Barrique Forum Pfalz: Die Jungen geben Gas

19.03.2012 - R.KNOLL

DEUTSCHLAND (Bad Dürkheim) - Kürzlich probierte ein weinkundiger Schweizer, der vordem keine hohe Meinung vom deutschen Rotwein hatte und am liebsten nicht ganz billigen Bordeaux über die Zunge gleiten lässt, einen Spätburgunder aus der Pfalz und war begeistert: „Unglaublich, das hätte ich den deutschen Winzern nicht zugetraut. Ich bin begeistert und bekehrt.“ Es war ein Burgunder aus dem Reihen des "Barrique Forum Pfalz".

 

Diesen Verein gibt es bereits seit 1993. Er hatte schon mal 40 Mitglieder, die alle bemüht waren, im neuen Holz gute Weine zu vinifizieren. Man machte regelmäßig Verkostungen, hatte öffentliche Auftritte, war sogar mit Gemeinschaftsständen auf der ProWein vertreten. Aber ein Manko des Clubs war stets, dass das, was man intern als bedeutende Weine ansah, auf dem nationalen Markt nicht mehr so sonderlich herausragend war - von wenigen Ausnahmen abgesehen. Das hing wohl auch damit zusammen, dass keiner der absoluten Elite-Betriebe aus der Pfalz mitmischte.

Ambitionen waren bei den meisten Mitgliedern sicher vorhanden, aber die Umsetzung war nicht immer optimal. Doch in dieser Gilde ist ein Generationenwechsel im Gang. Und einige der Aufsteiger der letzten Jahre schieben sich im "Barrique Forum Pfalz" mehr in den Vordergrund und haben mit einigen erfahrenen Winzern wie Joachim Wegner aus Bad Dürkheim, der von Anfang an dabei ist, neue Kriterien ersonnen, die dem Verein mehr Profil geben sollen.

Zielsetzung ist es vor allem, die Qualität weiter zu steigern und den Begriff von „Großen Weinen“, den man in der Vergangenheit propagierte, auch wirklich mit Leben zu erfüllen. Abgeschafft wurde die rote Gemeinschafts-Cuvée, die qualitativ kein Renner war. Künftig wird es unter dem neuen Symbol des "Barrique Forum Pfalz" auch keine Weißweine mehr geben, nur noch Spätburgunder und rote Cuvées. Die jungen Winzer, die jetzt mitreden, treten dafür ein, schon die Weinberge zu kontrollieren und auch in den Mitgliedsbetrieben (heute rund 30) selbst nach dem Rechten zu sehen.

Ein Gewinn für den Verein ist sicher das Engagement der Brüder Steffen und Andreas Rings, die sich in den letzten Jahren in die deutsche Rotweinspitze hoch gearbeitet haben und dies mit zwei ersten Plätzen beim Deutschen Rotweinpreis von VINUM in 2011 eindrucksvoll unterstrichen. Auch Jürgen Krebs, Jungwinzer aus dem gleichen Ort (Freinsheim) und beim Rotweinpreis 2010 Gewinner in der Königsklasse Spätburgunder, bringt sich ein. Von ihm stammte auch der Spätburgunder, der den kritischen Schweizer zum Fan deutscher Rotweine machte. Man merkt, dass andere Güter ebenfalls Gas geben, etwa die Häuser Klein, Aloisiushof, Wageck-Pfaffmann, Hanewald-Schwert und Stern. Vorsitzender des Vereins ist ein Önologe. Klaus Briegel betreibt in Deidesheim ein Weinlabor und kann den Mitgliedern Tipps beim Ausbau geben.

Der frische Wind im "Barrique Forum Pfalz" sorgt für neues Selbstbewusstsein. Bei einer Präsentation in Bad Dürkheim lud man drei Freunde aus anderen Regionen ein: Benedikt Baltes (der das Weingut der Stadt Klingenberg in Franken wiederbelebte), Enderle & Moll aus der Ortenau und Christian Dautel aus Württemberg. Beim nächsten Weinforum werden interessante Gastweine aus aller Welt einen spannenden Rahmen bilden. Termin ist er 23. Mai in Deidesheim. Weinautor Stephan Reinhardt wird eine Probe moderieren.

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