Schloss Gobelsburg, Kamptal

Weinjuwel aus dem Mittelalter

Text: Ursula Geiger

  • Zahlreiche Spitzenlagen für die Sorten Riesling und Grüner Veltliner prägen das untere Tal des Kamps.

Schloss Gobelsburg ist mit seiner rund tausendjährigen Weintradition eines der ältesten Weingüter Österreichs. Dieses Erbe zu bewahren und Weine auf Topniveau zu keltern ist eine Aufgabe, der sich Michael Moosbrugger seit 1996 mit grösstem Engagement und viel Erfolg widmet.

Am unteren Lauf des Kamp, der gespeist von zahlreichen Nebenflüssen auf 920 Höhenmetern im Weinsberger Wald entspringt und nach 153 Fluss-Kilometern bei Krems in die Donau mündet, wähnt man sich im Märchen: Weiss leuchtet Schloss Gobelsburg aus dem grünen Meer der Reben, daneben steht wie eine Wächterin die Pfarrkirche Mariä Geburt. Es ist als schützten Schloss wie Kirche die steilen Rebterrassen des Heiligenstein und des Kammerner Gaisberg, die im zarten sommerlichen Dunstschleier wie Schemen über dem Tal zu schweben scheinen. Hier als Winzer und Weinmacher zu arbeiten und auf dem Schlossgut zu wohnen, kann nur traumhaft sein. Es ist aber auch eine grosse Verantwortung. «Alle Entscheidungen stimme ich auf den traditionellen Hintergrund ab. Die Historie ist so stark, dass ich mich danach richten muss», beschreibt Michael Moosbrugger seinen achtsamen Umgang mit den Gobelsburger Reichtümern, die ihm seit 1996 von den Mönchen des Stift Zwettl anvertraut sind: rund 75 Hektar Reben verteilt auf über 40 Lagen, der historische Weinkeller und das Schloss, errichtet im 16. Jahrhundert aus der Burgfestung und 1725 vollständig im Barockstil umgebaut sowie die zahlreichen kunsthistorischen Schätze inner- und ausserhalb der Mauern.

Bewegte Geschichte

Der Winzer Moosbrugger ist darum auch ein profunder Kenner der Geschichte des Weinbaus im Donaugebiet und von Schloss Gobelsburg im speziellen. Erstmals erwähnt wurde Gobelsburg im Jahr 1047. Land und Burganlage gehörten damals dem Stamm der Kuenringer, die rund hundert Jahre später das Stift Zwettl im Waldviertel am Oberlauf des Kamps gründeten, die drittälteste Zisterzienser-Abtei überhaupt. Die Schlossherren stellten den mit der Materie vertrauten Mönchen die Rebberge zur Verfügung und beauftragten sie auch mit dem Weinausbau. Die Schlossherren wechselten, die Mönche blieben. Am 17. September 1740 kauften die Zisterzienser Schloss Gobelsburg dem hochverschuldeten Besitzer ab. Ein günstiger Handel, denn die Mönche hatten weitere eigene Rebberge in Spitzenlagen am Heiligenstein und am Kammerner Gaisberg.

Bis zur heutigen Zeit hat das Schloss viel gesehen: Es diente zwischen den Weltkriegen als Erholungsheim. Während des zweiten Weltkrieges waren französische Kriegsgefangene dort einquartiert. Infolgedessen waren die wertvollen Altweinbestände der Schloss-Vinothek 1945 leer getrunken. Ab 1958 leitete Pater Bertrand Baumann vom Stift Zwettl das Weingut und führte es an die Spitze der österreichischen Weinbaubetriebe.

Die Riede bestimmt die Sorte

Wie einst den Mönchen aus dem Burgund, ist Michael Moosbrugger die Riede – die Weinberglage – sakrosankt. «Früher trank man einen Lamm oder einen Gaisberg. Dabei war klar, ob es sich um einen für Riesling oder für Grünen Veltliner geeigneten Weingarten handelt. Das Terroir definierte die Sorte.» Dieses Wissen pflegt und vertieft die 1992 gegründete Vereinigung «Österreichische Traditionsweingüter», die sich intensiv mit der Rieden-Klassifikation auseinandersetzt und der Schloss Gobelsburg seit 1996 angehört. Die Klassifikation ist ein langwieriger Prozess und im Donaugebiet umso schlüssiger, da sie nur für die Sorten Riesling und Grüner Veltliner gemacht wird. Dies erfolgt mit soviel Präzision, dass der Rieden-Vergleich im Weinglas grösstes Vergnügen bereitet. «Spitzenweine sind Ausdruck höchster Individualität, die im Rebberg entsteht. Wer in der Weinbereitung die Technologie dem Terroir überordnet macht dies zunichte. Der Zauber grosser Weine liegt demnach im Weglassen unnötiger Maschinerie», erklärt Moosbrugger mit feinem Lächeln seine Rieden-Philosophie und die Arbeit im Keller. Während andere Güter auf die Weinbereitung ausgerichtete architektonische Wunderwerke in die Landschaft pflanzen, passt man sich auf Gobelsburg der jahrhundertealten Kellerstruktur an. Das Pumpen der Weine wird vermieden, in dem man sie im «Fass auf Rädern» in andere Kellerräume transportiert. Die Hölzer der grossen und kleinen Fässer stammen vom Manhartsberg, der nördlich von Langenlois liegt. Zwar ist die Holzstruktur anders als bei Allier- oder Weisseiche, doch die Idee, Traube und Holz aus der gleichen Region zu vereinen, ist bestechend logisch.

«Entscheidungen stimme ich auf den traditionellen Hintergrund ab. Die Historie ist so stark, dass ich mich danach richten muss.»

Michael Moosbrugger Winzer

Gobelsburg heisst nicht nur Grüner Veltliner (55%) und Riesling (25%) sondern auch auch 20 Prozent rote Sorten. Zweigelt, Blauburgunder und St. Laurent werden auf je 6 Prozent angebaut, der Rest ist mit Merlot bestockt. Bei den Rotweinen setzt Moosbrugger auf maximale Eleganz bei maximaler Fruchttiefe. Auch hier liegt das Augenmerk auf den Böden. Der St. Laurent wächst auf der Gobelsburger Haide auf gut drainierten, von tertiärem Rollschotter geprägten Böden. Im Herbst werden die roten Sorten zuerst gelesen. Die Maische gärt in offenen 4000 Liter Holzstanden, der Tresterhut wird mit dem Stössel von Hand in den Most gedrückt. Schonender geht es nicht. Die feingliedrigen roten Köstlichkeiten, die mit glasklarer Frucht trumpfen bestätigen Michael Moosburgers Konzept der reduzierten Technologie vortrefflich.

Die Weine im Clubpaket

Ried Gaisberg 1. Lage ÖTW
Riesling 2015 

Die Rieslingterrassen gehören zu den ältesten von Schloss Gobelsburg bewirtschafteten Weingärten. Die Reben stehen auf Paragneis und Glimmer. Tiefgründige Frucht, Pfirsich, Marille, zarte Noten von Akazienblüten. Geradlinig und strukturiert am Gaumen, präziser Säurenerv, exzellente Länge.

Rebsorte
100% Riesling

Trinkreife
2018 bis 2025

Mariage
Passt zu Brathendl oder geschmortem Kalbsfleisch. Wer es vegetarisch mag, geniesst dazu Gemüsefrittate mit grünem Spargel und Erbsen.

 

Ried Lamm 1. Lage ÖTW
Grüner Veltliner 2015

Die Lage zu Fusse des Heiligensteins ist geprägt durch dessen Erosions-material sowie einen höheren Lehmanteil. Feinduftig mit leichten Noten von Feuerstein und reifer, gelber Birne. Im Ansatz wunderbar schmelzig, von exzellenter Länge und mit einem feinen Pfefferl versehen.

Rebsorte
100% Grüner Veltliner

Trinkreife
2017 bis 2021

Mariage
Der kräftige Grüne Veltliner kann es mit nicht zu scharfen Curry-Gerichten aufnehmen. Passt auch zu Safrannudeln an Salbeibutter sowie Wiener Schnitzel.

 

St. Laurent Selektion 2014 
Gewachsen auf der Gobelsburger Haide auf skelettreichen Böden, in Fässern aus österreichischer Eiche ausgebaut und ohne Filtration auf die Flasche gezogen.
Sehr zarte, rotbeerige Frucht unterlegt mit feiner Kräuterwürze. Elegant, mit feinverwobenem Tannin, überaus diskrete, stützende Würze vom Holz.

Rebsorte
100% St. Laurent

Trinkreife
2018 bis 2022

Mariage
Das elegante Passepartout begleitet Forelle vom Grill, passt zu würziger Sülze mit frischem Bauernbrot oder zu zartem, kurzgebratenem Fleisch.

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