Weinelf Deutschland mit Profi-Trainer

07.02.2012 - R.KNOLL

DEUTSCHLAND (Ingelheim) - Sie macht Werbung für deutschen Wein auf eine ganz besondere Art. In der Weinelf Deutschland spielen nicht nur Weinmacher, sondern auch andere Fußballgeisterte aus der Szene. Alle müssen sich jetzt mit einem neuen, prominenten Trainer zurecht finden.

 

Seit einigen Jahren verbreitet die Weinelf Deutschland (gelegentlich) Angst und Schrecken bei den Gegnern, muss auch mal mit Niederlagen leben und hat sich in der „dritten Halbzeit“ als unschlagbar erwiesen. Begonnen hat alles damit, dass im Mai 2005 im Vorfeld einer Weinmesse im Münchner Olympiastadion ein bunt zusammen gewürfeltes, aber dennoch überraschendes spielstarkes Team auf dem heiligen Rasen der Fußball-Bundesliga gegen die Nationalmannschaft der deutschen Spitzenköche 3:2 siegte. Mit dem legendären Ergebnis a’la 1954 Bern im Rücken begann der damalige Messe- und Kick-Organisator Norbert Heine mit dem Aufbau einer Mannschaft, die regelmäßig spielen sollte - und das möglichst für soziale Zwecke.

Es stellte sich schnell heraus, dass es in der Weinszene nicht nur unter den Winzern genügend Fußballbegeisterte gibt, die bei der Gründung der Weinelf e.V. dabei sein wollten. So sind heute über 60 Mitglieder eingeschrieben, darunter neben teilweise bekannten Weinmachern auch Önologen, Weinhändler, Marketingprofis und sogar Weinjournalisten. Nicht alle sind aktiv, sondern aus Solidarität dabei. Aber die Männer, die auflaufen, zeigen viel Ehrgeiz, obwohl etliche von ihnen nicht mehr zu den Jüngsten zählen. Einige haben die 50 und sogar 60 Lenze bereits überschritten, aber sie spielen auf dem Platz ihre Routine aus.

Natürlich sind auch Winzer dabei, die noch gut im Saft stehen. Zeigen können sie das gegen Gegner aus unterschiedlichsten Branchen, bis hin zu einer Auswahl des Bundestages (die im „Auswärtsspiel“ in Berlin vor einigen Jahren mit 2:1 in die Schranken verwiesen wurde).

Eine gute Zusammenarbeit gibt es in einer „Genuss-Allianz“ mit deutschen Spitzenköchen, die jedes Jahr im November ein Hallenturnier ausrichten. Zuletzt 2011 in Nürnberg gewann die erste Mannschaft der Weinelf ein stark besetztes, internationales Turnier mit einem 3:2 im Endspiel gegen Schweizer Köche und durfte anschließend den Wanderpokal einkassieren, weil sie zum dritten Mal Turniersieger wurde. Eine zweite Mannschaft im gehobenen Alte Herren-Alter schaffte immerhin den siebten Rang unter acht Teams.

Prominenz gehört von Anfang an zum Weinelf-Team. So ist der aus einem Rheingauer Weingut stammende ehemalige Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung Ehrenmitglied. Der oberste Chef des Campus Geisenheim, Hans Rainer Schultz, ist ein geschickter Zerstörer im Mittelfeld. Norbert Weber, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, läuft gern auf und freut sich jetzt schon auf das Trainingslager vom 23. bis 25. März in Edenkoben.

Hier werden die Teilnehmer ihren neuen ehrenamtlichen Trainer näher kennen lernen und sicher ins Schwitzen kommen. Denn Erich Rutemöller, Jahrgang 1945, war unter anderem Vereinstrainer beim 1. FC Köln, dem Bonner SC und bei Hansa Rostock, ehe er eine zweite Karriere beim Deutschen Fußballbund startete und unter den Cheftrainern Erich Ribbeck, Berti Vogts und Rudi Völler als Co-Trainer in mehr als 80 Länderspielen assistierte. Danach wurde Rutemöller Cheftrainer der U20-Auswahl (2003 bis 2007), ehe er selbst für den DFB in die Trainerausbildung einstieg.

Hier ist er nach wie vor tätig. Aber als er von den Verantwortlichen der Weinelf angesprochen wurde und ein Probetraining mit großer Beteiligung in Bingen absolvierte, war er schnell begeistert. Er hat einen Ex-Profi als Helfer: Jürgen Fladung stand einst im Tor des Regionalligisten SV Wehen-Wiesbaden, ist derzeit Vizepräsident des Drittligisten und immer noch als einer der Keeper der Weinelf ein Garant für wenig Gegentreffer. Fladung sprang interimsweise ein, als der vormalige Trainer der Weinelf, Lothar Böhm, aus gesundheitlichen Gründen aussetzen musste.

Mit Rutemöller soll es ein erfolgreiches Jahr 2012 werden. Höhepunkte im Jahresprogramm sind neben einer Reise nach Portugal und einem Spiel gegen eine Mannschaft des Korkproduzenten M.A. Silva (Sponsor der Weinelf) die zweite Europameisterschaft der Wein-Nationalteams im österreichischen Burgenland.

Vergangenes Jahr in Ungarn bekleckerte sich die Weinelf aufgrund großer personeller Probleme bei der ersten EM nicht mit Ruhm. Diesmal sollen die Gegner aus Italien, Österreich (schon mehrfach gab es Länderkämpfe gegen den Nachbarn mit wechselnden Ergebnissen), Ungarn, der Schweiz und Slowenien Opfer der konzentrierten Vorbereitung in der Pfalz werden.

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