Guide: Barbaresco 2015 und Barolo 2014

Ein Spitzenjahr für den Barbaresco 

Verkostung und Text: Christian Eder, Fotos: Siffert / weinweltfoto.ch

Die zwei könnten unterschiedlicher nicht sein: zum einen der warme, ausgewogene Jahrgang 2015, in dem die Trauben für den Barbaresco optimal reiften und nicht nur Qualität, sondern auch Quantität produzierten; zum anderen der kühle, verregnete 2014er, in dem zwar wenige sehr gute, aber teils überraschend elegante Barolo entstanden. 

In beiden Fällen ist natürlich die ureigenste piemontesische Rebsorte Nebbiolo die Basis: Sie reift spät, gibt elegante, langlebige Weine und ist sehr terroirempfindlich und damit hervorragend für Einzellagenweine geeignet. Der Vergleich mit dem Burgund wird daher für die Langhe, das Gebiet rund um die Stadt Alba im Herzen des Piemont, gerne bemüht. Barbaresco- und Barolo-Weine können darum auch eine geografische Zusatzbezeichnung tragen: 181 Menzioni Geografiche Aggiuntive sind bei Barolo eingetragen, 66 bei Barbaresco. 
Das Anbaugebiet des Barolo ist zudem in etwa dreimal so gross wie das des Barbaresco, die Rebberge liegen höher und sind von Kalk und Lehm dominiert. Das plus vier Jahre Reife im Keller machen den Barolo zu einem der langlebigsten Weine Italiens. Nicht nur das: Die Barolo-Rebberge sind aktuell bei Investoren sehr gefragt und zählen zu den teuersten Lagen Italiens. Für einige Barolo muss man bereits einen dreistelligen Euro-Betrag berappen. 
Da ist man als kostenbewusster Weinfreund beim Barbaresco besser bedient: Dort liegen die Preise von Weinen mit Lagenbezeichnungen zum Teil noch unter 30 Euro. Das hat damit zu tun, dass die Weine aus tieferen Lagen stammen als ein Barolo und ein Jahr früher auf den Markt kommen. Auch in Aromatik und Struktur unterscheiden sich die beiden ungleichen Brüder.
Aber gerade in einem opulenten Jahrgang wie 2015 kann der Barbaresco wieder einmal beweisen, was in ihm steckt. Deshalb haben wir den Schwerpunkt dieser Degustation auf den Barbaresco 2015 gelegt. Vom Barolo 2014 haben wir eine kleine, aber feine Auswahl der Weine getroffen, die uns bei der grossen Jahrgangsverkostung Nebbiolo Prima in Alba am besten gefielen. 

Barbaresco
Erst Mitte des 20. Jahrhunderts konnte sich der Barbaresco neben dem Barolo behaupten. Heute stehen in den Grenzen des 1966 festgelegten Gebietes in den vier Gemeinden Barbaresco, Treiso, Neive und Alba rund 700 Hektar unter Reben. Barbaresco kommt nach einer Mindestlagerzeit von 26 Monaten (davon 9 in Holz) auf den Markt, eine Barbaresco-Riserva nach 50 Monaten. Auf dem Etikett kann eine von 66 geografischen Zusatzbezeichnungen angeführt werden.

Barolo
Das Anbaugebiet erstreckt sich südlich der Stadt Alba über elf Gemeinden. Rund 1800 Hektar sind mit Nebbiolo für Barolo bestockt, produziert werden ca. elf Millionen Flaschen. Ein Barolo DOCG muss mindestens 38 Monate reifen, davon 18 in Holz; nach 62 Monaten (davon 18 in Holz) Ausbauzeit kann er die Bezeichnung Riserva tragen. Zudem kann auch eine der 181 geografischen Zusatzbezeichnungen auf dem Etikett stehen, die im Anbaugebiet zugelassen sind. 

Resultate, Analysen, Statements

Meist steht der neue Jahrgang des Barbaresco im Schatten des ein Jahr älteren Bruders aus Barolo, der zur gleichen Zeit präsentiert wird: Der Wucht des Barolo hat der filigranere, fruchtigere Barbaresco scheinbar wenig entgegenzusetzen. Aber gerade ein warmer Jahrgang wie 2015 zeigt, wie er Struktur und Eleganz verbinden kann. Manche Kritiker bevorzugen filigranere, leichtere Barbaresco aus kühleren Jahren. Uns allerdings hat er viel Spass bereitet, der Barba­resco 2015: Die kalkhaltigen Mergelböden und der Fluss Tanaro sorgen gerade in den Barbaresco-Lagen von Rabajà oder Asili für feinfruchtige, duftig-elegante Weine. 
Neive oder Treiso hingegen, die grösstenteils höher liegen, zeichnen sich durch mehr Struktur aus. Kaum ein 2015er hat weniger als 14 Vol.-%, trotzdem sind die Barba­resco sehr ausbalanciert und glänzen mit viel reifer Frucht und guten Tanninen, die eine solide Alterungsfähigkeit garantieren. 

«Gerade ein warmer Jahr-gang wie 2015 zeigt, wie ein Barbaresco Struktur und Eleganz verbinden kann.»

 

Christian Eder VINUM-Verkoster

Der Jahrgang 2014 gilt wegen kühler Temperaturen und Regenfällen beim Barolo hingegen als «schwierig». Wer aber geduldig war und die finale Schönwetterperiode im Oktober abwartete, brachte überraschend charaktervolle Weine in den Keller: Von den elf Kommunen, in denen Barolo produziert werden darf, gefielen uns vor allem Weine aus La Morra, Serralunga sowie aus No­vello und Verduno. Die Riserve, die bei Barolo und Barbaresco zwei Jahre nach dem Jahrgangswein auf den Markt kommen, sind eine relativ kleine Nische. Einige Weine der Jahrgänge 2012 (Barolo) und 2013 (Barbaresco) zählen aber mit zum Besten, was das Anbaugebiet hervorbringt. 

Die Verkostung
Christian Eder verkostete bei der Jahrgangsverkostung Nebbiolo Prima in Alba (Piemont) und in der Redaktion im Mai und Juni 2018 rund 300 Barolo und rund 100 Barbaresco.

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