Mikroterroir am Ätna

Monteleone, Castiglione di Sicilia, Sizilien, Italien

Text: Nicole Harreisser, Fotos: z.V.g.

Nur rund 90 Minuten entfernt von Catania liegt das Weingut Monteleone an der östlichen Flanke des Ätna. Kein alteingesessenes sizilianisches Weingut, das nun auch am Ätna tätig ist, sondern der Lebenstraum einer jungen Frau, die in wenigen Jahren ein respek-tables Weingut aufgebaut hat. 

Beim Namen «Monteleone» und mit Blick auf den Ätna könnte man auf die Idee kommen, dass hier von einem alteingesessenen Weingut die Rede ist, mit einem so majestätischen Namen. «Nein, es ist einfach nur mein Nachname», meint Giulia Monteleone, die Inhaberin des Weinguts, mit einem Schmunzeln. Wir stehen in den Rebzeilen ihres Weinguts an der Ostflanke des Ätna. Giulia stammt ursprünglich aus Palermo, und die Suche nach einem besonderen, einzigartigen Platz für ihr eigenes Weingut hat sie letztlich hierhergeführt. «Ich war Weinjournalistin, habe für verschiedene Medien über Wein geschrieben, und dabei bin ich immer tiefer und tiefer in die Materie eingetaucht.» Der Wein hat sie gepackt, und mit Unterstützung ihrer Familie konnte sie den Plan umsetzen, ein eigenes Weingut zu gründen. Sich in der ländlichen Gegend an der Ostflanke des Ätna, einige Kilometer ausserhalb von Castiglione di Sicilia, zu etablieren, war für sie alles andere als einfach. Und es ist Sizilien: Sie stammt nicht aus der Region, sondern aus Palermo, und zudem ist sie eine Frau.

Kein klassischer Ätna-Boden

Es erforderte eine akribische Suche, um diesen speziellen Ort zu finden, und das nötige Quäntchen Glück war auch dabei. ­Giulias Mutter stiess online auf die Verkaufsanzeige, sodass sich Giulia gleich am folgenden Wochenende auf den Weg an den Ätna machte. Sie lief über das Gelände und konnte das besondere Terroir spüren. Wunderlich oder magisch? Nein, denn sie stiess auf den Fluss Alcantara an der Grundstücksgrenze, der sein Bett tief in das Lavagestein gegraben hat. Dadurch sind die Böden nicht ausschliesslich vulkanisch geprägt, sondern sie weisen auch Lehman­teile und Kalkgestein auf. «Unsere Böden haben nicht das klassische Bodenprofil eines Vulkans, der Lehm hier bewahrt die Feuchtigkeit, und der Kalk gibt mehr Frische», erklärt Giulia. Der Fluss schafft ein besonderes ­Mikroklima. Das spürt man auch direkt, wenn man an seinem Ufer steht, die Luft fühlt sich kühler an. Die Lagen an der Ostflanke profitieren im Besonderen von den sehr grossen Tag-und-Nacht-Temperaturunterschieden, die die Frische und Lebendigkeit in den Trauben bewahren und für moderate Alkoholgehalte im Wein sorgen. «Hier kann ich meine Philosophie wunderbar verfolgen, nämlich Weine mit hervorragendem Trinkfluss zu produzieren, und zwar mit einem maximalen Alkoholgehalt von 13,5 Vol.-% bei den Roten», erzählt uns Giulia, als wir vom Fluss zurück Richtung Weingut laufen. Auch die Winde in diesem Gebiet fördern die Gesundheit der Trauben. Das ist auch wichtig im Hinblick auf die zunehmenden Temperaturen durch die generelle Klimaerwärmung.

Begonnen hat sie mit zwei Hektar Rebfläche mit alten Rebstöcken, teils 1970 gepflanzt, und einem verfallenen Palmento, einem historischen Gebäude zur Weinherstellung. Diese sind vor allem auf Sizilien, insbesondere am Ätna, verbreitet. Der Begriff leitet sich vom lateinischen «palmentum» (Kelter) ab. Drei Jahre dauerte es, bis sie die Genehmigung und alle Papiere und letztlich den Umbau unter Dach und Fach hatte.

Heute bewirtschaftet Giulia zusammen mit ihrem Team eine Fläche von rund sechs Hektar Reben mit Carricante, Nerello Mas­calese und Nerello Cappucio rund um das Weingut im Norden des Ätna in der Contrada Pontale Palino, die teils 1970 gepflanzt wurden. Knapp zwei Hektar kultiviert sie im Osten des Ätna, der ein ganz anderes Profil aufweist, vulkanisch-sandige Böden mit heissen Winden, ausgerichtet auf das Ionische Meer und perfekt für Carricante geeignet. Dieser Weisswein ist sehr delikat, mit feinen Salznoten und dennoch sanft. Diese Rebflächen konnte sie 2018 erwerben. Gerne würde sie hier weitere Flächen zukaufen, denn die Lagen bieten ein gutes Potenzial. War es hier früher zu kalt und nass, profitieren diese rein vulkanisch geprägten Flächen in einer Höhenlage von bis zu 1000 Metern heute von der Klimaerwärmung. Die Trauben reifen perfekt aus und liefern so die Voraussetzung für herausragende Weine. Es sind bis zu 100 Jahre alte wurzelechte Rebstöcke. Neben dem Alter ist für Giulia auch der Klon entscheidend. Diese alten Stöcke haben sich über die Jahre an die Gegebenheiten ihres Standorts angepasst. Besonders in heissen Jahren spielt das Alter eine grosse Rolle, denn die alten Stöcke wurzeln extrem tief mit bis zu fünf Meter langen Wurzeln und können Trockenperioden mit Ruhe und Balance überstehen und brauchen keine Bewässerung. Die Richtlinien der Appellation Etna DOC lassen keine Bewässerung zu. Dieses Potenzial bringt kein Rebstock aus der Rebschule mit, und so vermehrt sie ihre Stöcke mit der «propaggine»-Technik, der Methode des Absenkens, selbst.

Insgesamt vinifiziert sie sechs verschiedene Weine: Etna Bianco, die einzige Cuvée aus Carricante aus dem Norden und dem Osten, der getrennt ausgebaut wird, Anthemis, der reinsortige Carricante, der in 300- und 500-Liter-Fässern reift, Etna Rosso, dessen Trauben (Nerello Mascalese und Nerello Cappuccio) rings um das Weingut wachsen, und der reinsortige Nerello Mascalese Rumex, ausgebaut in 300- und 500-Liter-Fässern. Beim Qubaa stehen die Reben rings um die namensgebende Ruine. Hier gesellt sich zu den Nerellos auch noch etwas Alicante hinzu. Das neueste «Experiment» seit 2024 ist Astragalus, ein Roséwein aus Nerello Mascalese, der im Holz ausgebaut wird.

Im Osten geht die Sonne auf

Gerne würde Giulia mit dem Weingut etwas wachsen. Zusammen mit ihrem dreiköpfigen Team produziert sie heute rund 40 000 Flaschen, die sie auf 50 000 Flaschen in den nächsten drei bis fünf Jahren steigern möchte. Den Vertrieb übernimmt Giulia selbst, sie reist viel und ist in 35 Ländern mit ihren Weinen vertreten.


Weine im ­Clubpaket

Etna Bianco DOC 2025

2026 bis 2029

Reinsortiger Carricante von Lagen aus dem Osten und dem Norden des Ätna. Florale und fein zitrische Anklänge in der Nase. Frisch und fast fleischig am Gaumen. Sehr trinkig und einladend.

Mariage: Zum Apéro mit sommerlichen Gerichten, Fisch und Meeresfrüchten.

Etna Rosso DOC 2024

2026 bis 2031

Ein Fieldblend aus 90% Nerello Mascalese und 10% Nerello Cappuccio. Zart rotfruchtig in der Nase, etwas winterliche Gewürze und feines Fruchtextrakt, präzise am Gaumen, elegant und sehr delikat.

Mariage: Vielseitig zu Bratengerichten, aber auch gereiftem Käse, Pilzgerichten und Carne cruda.

Etna Rosso DOC Qubba 2023

2026 bis 2032

Blend aus 90% Nerello Mascalese und 10% Nerello Cappuccio, die Reben liegen direkt am Weingut. Dunkles Fruchtnoten in der Nase, etwas getrocknete Orangenzeste. Kühl am Gaumen mit feiner Mineralität, seidigem Tannin und betörender Frische.

Mariage: Delikat zu Grillgerichten, auch Grillgemüse, feinen Aufläufen und köstlichen Fleischgerichten.