Brane-Cantenac verwendet Carménère in seinen Grand Vin

20.03.2012 - arthur.wirtzfeld

FRANKREICH (Bordeaux) - Mitunter treibt der Klimawandel Stilblüten, oder initiiert Ideen und deren Ausführungen, die bisher als für unmöglich gehalten wurden. So ist auch die Weinszene nicht gefeit vor Alternativen. Das Bordeaux Château Brane-Cantenac wird ab dem nächsten Jahrgang erstmals seinen Grand Vin mit einen Teil Carménère verschneiden, wie dessen Eigner Henri Lurton jetzt bestätigte.

 

Obwohl man in Bordeaux so gut wie nie Carménère den klassischen Cuvées beigibt, darf dennoch ein sechstel der eigenen Anbauflächen mit dieser Rebsorte bepflanzt werden. Bis ins 19. Jahrhundert war es in Frankreich, insbesondere im Bordelais üblich, dem hellfarbigen Claret, so bezeichnen noch heute die Engländer den Wein aus Bordeaux, mit Carménère zu verschneiden, um einfach mehr Kraft und Farbe zu erhalten. Allerdings ist die Rebsorte Carménère keine einfache. Sie braucht viel Sonne und Wärme und darf nicht zu früh geerntet werden.

„Wir begannen in 2006, die Vielfalt unserer Rebsorten in Bezug zum Klimawandel zu untersuchen“, erzählt Henri Lurton. „Und da brachte uns ein chilenischer Praktikant auf die Idee. Er monierte, dass wir keinen Carménère im Anbau hätten, wir diesen aber im Zuge der Erwärmung und damit der nötigen Bedingungen für diese Rebsorte, bestens nutzen könnten.“

Henri Lurton ließ sich überzeugen und suchte in seinen Rebflächen nach geeigneten und mit guter Sonneneinstrahlung gesegneten Flächen. Und man wurde fündig. Auf dem Plateau de Brane, direkt vor dem Château, pflanzte man in 2007 einen Bruchteil der hauseigenen 75 Hektar mit Carménère. „Eigentlich wollten wir die erste Ernte in 2011 nicht verwenden, aber die Bedingungen für den Carménère sich vollends zu entwickeln waren erstklassig“, erklärt Henri Lurton. „Wir haben die Trauben über mehr als drei Wochen später als die aus der letzten Cabernet Parzelle geerntet. Das war ideal.“

Allerdings erlaubt Henri Lurton nur die Beigabe von winzigen 0,5 Prozent des Carménère in seine Grand Vin. „Der Carménère gibt unserem Weinen Schwung und stärkt deren Persönlichkeit“, kommentiert Christophe Capdeville, Betriebsleiter bei Château Brane-Contenac. „Wenn wir behutsam und mit aller Sorgfalt vorgehen, bringt der Carménère nicht nur Farbe sondern auch Aromen von exotischen Früchten statt der üblichen schwarzen Beeren in unsere Weine. Außerdem verleiht er dezente Süße am Gaumen und bringt Tannine wie eine Mischung zwischen Cord und Samt.“

„Carménère gehört zu den sechs historischen Rebsorten in Margaux und angesichts der Erwärmung reifte in mir der Gedanke und letztlich die Entscheidung, diese Rebe wieder anzubauen. Ich halte es für legitim und wichtig Carménère wieder zu verwenden“, erklärt Henri Lurton sein Projekt.

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