Neusiedlersee DAC

Der Zweigelt vom Steppensee

Fotos: Bernd Weiss, Steve Haider

Im nördlichen Teil des Burgenlandes greifen Natur- und Kulturlandschaft nahtlos ineinander. Während in den Rebgärten rund um das Seeufer die Trauben reifen, geben sich Fasan, Löffelente und Turmfalke ein buntes Stelldichein. Ein Fest für die Sinne, zu dem unbedingt ein Glas Zweigelt gehört.

Der Neusiedlersee ist nicht nur einer der grössten Steppen-seen Europas, sondern auch Kulisse für eine traumhafte Weinlandschaft, in der die Sorte Zweigelt den Rohstoff für Spitzenrotweine liefert.

Was für eine Traumlandschaft. An sonnigen Tagen glitzert der See silbern, an windigen Tagen ist er umrahmt von sich wiegendem Schilf. Wenn es stürmt, zeigt sich weisse Gischt auf den Wellen, und im Herbst badet der See in einem Meer aus Farben. Mit einem Glas Wein auf der Terrasse eines der vielen Restaurants mit Seeanstoss sitzend, lassen sich seine Stimmungen am besten geniessen. Die Häuser in der Uferzone sind traditionell mit Schilf gedeckt, das im Januar geerntet wird. Früher glitt man dafür mit Schlitten über das Eis, heute sind die Winter weniger kalt und es kommen Boote zum Einsatz. Der See bestimmte schon immer das Leben der Menschen an seinen Ufern. Als er Ende des 19. Jahrhunderts austrocknete, liebäugelte man mit dem Anbau von Reis. Doch daraus wurde zum Glück nichts. Statt Süssgras mit Nährwert wachsen hier Rebstöcke, aus deren Trauben exzellente Weine gekeltert werden.

Ihre Güte ist dem See zu verdanken, der mit einer Fläche von rund 320 Quadratkilometern als gigantischer Klimaregulator dient. Die Bilanz ist beeindruckend: 300 Sonnentage, bis zu 2000 Sonnenstunden und nur 600 mm Niederschlag pro Jahr schaffen ideale Bedingungen für den Weinbau in der 7800 Hektar grossen Neusiedlersee DAC. Der pannonische Einfluss aus dem Osten sorgt für heisse, trockene Sommer. Der See speichert die Hitze des Tages und gibt sie nachts wieder ab. Die dabei entstehende Thermik sorgt für einen kühlen Luftstrom, der durch die Weingärten streicht und drängt Gewitterwolken nach Norden ab. Beste Bedingungen für die Produktion grosser Rotweine aus der Rebsorte Zweigelt, die hier mit feingliedriger Säure und präzisen Aromen trumpfen. Prägend ist auch die Vielfalt der Böden. In den Hanglagen mit Seesicht reicht die Palette von rotem Schotter, teils mit Lehm durchsetzt, bis hin zu Sandböden, auf denen die Zweigelt-Trauben kleinbeerig bleiben und konzentrierte, strukturierte Weine hervorbringen. In der Ebene dominiert Schwarzerde den Untergrund und sorgt für eine tiefgründige, dunkle Frucht in den Weinen. Im internationalen Vergleich ist die Neusiedlersee DAC zwar nicht gross, doch ist das Gebiet weitläufig und vielfältig. Es spannt sich von den Hügeln des Wagrams an der Nordspitze über das östliche Schutzgebiet Waasen bis zu dem im Süden gelegenen Seewinkel. Dort sind Teile der Rebflächen in die Schutzzonen des 1993 gegründeten Nationalparks integriert.

Und so kommt es, dass Fasane durch die Rebzeilen stolzieren oder gerade flügge gewordene Turmfalken sich auf den Weingartenpfosten ausruhen, die hier Bagastl heissen. Kein Wunder, gehört der Neusiedlersee seit 2001 zum UNESCO-Welterbe. Eine weitere Besonderheit im Seewinkel sind die Salz- und Sodalacken, kleine bis mittelgrosse Seen, die den Zweigelt-Qualitäten eine würzige, fast salzige Note verleihen. Vielfalt ist Programm am Neusiedlersee und spiegelt sich auch in den malerischen Dörfern wider. Während Gols mit 400 Winzerbetrieben die grösste Weinbaugemeinde Österreichs ist, boomt der Weinbau im weiter südöstlich, an der Grenze zu Ungarn gelegenen Dorf Andau erst seit ein paar Jahren. Viel zu entdecken gibt es in allen 14 Dörfern, die der im Jahr 2012 ins Leben gerufenen Neusiedlersee DAC angehören. Jede Jahreszeit hat hier ihren Reiz und kaum einer versteht es besser, den Besuchern Wein und Landschaft näherzubringen, als die über 100 Winzerbetriebe der DAC. Ob WeinGenussTage oder das berühmte Martiniloben im November: Zweigelt in den Weingläsern spielt die erste Rolle in Sachen Rotwein. Mit einem Anteil von 24 Prozent ist sie die Leitsorte der Neusiedlersee DAC. Für die Klassik-Weine wird sie sortenrein ausgebaut, meist im Stahltank, aber auch grosse Holzfässer oder gebrauchte Barriques kommen zum Einsatz. Kräftiger sind die Reserve-Weine (mind. 13 Vol.-%). Diese Zweigelt-Weine bilden die qualitative Spitze und zeigen das volle Potenzial dieser Rebsorte. Ausgebaut wird im grossen Holz oder in Barriques. Ob Klassik oder Reserve: Winzerin und Winzer prägen im Keller die geschmackliche Vielfalt, die hervorragend zu den typischen Speisen der Region passt. Zu einem in Schilf gebratenen Wels zum Beispiel. Die kühle Frucht, die feine Säure und die leicht salzig-pikante Note eines Klassikweines sind erfrischend und belebend.

 

Zweigelt im Fokus

Zweigelt ist die wichtigste rote Rebsorte Österreichs und die Leitsorte der Neusiedlersee DAC. Die Neuzüchtung aus Blaufränkisch und St. Laurent wurde 1922 in Klosterneuburg gekreuzt. Für die über hundert Winzer der DAC ist sie eine verlässliche Partnerin, die perfekt an das warme, trockene Klima und die Bodenvielfalt der Region adaptiert ist. Ohne spürbaren Holzeinfluss zeigen die Weine kühle Fruchtnoten, eine feingliedrige Säure und eine feine Würze. In Barriques ausgebaute Qualitäten sind kräftiger, strukturierter und zeigen mehr dunkle Würze, oft auch einen Hauch von salziger Lakritze.

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