Das Beste vom Markt: Rosés aus Frankreich

La Vie un Rosé

Degustation und Text: Carsten Henn, Fotos: GettyImages/Foxys_forest_manufacture, Armin Faber

Die Hollywood-Superstars Angelina Jolie und Brad Pitt hatten mit ihrem provenzalischem Weinprojekt «Miraval» den richtigen Riecher: Französischer Rosé liegt voll im Trend. Und das Land hat jenseits des Weins vom ehemaligen Promipaar viel zu bieten – nicht nur aus dem Süden des Landes.

 

Statt «Hätten Sie gerne ein Glas Rosé?» könnte man oftmals treffender fragen: «Flüssiger Drops gefällig?». Es gibt sie weiterhin, die knallfarbenen Bonbonweine, doch die Welt der Rosés hat sich in den letzten Jahren enorm aufgefächert. Beispiel gefällig? Domaine des Huards’ 2017er «Prose» von der Loire. Ein Wein, der mit seiner rassigen Säure manchem Riesling Konkurrenz macht und eine begeisternd klare Frucht aufweist. Ein Rosé wie eine kalte Dusche mit Beerenfrüchten. Bemerkenswert ist auch der 2015er Le Gourmand aus Collioure. Die Domaine du Traginer ist vor allem für ihre klassischen Ban yuls bekannt und verleiht ihrem Rosé eine bemerkenswerte Würzigkeit, ohne dafür die Leichtigkeit zu opfern. Natürlich stand auch viel der berühmtesten Rosé- Region Frankreichs auf unserem Probentisch: die AOC Tavel. Trotz ihrer Bekanntheit ist sie mit rund 1000 Hektar von überschaubarer Grösse. Das typische Signet im Glas des Flaschenhalses mit dem grossen «T» und der Krone darüber hilft jedem Fan die Weine schnell zu finden. Tavel kann zum einen frisch und fruchtbetont sein, wie der preisgünstige Rosé von Le Vieux Moulin beweist. Das ist Spass im Glas – mit Niveau. Auch unser Testsieger stammt aus Tavel und ist zwar der untypischste Rosé der Probe – aber der typischste Tavel. Der Vieilles-Vignes-Rosé von Tardieu-Laurent wirkt wie ein Rotwein, mit Kraft und viel Druck. Das ist eine ganze eigene Spielart von Rosé, die aufgrund des aktuellen Trends nach niedrigem Alkohol und Frische nicht links liegen gelassen werden sollte. Der Wein hat eine bemerkenswerte Balance und Schlüssigkeit. Dass Rosé vieles sein kann, beweist auch der 2016er «Patrimonio» Yves Leccia – aus Korsika! Eine im Saignée-Verfahren gewonnene Cuvée zu 80% aus Niellucciu (der korsische Name für Sangiovese) und Grenache. Das ist ein trockener Rosé mit Grip im Extrem. Ein rosafarbenes Aha-Erlebnis!

Globaler Rosé-Rausch

Zahlenmaterial zu Rosé-Weinen ist rar, da sie statistisch nicht separat erfasst werden. Die letzte Studie wurde 2015 von der Internationalen Organisation für Rebe und Wein veröffentlicht. Demnach werden rund 10 Prozent aller Stillweine als Rosés gekeltert. Davon stammen 80 Prozent aus Frankreich, Spanien, den Vereinigten Staaten und Italien. Der Konsum hat sich zwischen 2002 und 2014 nahezu verdoppelt. 750 Prozent mehr Rosé tranken die Schweden, ge folgt von Grossbritannien und Hongkong mit einer Zuwachsrate von je 250 Prozent.

Mazeration und Saignée

Die Mehrheit aller Rosés wird aus dunklen Trauben gekeltert, die nach der Lese entrappt und eingemaischt werden. Je nach gewünschter Farbausbeute wird abgepresst und der Most anschliessend separat vergoren. Anders beim Saignée- Verfahren: Bei der Rotweinbereitung wird während der Gärung auf der Maische ein Teil des freiwerdenden Saftes abgezogen und separat als Rosé vergoren. Die Maische wird also «zur Ader gelassen». Das kommt auch den Rotweinen zugute, die durch dieses Verfahren an Extrakt und Kraft gewinnen.

Die Verkostung

Alle Muster werden verdeckt verkostet und stammen von Händlern, die dem VINUM WineTradeClub angehören und regelmässig über die Themen der Marktschau-Verkostungen informiert werden. Infos zum Club finden Sie hier. Die Resultate der gesamten Verkostung finden Sie hier oder in unserer Weinsuche unter dem Stichwort «Marktschau: Rosés aus Frankreich».

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