Marktschau: Malbec

Trink Argentina, ­Martina!

Degustation und Text: Carsten Henn Fotos: VINUM

 

Weinfreunde wissen, dass Argentinien mehr zu bieten hat als enttäuschende Fussball­nationalmannschaften und korrupte Regierungen. Als Spezialist für die französische Rebsorte Malbec hat man sich mit samtig-fülligen Rotweinen international etabliert. Was bieten die lilaschwarzen Tropfen heute?

Von rund 40 000 Hektar Rebfläche Malbec weltweit entfallen gut 70 Prozent auf Argentinien. Die meisten Malbec-Reben stehen in Mendoza, der grössten und wichtigsten Weinbauregion des südamerikanischen Landes. Trocken und sonnig ist es dort, mit starken Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Hervorragende Voraussetzungen für Weinbau. Allerdings scheint man die Zeichen der Zeit nicht überall verstanden zu haben. Weltweit setzen Winzer auf Leichtigkeit und Frische, viele argentinische Weine bieten dagegen gewaltigen Alkohol, überbordende Fruchtsüsse durch die hochreifen Trauben und so weiche Tannine, dass man den Eindruck bekommt, jemand würde einem den Gaumen mit Samt auskleiden. Dabei gelingt den Besten unter ihnen ein Trick: Sie beweisen, wie wenig der Alkoholgehalt aussagt. Bei ihnen sind Frucht und Tannine dermassen reif, dass alles ein harmonisches Ganzes ergibt. So wie beim besten Wein unserer Probe. Er stammt von der O. Fournier Group und ist wie Lionel Messis Fussballspiel: elegant und doch mit grosser Kraft. Grosse Weingüter wie dieses wissen sehr genau, in welcher Preissparte sie welchen Wein lancieren. Was bedeutet: Überraschende Schnäppchen von kleinen Erzeugern sind in Argentinien so gut wie unmöglich. Es heisst aber auch: Wer mehr bezahlt, bekommt auch mehr Qualität.

Zahlen und Fakten

203 000 Hektar beträgt die Rebfläche in Argentinien. Leitsorte des lateinamerikanischen Landes ist Malbec mit etwas über 41 000 Hektar. Davon stehen 86 Prozent in Mendoza, gefolgt vom nördlich gelegenen San Juan und Salta. Malbec stammt ursprünglich aus Cahors in Südwestfrankreich. Die Rebsorte für den «Schwarzen Wein aus Cahors» wurde zum Exportschlager. Um 1850 gelangte erstes Rebmaterial nach Südamerika. Zuerst wurde Malbec übrigens in Santiago de Chile kultiviert, von dort gelangte die Traube über die Anden nach Mendoza.

Höhe statt Breitengrade

Malbec hat in Mendoza seine Heimat gefunden. Hier in der trockenen Hitze der Wüste reift er voll aus und gerät manchmal fast ein bisschen zu kräftig. Wer nun denkt, das Verpflanzen der Sorte in den kühleren Süden bändigt die Kraft, liegt falsch. Der Trend geht zu Rebpflanzungen in der Höhe, wie zum Beispiel im Valle de Uco, mit dem majestätischen Gipfel des Tupungato im Hintergrund. Die Gewässer von den Anden führen zudem viel kalkhaltiges Material mit, was den Weinen mehr Grip verleiht. Teils werden diese Weine als Single-Vineyard-Qualitäten ausgebaut.

Die Verkostung
Bei dieser Verkostung beschränkten wir uns auf aktuell am Markt verfügbare Weine. Die Muster wurden verdeckt verkostet und stammen von Weinhändlern, die dem VINUM WineTradeClub angehören. Mitglieder werden regelmässig über die Themen der Marktschau informiert. www.vinum.eu/wine-trade-club

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