Legendärer Weinberater und Professor der Önologie Denis Dubourdieu verstorben

30.07.2016 - arthur.wirtzfeld

FRANKREICH (Bordeaux) – Denis Dubourdieu, ein ganz besonderer Botschafter des Weins, verstarb am Dienstag mit 67 Jahren erschöpft vom langen Kampf gegen einen zweifachen Hirntumor. Sein Wirken und seine Erfolge für die Weißweine aus Bordeaux sind weltweit bekannt und gerühmt. Er begleitete als Lehrer unzählige Jungwinzer und war über 40 Jahre ein gefragter Weinberater für eine ganze Reihe unbekannter wie namhafter Weingüter. Sein Spitzname war bezeichnend – in der Weinszene nannte man ihn 'Der Professor von Bordeaux'.

 

Geboren 1949 als Sproß einer Winzerfamilie aus Barsac, der Stadt, die ihren Namen den süßen Weinen aus Bordeaux verleiht, verbrachte Denis seine Kindheit auf dem Château Doisy-Daëne, das sein Großvater Georges 1924 gekauft hatte. Dort führte auch sein Vater Pierre den jugendlichen Denis in die Weinbereitung ein. Nach dem Studium der Agronomie und Wirtschaft in Montpellier wechselte Denis zum Master-Abschluss der Önologie auf die Universität in Bordeaux. Im Jahr 1978 vollendete er seine Dissertation über die molekulare Struktur von edelfaulen Trauben. Vier Jahre später in 1982 promovierte er ein zweites Mal über das Filtern und die Schönung von Weinsäften aus edelfaulen Trauben.

Seine Professur der Önologie verlieh im die Universität Bordeaux im Jahr 1987. Während seiner langen bemerkenswerten Karriere, betreute er zwei Generationen von Studenten, die heute in einer Vielzahl von Weingütern im Bordelais wirken. Im Jahr 2009 wurde Denis Dubourdieu zum konstituierenden Direktor des Instituts für Rebe und Weinwissenschaft ernannt. Seine einflussreichen Forschungen waren der Grund für den Wandel der Weinbereitung bezüglich der Weißweine in Bordeaux. Er revolutionierte aber nicht nur den Umgang mit den weißen Rebsorten, sondern sorgte insbesondere dafür, dass diese auf passenden Böden (Terroirs) umkultiviert wurden. Außerdem beeinflusste er den kompletten Stil der bisherigen eher dumpfen, weichen, leicht oxidierten Weißweinen hin zu einem frischen, flotten Stil mit feiner Mineralik – heute ist dies die Norm in Bordeaux.

Seine Beratungstätigkeit als Önologe begann Denis Dubourdieu im Jahr 1987 im Rahmen seiner Denis Dubourdieu Domaines. Über ein Jahrzehnt konzentrierte er sich auf die Weißweine des Bordelais, wobei er die Roten nicht vernachlässigte, auch für deren Stil war er ein gefragter Berater. Schnell erwarb er sich eine geachtete Reputation. Schließlich gehörten über 80 Châteaux zu seinen Kunden, darunter Cheval-Blanc, d`Yquem und Margaux.

Als Professor der Önologie waren seine Ansätze zur Weinbereitung tiefgründig und dennoch vorsichtig. Er beließ traditionelle Techniken weitgehend wie die Remontage (Umpumpen bzw. Umwalzen der Maische während des Gärungsprozesses). Viel mehr widmete er sich dem Volumen der Tanks oder Fässer und half dabei, sanfte Techniken wie eine feinere Extraktion der Farbstoffe zu entwickeln. "Ein Wein sollte nicht aus jedem Teil der Traube, sondern nur aus deren besten Teilen hergestellt werden", war sein Credo.

Die Weißweine, vor allem aus der Sorte Sauvignon Blanc, trimmte Dubourdieu auf Reinheit und Frische bei minimaler Berührung mit Eiche. Grund hierfür war seine Überzeugung, dass der Klimawandel auch eine direkte Auswirkung auf die Trauben hat. "Das Klima verändert sich und wir müssen die Trauben dabei unterstützen, sich anzupassen. Wir brauchen weniger Kontakt mit den Häuten und weniger Kontakt mit Eiche. Ich benutze nur Eiche, um, wenn nötig, dem Wein mehr Komplexität zu verleihen", sagte Dubourdieu.

Neben seiner Tätigkeit als Berater und seiner Professur in Bordeaux war Dubourdieu auch ein erfolgreicher Winzer, der gemeinsam mit seiner Familie die Güter in Barsac und der Côtes de Bordeaux betrieb – allen voran sein Flaggschiff das Château Doisy-Daëne. Nachdem er das Château im Jahr 2000 von seinem Vater übernommen hatte, baute er seine Weißweine im eigenen trockenen Stil aus, was sich bis dahin für diese Süßweinregion überhaupt nicht zierte und was ihm und seinem Château aber internationale Anerkennung einbrachte. Ganz vernachlässigt hat der die Süßen nicht. Zwei Vertreter dieses herkömmlichen Stils baute er traditionell aus. Bekannt ist sein Sauvignon Blanc 'l’Extravagant' aus edelfaulen Trauben vinifiziert. Heute gehört sein Château Doisy-Daëne zu den Elite-Herstellern von Barsac und dem benachbarten Sauternes.

Insgesamt verfügt der Besitz von Dubourdieu über 120 Hektar im Ertrag stehenden Rebflächen. Er selbst lebte mit seiner Frau Florenz seit 1996 auf Château Reynon in Béguey, das sein Vater im Jahr 1976 erworben hatte. Auch dieses Château verdankt seinen ausgezeichneten Namen der Handschrift von Denis Dubourdieu, der die Roten und Weißen von Reynon in eine neue Qualitäts-Dimension führte. Dubourdieu besaß auch Château Cantegril in Barsac, dass er ebenfalls von seinem Vater geerbt hatte. Außerdem hielten er und seine Frau seit 1982 ein Joint Venture mit Clos Floridène in Graves und Dubourdieu verwaltete seit 2002 den Nachlass von Château Haura in Graves. Seine Liebe galt aber nicht nur dem Wein, sondern auch dem Landleben auf Château Reynon im Süden von Bordeaux. Er wanderte hier gerne und genoss es zu Pferd entlang den Weinbergen und in den Wäldern ringsum zu reiten. Denis Dubourdieu hinterlässt seine Frau Florenz, seine Söhne Jean-Jacques und Fabrice sowie ein Enkelkind.

Tribut an Denis Dubourdieu:

"Es ist ein großer Verlust für Bordeaux", sagt Véronique Sanders, Direktorin bei Château Haut-Bailly, eine von vielen Kunden von Dubourdieu. "Als Leiter der Universität im Fachbereich Önologie und als Berater war Denis bei Weißen und Roten in jedem Aspekt hinsichtlich der Modernisierung der Qualitäten beteiligt. Es war eine Freude mit Denis zu arbeiten. Seine Kultur, sein Talent und seine Sensibilität waren selten wie außergewöhnlich."

"Die Öffentlichkeit nimmt nur die Rotweine aus Bordeaux wahr, aber die Weißweine aus Bordeaux sind ausgezeichnet – das haben wir Denis Dubourdieu zu verdanken", sagt der Winespectator. "Rückblickend waren die Qualitäten der Weißweine aus Bordeaux Mitte des letzten Jahrhunderts sehr gering – einfach weil deren Reben auf den falschen Flächen, also auf einem falschen Terroir, kultiviert waren. Heute sind weiße Reben eher mikroskopisch in Bordeaux zu finden, aber sie stehen auf den richtigen Böden. Auch das ist das Werk von Denis Dubourdieu."

"Neben Emile Peynaud ist Denis Dubourdieu ein weiterer legendärer Önologe aus Bordeaux. Wir haben ihm viel zu verdanken", sagt Dominique Lafon von den Domaines Comtes Lafon.

"Als wir nach einem europäischen Önologen für die neue 'Oxford Companion for Wine' suchten, war Denis Dubourdieu die erste Wahl. Er war ein Segen für die Weißweine aus Bordeaux, deren heutige Qualität ihm zu verdanken ist", sagt Jancis Robinson.

"Die Welt des Weins und die Weinwelt von Bordeaux haben einen großen Botschafter der Qualität, Berater und Lehrer verloren. Ich habe einen Freund verloren", sagt Jean-Marc Quarin (Bordeaux Wine Critic). "Denis verdanken wir die Umpflanzungen der Weißen Rebsorten auf Böden, die mit ihnen harmonieren. Er ist für den heutigen Stil der Weißweine aus Bordeaux verantwortlich. Das ist ein herausragendes Lebenswerk."

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