Bourgogne Appellations Régionales

Fundgrube für preiswerte Bourgogne

Verkostung und Text: Barbara Schroeder und Rolf Bichsel, Fotos Rolf Bichsel, VINUM

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Grosse Bourgogne sind gesucht und teuer und ohnehin fast immer ausverkauft. Ausgezeichnete und preiswerte Alternativen findet der Weinfreund in den so genannten «Regionalappellationen», historischen Weingebieten, die seit einigen Jahrzehnten wieder von sich reden machen.

Es ist nicht das erste Mal, dass wir «regionale Bourgogne» verkosten. Doch langweilige Routine wird das nie. Erstens machen die roten und weissen Weine aus den Hautes Côtes, der Côte Chalonnaise, der Côte d’Or oder der Gegend von Auxerre beim Verkosten grossen Spass, weil sie unkompliziert sind und frisch und saftig und meist schon im Alter von zwei, drei Jahren zu geniessen. Zweitens gibt es hier noch echte Entdeckungen zu machen und drittens sorgt die Vielfalt der Weine für Abwechslung und Spannung. Es kann sich um einen Blend mehrerer Lagen handeln, wie ihn die meisten Handelshäuser anbieten, mit der Qualitätsgarantie einer grossen Marke, den Wein aus einer Genossenschaft oder den Wein eines unabhängigen Winzers, der vielleicht sogar aus einem echten Climat oder, warum nicht, einem von Mauern umschlossenen Clos stammt. Sie werden im Tank ausgebaut, damit ihre Fruchtigkeit und Frische erhalten bleibt, oder in der Barrique bzw. dem Pièce, die für eleganten Schliff und aromatische Komplexität sorgt. Selbst in hierzulande kaum bekannten Gebieten wie Chitry, den Côtes du Couchois, Coulanges-la-Vineuse oder Épineuil findet man Spitzenweine, die man ohne schiefen Blick auf die Brieftasche und schlechtes Gewissen anpreisen kann. Regionale Bourgogne sind bereits ab fünf Euro zu haben, und das 20-Euro-Limit überschreitet nur selten einer. Nur in einem können sie nicht mit Weinen aus bekannteren Anbauzonen rivalisieren: im weltweiten Ruf und damit im Preis. Doch wer nicht nur auf einen grossen Namen auf dem Etikett schielt, sondern auf das, was in der Flasche auf ihn wartet, kommt hier voll auf seine Rechnung.

Zahlen und Fakten

28 000 Hektar bepflanzte Anbaufläche. Rund die Hälfte gehört zu den 14 Regionsappellationen mit geographischer Kennung und den sechs Regional-AOCs ohne eine solche. Weil das Bourgogne praktisch nur mehr hier Anbaupotenzial kennt, wird das Interesse an diesen wachsen. Wer sich heute für regionale Bourgogne interessiert, leistet Entwicklungsarbeit, die sich bezahlt macht, besonders am Gaumen.

Regionalappellationen mit geographischer Kennung

Das Bourgogne zählt 14 Regionen mit geographischer Kennung (AOC-DGC). Die bekanntesten sind:

  • Bourgogne Hautes Côtes de Nuits
  • Bourgogne Hautes Côtes de Beaune
  • Bourgogne Côte d’Or
  • Bourgogne Côte Chalonnaise
  • Bourgogne Côtes d’Auxerre
  • Bourgogne Côtes du Couchois
  • Bourgogne Chitry
  • Bourgogne Coulanges-la-Vineuse
  • Bourgogne Épineuil
  • Bourgogne Tonnerre

Resultate, Analysen, Statements

Frankreich ist kompliziert, französischer Wein komplizierter und das Bourgogne am kompliziertesten. Ist das denn wirklich so? Ich stellte diese etwas ketzerischen Fragen zwei Fachleuten, die es eigentlich wissen müssten: Guillaume Willette, Direktor aller Bourgogne-Regionalappellationen, und Guy Sarrazin, Präsident der AOC Bourgogne Côte Chalonnaise.

Fazit: Denkt man die Sache konsequent durch, ist sie einleuchtend und durch und durch logisch. Das Prinzip zuerst: Unter dem Dach der gesamten Weinregion (Bourgogne) koexistieren geographische Zonen und Weine, die einer bestimmten Produktionsregel folgen, zum Beispiel Schaumweine (Crémant). Grössere geographische Zonen enthalten wiederum kleinere Einheiten. In jeder Zone kann es Einzellagen geben, die kleinste Einheit wird im Bourgogne «Climat» genannt. Die allerbesten Lagen sind als Premiers oder Grands Crus «klassiert» und damit offiziell abgesegnet. Die Grands Crus der Côte d’Or (Bonnes Mares, Montrachet etc.) sind sogar eigenständige Appellationen.

Weingebiete halten sich nicht an geopolitische Grenzen. Die Regionalappellation Bourgogne Côte d’Or etwa ist nicht auf das gleichnamige Departement beschränkt. Herkunftsgebiete beziehen sich auf Sitten und Praktiken sowie Terroir und Klima, nicht auf politische Strukturen, und gleiche Namen bedeuten nicht immer das Gleiche. «Darum sind Regionalappellationen für den Konsumenten echte Orientierungshilfen beim Weinkauf», sagt Guillaume Willette. Doch wie definieren sich die Regionalappellationen? Der Begriff «Appellation Régionale» gilt zuerst einmal für das gesamte Bourgogne (AOC Bourgogne) und damit für Weine, die zwingend aus dieser Region stammen müssen und deren Produktionsreglement unterliegen. Sie können aus einer einzigen Parzelle stammen oder aus Weinen mehrerer Grossräume verschnitten werden. Der Appellation Régionale kann ein Begriff beigefügt werden, der eine besondere Sorte oder Machart präzisiert: Bourgogne Aligoté wird aus der entsprechenden Sorte gekeltert, während die Bezeichnung Coteaux Bourguignons Weinen vorbehalten ist, die auf einem breiteren Sortenspiegel fussen.

Crémant de Bourgogne kennzeichnet die Schaumweine der Region und die geographische Präzision (Dénomination Géographique Complémentaire DGC, kontrollierte geographische Kennung) steht für Weine, die aus einer bestimmten Ecke der Region Bourgogne stammen. Dabei kann es sich auch um eine einzige Gemeinde handeln, die (noch) nicht den AOC-Status hat, oder um eine grössere Einheit oder Unterregion. In einigen Fällen dient die AOC-DGC als Sprungbrett für den Aufstieg zur eigenen Kennung. Beispiel dafür ist Vézelay (früher Bourgogne Vézelay), die seit Oktober 2017 echte Gemeinde-AOC ist. Andere werden neu geschaffen: Die AOC Bourgogne Côte d’Or wird seit 2017 für Weine der Côte de Beaune und der Côtes de Nuits und ihrer 40 Gemeinden von Dijon bis Maranges vergeben.

Das sind Weine, die aus Lagen stammen, die weder von der AOC einer einzelnen Gemeinde (zum Beispiel Beaune) noch von den übergeordneten, mehrere Gemeinden umfassenden AOCs Côte de Beaune Villages beziehungsweise Côte de Nuits Villages profitieren (oder profitieren wollen). Doch «neue Appellationen werden nicht einfach so aus dem Ärmel geschüttelt», präzisiert Guillaume Willette. «Der Schaffung der AOC Bourgogne Côte d’Or gingen 20 Jahre rege Diskussionen voraus.»

«Regionalappellationen sind eine echte Chance, besonders für die unabhängigen Winzer und die Genossenschaften in diesen Regionen», ergänzt Guy Sarrazin. «Sie erlauben eine stärkere Identifizierung und damit Valorisierung ihrer Produkte. Charakteristisch für einen Bourgogne Côte Chalonnaise ist seine Fruchtigkeit. Ein Bourgogne Côte d’Or wird in der Regel stärker vom Terroir geprägt. Der Handel engagiert sich in diesen Gebieten etwas weniger als Rebbesitzer: Doch alle grossen Häuser bieten heute Weine aus den Regionalappellationen mit geographischer Kennung an.»

Die Verkostung

Die Verkostung wurde über die regionale Dachorganisation ausgeschrieben und vor Ort durch deren Vertreter Hervé Bianchi organisiert. Unter die Lupe genommen wurden die Weine von Barbara Schroeder und Rolf Bichsel. Alle Bewertungen finden Sie hier oder in unserer Weinsuche unter dem Stichwort «Guide: Bourgogne rot und weiss».

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