Busch- & Stoppelfeuer

Schadet Rauch den Weintrauben?

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 30. März 2019


AUSTRALIEN (Adelaide) – Nicht nur in Südafrika und Kalifornien sind Buschfeuer jedes Jahr eine Beeinträchtigung für Menchen, Natur und für die Landwirtschaft. Betroffen fühlen sich auch Weinbauern im Süden Australiens, deren Rebflächen direkt oder in der Nachbarschaft großer Agrarflächen liegen, wo  gezielte Feuer zum Abbrennen von Getreidefeldern die Regel sind. Der australischen Weinindustrie ist dies ein Dorn im Auge. Es gibt weltweit bereits mehrere Forschungsprojekte, die Auswirkungen von Buschfeuern und Waldbränden, dabei vor allem von deren Rauch auf Agrarprodukte, untersucht haben. Dagegen fehlt bisher eine Studie über das Abbrennen von Stoppelfeuern neben Rebanlagen. Die Winzer im Süden Australiens vermuten eine Beeinträchtigung, doch niemand weiss so genau, ob die Rauchschwaden eine nachteilige Wirkung haben.

Um einer Antwort näher zu kommen, hat die australische Regierung eine Studie ins Leben gerufen, die Auswirkungen von Stoppelfeuern, die traditionell im Herbst während der Erntezeit der Trauben stattfinden, untersuchen soll. Damit beauftragt wurden die University of Adelaide und das Australian Wine Research Institute (AWRI). Gerade in den südaustralischen Weingebieten Barossa Valley und Clare Valley grenzen große Teile von Getreidegürteln an die dortigen Rebflächen. Die Stoppelfeuer sind eine seit langem akzeptierte Praxis, um Unkraut, Samen und Schädlinge nach der Ernte und vor der Aussaat zu beseitigen. Doch die Weinbauern fürchten um Nachteile bei der Traubenqualität, wollen Risiken nachgewiesen haben und falls es Auswirkungen gibt, wollen sie diese möglichst minimiert haben. 

Suche nach Entscheidungshilfen

„Aus unserer früheren Forschung über Rauchflecken auf den Schalen von Früchten wissen wir, dass es bestimmte Faktoren gibt, die eine Rolle spielen, wie beispielsweise die Entfernung zu den Stoppelfeuern, deren Rauchdrift, die Art des Rauchs, die Tageszeit des Brennens, saisonale Bedingungen und die Windgeschwindigkeit“, erläutert Dr. Mark Krstic, Entwicklungsmanager bei der AWRI. „Wir hoffen nun, dass wir durch weitere Forschung gezielt an Reben und Trauben mögliche Beeinträchtigungen exakt analysieren können und mit den Ergebnissen sowohl der Weinindustrie als auch der Getreideindustrie genügend Informationen zu liefern, um fundierte Entscheidungen zu treffen, damit die Bedürfnisse der eigenen Unternehmen und der jeweiligen Nachbarn berücksichtigt und gewahrt bleiben können.“

Industrie-Supermächte

Das AWRI mit Sitz in Adelaide ist weltweit führend im Bereich der Analyse von Weinrauchflecken und wurde auch hinzugezogen, um im tasmanischen Bundesstaat dortigen Weinbauern bei der Bewältigung des Problems zu helfen, nachdem im Januar und Februar Buschfeuer große Teile der Insel verwüstet hatten. Gerade im Süden Australiens, wo rund 50 Prozent des australischen Weins produziert wird, wären nachteilige Auswirkungen von Feuer und Rauch extrem schädlich für die Weinindustrie. „Das Abbrennen von Getreidefeldern ist nicht mehr so verbreitet wir früher, bleibt aber immer noch ein wichtiges Werkzeug im Zyklus der Getreideproduktion", erläutert Tim Whetstone, Minister für Grundstoffindustrie und Regionalentwicklung. „Wir haben die Ausgangslage, dass der Getreide- und Weinsektor zwei primäre Industrie-Supermächte in Südaustralien sind, und es ist wichtig, dass jeder von ihnen in der Lage ist, ohne Beeinträchtigung des anderen zu koexistieren.“

Nun warten die Protagonisten auf die Ergebnisse der neuen wissenschaftlichen Untersuchungen, die in den kommenden Monaten vor allem mittels einer Reihe von Feldstudien und gleichzeitig  mit Analyseverfahren an Traubensäften durchgeführt werden. Das primäre Ziel ist es, die Auswirkung von Rauch auf Weinreben und Trauben zu bestimmen und falls vermutete Beeinträchtigungen nachgewiesen werden sollten, werden Antworten zur Abhilfe erwartet. Ich bleibe am Thema dran und werde berichten.

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