckt. Viele der stolzen Stadthäuser, aber auch Strassen sind aus schwarzem Ätna-Stein gebaut worden. Randazzo ist ein guter Ausgangspunkt zum Besuch der vielen aufstrebenden Weingüter, die sich vor allem östlich der Stadt befinden. Die Stadt liegt direkt am Parco dell’Etna, den man zu Fuss oder per Mountainbike erkunden kann, die Routen führen bis zu einigen Nebenkratern des Ätna. Zudem befindet sich hier auch eine Haltestelle der Ferrovia Circumetnea. Dabei handelt es sich um eine Schmalspurbahn, die fast den ganzen Ätna umrundet. Spektakulär ist auch ein Besuch des Alcantara-Flusses, der über erkaltete Lavaströme fliesst, aber auch durch tiefe Schluchten mit Wasserfällen. Der berühmteste Badeort Siziliens, Taormina, liegt nur eine Autostunde von Randazzo entfernt.

HOTELS

Hotel Feudo Vagliasindi

Contrada Feudo S. Anastasia Strada Provincale 89 | I-95036 Randazzo | Tel. +39 095 799 18 23 | www.feudovagliasindi.it

Das palazzoähnliche Anwesen mit schönem Garten inklusive Pool ist nur einen Steinwurf von den Weingütern Terre Nere und Filippo Grasso entfernt, es liegt inmitten von Rebgärten und Olivenhainen. Die Zimmer sind puristisch schlicht, aber hochwertig eingerichtet, das Restaurant ist gediegen. Auf dem Gut werden auch Olivenöl und Wein hergestellt. Im alten Keller liegen noch Nerello-Mascalese-Weine aus dem 19. Jahrhundert.

Hotel Etna Quota Mille

Contrada Marzarola | I-95036 Randazzo | Tel. +39 095 518 72 93 | www.etnaquotamille.it

Hoch über Randazzo, gleich neben dem Lavakegel von 1981, thront der Agriturismo «Quota Mille» am Ätna. Die Aussicht über das Tal ist spektakulär. Hier logiert der Weinfreund gleich neben den höchstgelegenen Rebparzellen, also rund tausend Meter über Meer, und kann abends am eigenen Körper erfahren, wie empfindlich kalt es selbst im Sommer werden kann. Das Restaurant ist spektakulär in einem ehemaligen Weinkeller untergebracht. Vielfältige rustikale Küche, bequeme, traditionell eingerichtete Zimmer.

Hotel Scrivano

Via Bonaventura 2 | I-95036 Randazzo | Tel. +39 095 921 11 26 | www.hotelscrivano.com

Am Rande der verwinkelten Altstadt von Randazzo gelegen. Abends flanieren die Einheimischen vor der Tür auf und ab. Typisch italienisches Ambiente mit einem etwas zusammengewürfelt anmutenden Interieur, aber nicht ohne Charme. Gutes Restaurant.

RESTAURANTS

Osteria San Giorgio e Il Drago

Piazza San Giorgio 20 | I-95036 Randazzo | Tel. +39 095 923 39 72

An einer verschlafenen Kopfsteinpflasterstrasse, wo abends die Katzen zwischen den parkenden Autos miauen, befindet sich diese Osteria wie aus dem Bilderbuch. Oder wie aus einem Fellini-Film. Mama kocht, und die junge Generation betreut die Gäste. Tolle Weinkarte, die alle Spitzen-Crus am Ätna vereint, und das zu höchst bezahlbaren Preisen.

Ristorante Veneziano

Contrada Arena | I-95036 Randazzo | Tel. +39 095 799 13 53 | www.ristoranteveneziano.it

Jahrzehntelang empfingen die Familien Veneziano und Munforte ihre Gäste mitten in der Stadt. Nun sind sie in ein grosszügiges Landhaus mit modernem Ambiente, wenige Kilometer östlich von Randazzo, umgezogen. Raffiniert verfeinerte sizilianische Gerichte. Die Steinpilze vom Ätna gibt’s in der Saison in Form von Suppen, Ragout oder Carpaccio.

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