Neues FairChoice®-Siegel für nachhaltigen Wein

07.09.2011 - arthur.wirtzfeld

DEUTSCHLAND (Heilbronn) - Am Montag informierte sich der baden-württembergische Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde, auf dem Weingut Friedrich Zimmerle, eines der ersten mit dem Nachhaltigkeitssiegel FairChoice® zertifizierten Güter Württembergs, über das Thema „Nachhaltiger Weinbau“. Eingeladen hatte das Deutsche Institut für Nachhaltige Entwicklung e.V. (DINE)* mit Sitz an der Hochschule Heilbronn.

 

Erst im August 2010 hatte das DINE e.V. die Entwicklung eines Nachhaltigkeits-Kriterienkatalogs für deutsche Weine initiiert: Dass von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung und der Landwirtschaftlichen Rentenbank geförderte Projekt „Studie zur Entwicklung eines Kriterienkatalogs für die nachhaltige Weinwirtschaft“ wurde bereits in mehreren Pilotbetrieben realisiert und ist nun erfolgreich abgeschlossen. Es soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Weine verbessern und vorantreiben sowie Verbraucher für das Thema Nachhaltigkeit - insbesondere für nachhaltig produzierten Wein - sensibilisieren.

Minister Bonde zeigt sich beeindruckt von der Qualität des Weins und weist auf die große Bedeutung von Nachhaltigkeit im Weinbau hin: „Wertschöpfung und Zukunftsfähigkeit schließen sich nicht aus, sondern bedingen sich. Mit einer klugen Nachhaltigkeitsstrategie eröffnen sich viele erfolgversprechende Chancen: neue Kunden, mehr Effizienz und Innovation“, so Bode. Weil für die grün-rote Landesregierung effizienter Umwelt-, Klima- und Naturschutz, hohe Lebensqualität und nachhaltige Wirtschaftskraft zusammengehören, werde die Koalition eine neue Nachhaltigkeitsstrategie mit klaren und nachprüfbaren Zielen entwickeln, kündigt Bonde weiter an.

Auf der Basis der international renommierten Richtlinien des GRI (Global Reporting Index) entwickelten Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Nachhaltige Entwicklung an der Hochschule Heilbronn in Kooperation mit anderen wissenschaftlichen Institutionen 44 Kriterien für eine nachhaltige Unternehmensführung in den drei Bereichen Ökonomie, Ökologie und Soziales. Dazu sagt Prof. Dr. Armin R. Gemmrich von der Hochschule Heilbronn: „Wir haben großen Wert auf die Gleichgewichtung aller drei Bereiche gelegt. Nur so erzielen wir einen langfristigen Nutzen für die Betriebe der Weinwirtschaft.“

Die Umsetzung dieser Kriterien werden dabei von unabhängigen Gutachtern überprüft. Erst wenn feststeht, dass das Unternehmen ökonomisch stabil ist, also erfolgreich wirtschaftet und seiner sozialen Verantwortung nachkommt und dabei umweltschonend sowie ressourceneffizient produziert, wird das FairChoice®-Label vom DINE verliehen. Sichtbar auf der Weinflasche, gibt es dem Verbraucher die Sicherheit, dass der Wein nachhaltig produziert wurde. „Mit dem Erwerb von nachhaltigem Wein zeigt der Verbraucher Verantwortung für eine lebenswertere Zukunft und trägt zum Erhalt der Weinwirtschaft bei“, so Prof. Gemmrich weiter.

Bislang ausgezeichnet wurden im Weinanbaugebiet Rheinhessen die Betriebe Weingut Neumer und die Weinkellerei Weinmann Organics. In Württemberg darf das Weingut Zimmerle seinen kompletten Jahrgang 2010 mit dem Nachhaltigkeits-Siegel kennzeichnen. „Durch die Teilnahme am Projekt haben sich uns ganz neue Entwicklungspotenziale eröffnet. Gleichzeitig empfinden unsere Kunden die Zertifizierung als konsequente Fortführung unserer bisherigen Betriebsphilosophie, die bereits großen Wert auf Nachhaltigkeit legte“, zeigte sich Winzer Friedrich Zimmerle erfreut.

Anmerkung der Redaktion: Nachhaltigkeit ist seit etwa zwei Jahren ein häufig gebrauchtes Schlagwort auch in der Weinszene. Verschiedene Institutionen, nicht nur die Heilbronner, vergeben entsprechende Zertifikate an Betriebe. Auch die Franken waren zum Beispiel auf diesem Feld bereits aktiv. In Österreich gibt es einige „nachhaltige Weingüter“. Wissen muss man: Nachhaltigkeit hat nicht automatisch etwas mit gehobener Weinqualität zu tun - so wie ein Bio-Winzer nicht generell ein sehr guter Winzer ist.

*DINE: Das Deutsche Institut für Nachhaltige Entwicklung e.V. wurde 2009 als gemeinnütziger Verein an der Hochschule Heilbronn unter der Leitung der Professoren Ruth Fleuchaus und Armin R. Gemmrich mit dem Ziel gegründet, Forschung und Entwicklung im Bereich des nachhaltigen Wirtschaftens in den Schwerpunktbereichen Weinwirtschaft, Logistik und Tourismus zu betreiben und zu fördern. Der Verein möchte eine Plattform für einen Dialog zwischen allen Beteiligten im wirtschaftlichen Prozess rund um die nachhaltige Entwicklung bieten.

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