Kundenbindung á la français: Touristen spielen Champagner-Winzer

27.09.2010 - arthur.wirtzfeld

FRANKREICH (Le Mesnil-sur-Oger) - Unter den wachsamen Augen der Winzer lernen Wein-Touristen den Umgang mit der Schere im Weinberg und begleiten ihr Tagwerk sogar bis zur Presse in den Keller. Während eines Erntetages erhaschen die Interessierten dabei ein paar Geheimnisse rund um den Champagner und verschaffen sich einen kleinen Überblick über die Mühen im Weinberg und im Keller. Das Tagwerk wird garniert mit Verkostungen und Speisen in lockerer Runde bei Pausen im Weinberg und am Abend im Weingut - c'est tout!

 

Hier in Le Mesnil-sur-Oger mit der bekannten Lage Mesnil, die zu den Grand Cru klassifizierten Gemeinden der Champagne gehört, hat man bei der Maison Milan schon vor der Krise in 2009 auf diese Weise Kundenbindung aktiv gestaltet. Mr. Wayne, seines Zeichens Kanadier, hat in der Sunday Times von diesem Angebot aus der Champagne gelesen und ist erstmals dabei. Zusammen mit seiner Frau und Freunden lässt er sich vom erfahrenen Winzer erklären, wie er schneiden muss und eifrig, wie sich die „Helfer“ zeigen, bewegen sie sich gebeugt durch die Reihen der Reben.

„Ich wusste bisher, dass sich der Champagner hervorragend zum Aperitif eignet, jetzt weiß ich, dass man Champagner auch zum Essen trinken kann“, schwärmt Wayne. In einer weiteren Rebenreihe schneidet die Flämin Vanwelde Katti schon sehr geschickt die Trauben. Sie ist wiederholt dabei und eifrig bei der Sache. „Nachdem, ich den Aufwand hier live erlebt habe, kann ich den Champagner noch mehr schätzen und es zieht mich jedes Jahr wie ein Magnet zur Erntezeit hierher“, sagt sie inbrünstig.

Der Spaß an der ungewohnten Arbeit, gemeinsam mit Gleichgesinnten und professionellen Erntehelfern, der Tag in freier Natur und das Gefühl, etwas Neues gelernt und etwas Sinnvolles geschafft zu haben, ist natürlich einkalkuliert. Die Maison Milan, die dieses Konzept konsequent verfolgt, ist der renommierteste Erzeuger in Oger und seit 2006 in Händen der jungen Generation. Jean-Charles Milan ist verantwortlich für den Keller und seine Schwester Caroline Milan zeichnet verantwortlich für das Marketing und den Verkauf.

„Die meisten Kunden, die mitmachen, kommen aus England und aus Belgien“, erklärt Caroline Milan. „Wir können bei der gemeinsamen Arbeit im Weinberg sowie im Keller mit unseren Kunden persönliche Beziehungen aufbauen. Und es lohnt sich für uns. Diese Kunden sind treu und kauften auch während der Krise.“

Die Maison Milan bietet noch weit mehr. Es gibt Hochzeiten und Empfänge in der vinophilen und familiären Atmosphäre des Weingutes. Man hat Hostessen, die interessierten Kunden die Raffinessen der Weinbereitung des Champagners erklären und bietet weinkulinarische Verkostungen an. Aber das Highlight für die Kunden ist nun mal die Mitarbeit bei der Lese und auch das Begleiten der einzelnen Vinifizierungsschritte im Keller.

„Die Verantwortlichen der Güter wissen, dass Investitionen in den persönlichen Kundenkontakt und in die Weinkultur der Champagne weit effektiver sind, als ihre Weine auf Ausstellungen zu präsentieren“, sagt Daniel Lorson, Sprecher der Comité interprofessionnel du vin de Champagne (CIVC). „Zugute kommt ihnen natürlich, das die Landschaft der Champagne in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen ist, was die Touristenzahlen stark erhöht. Viele die hierher kommen wollen weit mehr als nur den Champagner probieren – sie wollen ein ganzheitliches Erlebnis und genau da setzt die Maison Milan beispielgebend an.“. 

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