Méthode champenoise

Flaschengärer werden Sektmacher

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 29. November 2019


DEUTSCHLAND (Trier) – Was versteht der Konsument unter Flaschengärer? Hört man sich um, so stellt man fest, dass dieser Begriff unglücklich gewählt, weil er recht erklärungsbedürftig ist. Und dann klingt die umständliche Namensgebung „Verband der traditionellen klassischen Flaschengärer“ auch irgendwie altbacken – passt heute nicht zu den ambitionierten deutschen Sekterzeugern und Ihren Premium-Schäumern. Aber das mit dem sperrigen Namen soll´s mal gewesen sein. Und so hat wohl jüngst die Muse den Verband geküsst, was sich im neuen Namen widerspiegelt. In Zukunft heißt der vor dreißig Jahren gegründete Verein: Verband traditioneller Sektmacher. 

Aber mit einem neuen Namen ist es nicht getan. Der Verband, dessen Mitglieder feinste Schaumweine nach traditioneller Methode produzieren, will wahrgenommen werden, will ein Gesicht haben, will den traditionellen Begriff Sekt nicht abtreten, sondern mit einer neuen Begrifflichkeit die Wahrnehmung „Sekt nach traditioneller Methode“ aufwerten. Offensichtlich ist den 39 Mitgliedern die Unzufriedenheit des Stellenwertes ihrer Produkte im globalen Segment der Sekte anzumerken. Bezeichnend die Aussage von Winzerin Barbara Roth vom Wilhelmshof (Pfalz), die das Dilemma so beschreibt (Zitat in der Welt): „Deutscher Winzersekt klingt nach Schweiß und Arbeit, Champagner nach Luxus und schönen Frauen.“ Und Volker Raumland, Präsident des Verbandes, beklagt schon längst: „Leider heißt alles, was schäumt, Sekt". 

Eigene Produktkategorie

Der Anspruch der dem Verband angehörenden Premium-Sekthäuser ist klar definiert (Zitat): „Wir wollen unsere hochwertigen und nach traditioneller Methode von Hand hergestellten Sekte abgrenzen zu den industriell hergestellten Sekten der unteren Preiskategorie, die derzeit noch das Image der Marke Deutscher Sekt prägen.“ Seit den 1990er Jahren erzeugen die Mitglieder ihren Schaumwein nach der Champagnermethode (Methode Champenoise). Die bisherigen Bestrebungen des Verbandes, die traditionelle Methode namentlich für sich schützen zu lassen, war nicht erfolgreich. „Uns war schon klar, dass wir mit einer eigenen Produktkategorie bei den großen Sektkellereien auf Granit beißen würden. Zudem fehlte hierfür auch ein rechtlich durchsetzbares Konzept“, sagt Volker Raumland. „Wären wir mit einer geschützten Bezeichnung erfolgreich gewesen, wäre uns sicher die Mitgliedschaft im Deutschen Sektverband, mit dem wir gemeinsam voran kommen wollen, verwehrt geblieben.“ 

Ob es unüberwindbare Widerstände gegen eine Premium-Kategorie für deutsche Spitzensekte geben würde, kann man nicht ausschließen. Wie man erfolgreich eine Bezeichnung lanciert, haben Sektmacher in Südafrika vorgemacht. Sie führten für ihren lokal produzierten Sekt, erzeugt nach der Methode Champenoise die Bezeichnung „Méthode Cap Classique“ ein. Seither hat sich daraus eine vielbeachtete Marke entwickelt. Vielleicht denkt man beim Verband traditioneller Sektmacher nochmals über eine anspruchsvolle Kategoriebezeichnung nach, denn die kontrollierte Herstellung mit besten Qualitäten ausschliesslich auf Basis feiner deutscher Grundweine und daraus entstehender Schaumweine verdienen eine eigene Bezeichnung.

Startschuss für eine Qualitätsoffensive

Nach Einschätzung der Mitglieder des Verbandes traditioneller Sektmacher ist der neue Name jedenfalls zeitgemäßer und auch geeignet, um auf internationalem Parkett aufzutreten. Der Verband, der für die traditionelle handwerkliche Methode steht, will mit der neuen Namensgebung auch den Charakter seiner Sekte aufwerten. Der Begriff Winzersekt hatte in der Namensfindung keine Chance, weil man sich abgrenzen will von Schäumern aus dem großen Tank. Allein der Qualitätsgedanke gilt als Maxime für die Mitglieder des Verbandes. Die Produktionsstandards werden streng kontrolliert. Wer dem nicht nachkommt, wird verabschiedet.

Der Vorstand hat bis zum gemeinsamen Auftritt auf der ProWein 2020 und darüber hinaus noch viel vor: Mit dem neuen Namen geht ein neues Logo einher. Das Pflichtenheft kann nun auf Basis der neuen Satzung ausformuliert werden, eine neue Website wird gestaltet. Um den Verband der traditionellen Sektmacher mehr Schlagkraft zu verleihen, werden diverse Arbeitsgruppen gebildet.

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