Wein-Skandal

Sieben Millionen Liter Wein falsch deklariert

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 1. August 2019


DEUTSCHLAND (Bad Kreuznach) – Die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach ermittelt wegen Weinbetrugs im grossen Stil gegen neun Beschuldigte. Sieben Millionen Liter Wein seien vom rheinland-pfälzischen Landesuntersuchungsamt gesperrt worden, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag gegenüber der Presse. Demnach werden dem Geschäftsführer einer Weinkellerei aus Rheinhessen, seinen Mitarbeitern und Winzern banden- und gewerbsmässiger Betrug sowie Irreführung nach dem Wein- und Ökolandbaugesetz vorgeworfen.

Grundlage des Ermittlungsverfahrens ist eine Menge von einer Million Liter falsch deklarierten Weins. Dabei soll es sich um sogenannte Verschnitte, in denen mehrere Weinsorten oder -qualitäten miteinander vermischt werden, handeln. Diese seien als reine Weinsorten verkauft worden, ohne auf die anderen Bestandteile der Mischung hinzuweisen. In einem kleineren Umfang sei auch Biowein mit konventionellem Wein vermischt worden.

Sieben Millionen Liter Wein aus „unrechtmässiger Herstellung“

Das rheinland-pfälzische Landesuntersuchungsamt sperrte nach eigenen Angaben insgesamt sieben Millionen Liter Wein. Das bedeutet, dass der Wein der betroffenen Weinkellerei Welter in Engelstadt nicht weiter verkauft werden darf, bis der Vorwurf geklärt ist. Anschliessend werde entschieden, wie es mit dem gesperrten Wein weitergehe. „Die Rechtmässigkeit der Herstellung sei nicht nachvollziehbar, Rebsorten und Herkunft der Weine sowie der Weg, den sie genommen haben, könne nicht zurückverfolgt werden", sagt der Sprecher des Amtes.

Aufgefallen seien die Verschnitte im Oktober 2018. Damals, so der Vorwurf, seien Übermengen vermarktet worden, die nicht hätten verkauft werden dürfen. „Übermengen müssen aus Qualitätsgründen zu Industriealkohol verarbeitet werden. Bei der Überprüfung hätten sich Hinweise auf Verschnitte ergeben“, erklärte der Sprecher.

Hintergründe

Die Ermittlungen um die Ortwin Welter Weinkellerei GmbH & Co. KG begannen schon in 2018, zur Zeit, als Axel Welter die Geschäftsführung niederlegte und seine Stimmrechte auf seine Schwester Jeanette Welter überschrieben hatte. Durch diesen Führungswechsel versuchte die Kellerei eine Stilllegung zu vermeiden, wie die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach bestätigt. Während der Durchsuchungen sei der Betrieb allerdings beeinträchtigt gewesen. Mit einer neuen Führung sollten die Probleme behoben werden, so war vor einem Jahr noch die Hoffnung. An der Spitze des Unternehmens stand Jeanette Welter, unterstützt im operativen Geschäft durch die externen Fachleute Tanja Schneider (Marketing/Vertrieb), Maik Ilgen (Oenologe) und Sven Wagner (kaufmännische Leitung) von Die Weinberater GmbH. Deren Aufgabe war, den Betrieb wieder zukunftsfähig zu gestalten.

Hintergrund der in 2018 begonnenen Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach, sei die Weinkontrolle im Oktober 2018 gewesen, wie ursprünglich die rheinhessische Allgemeine Zeitung berichtete. Demnach sei der Verdacht auf die Vermarktung von Übermengen aufgekommen, die eigentlich der Destillation hätten zugeführt werden müssen. 

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