Plô Roucarels, Carcassonne

Die Saga von Julien & Julia

Text: Camille Caillou, Bilder: Rolf Bichsel

Die Liebe, der Traum vom eigenen Weingut in einer der schönsten Ecken Frankreichs, Inspiration, handwerkliches Können und viel Fleiss gehören zur Dramaturgie dieser spannenden und charmanten Weinstory mit garantiertem Happy End.  

Wenn Julia vom Balkon winkt, lässt Romeo nicht lange auf sich warten. Sonst läuft er Gefahr, von Julien ausgebootet zu werden. Julien & Julia: Wenn das nicht wie der erfolgversprechende Titel eines Schmachtfetzens für romantische Kinogänger tönt! Leider hat Rainer Werner (Fassbinder) das Zeitliche gesegnet. Der hätte aus diesem saftigen Titel im Kameraumdrehen ein süffiges Meisterwerk geschaffen. Gut, dass es keinen Fassbinder braucht, um eine gute Weinstory zu küfern. Das schafft der gute Wein noch ganz allein. Und erzählt uns seine Version der Geschichte von Julien & Julia. Die Geschichte zweier junger Leute mit Kaliber, Chic und Charme, die gemeinsam eine durch und durch authentische Weinromanze erleben. 

Julia stammt aus Ostdeutschland. Sie wuchs in einem Haushalt auf, in dem Essen und Trinken als kultureller Akt betrieben wurde und Frankreich ein Land war, von dem man täglich sprach und nächtens träumte. Da schien es nur logisch, dass sie, als sie ihre Ausbildung zur Diplomkauffrau mit einem Zweitstudium komplettieren wollte, in Frankreich landete, genauer, an der ENSA, der höheren Schule für Agronomen, in Montpellier. Kaum hatte sie ihre Lizenz für «Kommerzialisierung und Weinqualitätszeichen» in der Tasche (was immer dies auch heissen mag), hatte sie das Glück, bei Pierre Clavel in Assas am Pic Saint-Loup arbeiten zu können, (was hingegen nun wirklich etwas heissen will). Der Vollblutwinzer, der herrliche Weine keltert, war für Julia der beste Lehrmeister in Sachen Terroir, Weinphilosophie, Naturverbundenheit und ganzheitlichem Denken. 

Lehrjahre sind Wanderjahre, sagte sich die tüchtige Jungwinzerin daraufhin: Wer etwas von Wein verstehen will, muss wenigstens einmal im Leben in Bordeaux geschuftet haben. Sie fand einen Job auf Château Labégorce in Margaux und später auf Château Citran im Haut-Médoc. «Man kann von Zufall sprechen, was dann passiert ist, doch irgendwie scheint mir, da hatte schon so eine Art mysteriöse Vorbestimmung die Hand im Spiel», gesteht sie mit schüchternem Lächeln. Denn im Médoc traf sie auf ihren Romeo namens Julien, der tatsächlich nicht lange unter dem Balkon stehen blieb, und die echte romantische Saga von Julien & Julia nahm ihren Anfang.

Mit Beharrlichkeit hochgearbeitet

Julien (der mit Nachnamen Gil heisst, doch das kriegt man erst durch eifrige Detektivarbeit heraus, denn die beiden stellen sich immer und überall nur mit ihren Vornamen vor), träumte bereits im Alter, wo andere Jungen Feuerwehrmann, Gendarm oder Bankräuber werden wollen, von den zwei einzigen Berufen, die er sich vorstellen konnte: Küchenchef oder Winzer. Nach der Reifeprüfung verliess er das heimatliche Languedoc und schrieb sich für die Ausbildung in Weinbau und Önologie an der renommierten Fachschule von Blanquefort bei Bordeaux ein. Nach erfolgreichem Abschluss arbeitete er auf Gütern in Pauillac und in Margaux, wo ihm – Zufall oder Schicksal – Julia über den Balkon lief oder umgekehrt.

«Grosse Weine mit Potenzial entstehen auf Böden, die leben und atmen, wo Reben im Einklang mit ihrer Umwelt wachsen.»

Julien Gil Winzer und Schwerstarbeiter

Nun bietet Bordeaux genügend Raum für eine lebenslange Winzerkarriere. Doch die beiden wollten mehr: Sie waren fest entschlossen, ihr eigenes Weingut aus dem Boden zu stampfen. Das hingegen ist im bekanntesten Weingebiet der Welt ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man nicht einen reichen Industriellen zum Vater hat oder in die Familie eines Gutsbesitzers einheiratet und die Schwiegereltern mit gehäckseltem Rosshaar um die Ecke bringen will oder so ähnlich. Weil weder das eine noch das andere in Betracht kam – junge Liebe knastet schlecht – liessen sie sich 2006 im Languedoc nieder, dem Weinland der unbegrenzten Möglichkeiten. Und zwar in einem kleinen Dorf zwischen Carcassonne und Limoux. Hier gibt es vielfältige und erstklassige Böden im Überfluss, hier ermöglicht ein Klima mit Einflüssen von Berg und See, von Atlantik und Mittelmeer jeden nur denkbaren Weintyp. 

Sie begannen mit bescheidenden eineinhalb Hektar alter Carignan-Reben und arbeiteten sich zu achteinhalb Hektar empor, deren Ernte sie in einem gepachteten Keller zu höchst interessanten, weil durch und durch eigenständigen Weinen verarbeiteten. 

Grosse Sortenpalette

Heute zeigen sie Besuchern stolz eine blühende Wiese gleich neben ihren Rebzeilen, wo bald ihr eigener Keller stehen soll. Wenn ihre Weine eine gute Portion Frische und Eleganz besitzen, hat dies mit der Qualität ihrer Arbeit, der grossen Sortenpalette, die von atlantischen Sorten wie Cabernet und Merlot zu Mittelmeersorten wie Grenache oder Carignan reicht, ergänzt durch Syrah, Chenin und Chardonnay, der sorgfältigen Pflege der Reben und den tiefen Erträgen zu tun. Doch auch mit der Höhe der Rebgärten, die, umgeben von der Garigue, auf rund 380 Metern über Meer liegen und vom Spiel der sich kreuzenden Winde profitieren, was für einen beträchtlichen Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperaturen sorgt und damit für einen idealen Reifeprozess.

Plô Roucarels, was mit «Steinplateau» übersetzt werden kann, der Name des kleinen Gutes, das Julien & Julia tatsächlich und buchstäblich aus dem steinigen Boden gestampft haben, steht damit für die Tatsache, dass das Abenteuer Wein auch heute noch möglich ist, gut 30 Jahre nach dem Ausbruch des Weinbooms im Languedoc, dieser von Bacchus verwöhnten Gegend. 

Die Weine im Clubpaket

Plô Grand Bâtard weiss 2015

Jugendlich glänzendes Goldgelb. Zarte, fruchtig blumige Nase mit Noten von Steinobst und Zitrusfrüchten. Am Gaumen vollmundig und gut strukturiert, lang und mit feiner, mineralischer Prägung. 

Rebsorten

80% Chardonnay, 20% Chenin Blanc

Trinkreife
2017 bis 2020

Mariage
Zu Goldbrasse und Steinbutt ebenso köstlich wie zu Käse und Geflügel

 

Plô Grand Bâtard rot 2014
Kräftiges, noch jugendliches Rubin. Reife Beerenfrucht sowie frische, erdige Noten. Ungemein saftig, mundfüllend mit kantigem Tannin, langes Finale. Sehr eigenständiger, vom Terroir geprägter Wein.

Rebsorten
97% Cabernet Sauvignon, 3% Chenin Blanc

Trinkreife
2018 bis 2025

Mariage
Kräftig gewürzte Speisen wie Lammkeule oder Hammelragout

 

Limoux! rot 2012
Reifes Rubin mit granatfarbenen Reflexen. Fruchtig-würzige Aromatik von Kräutern, Unterholz und roten Waldbeeren. Besitzt Charakter und Fülle, Feuer und Herbe, doch auch erstaunliche Frische.

Rebsorten
50% Merlot, 30% Cabernet Sauvignon, 20% Syrah

Trinkreife
2017 bis 2022

Mariage
Klassiker zu Ratatouille, zu Lamm und besonders edel zu Wildschwein vom Spiess

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