Lapo Mazzei

Vater des Chianti Classico verstorben

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 2. September 2019


ITALIEN (Florenz) – Der Patriarch Marquis Lapo Mazzei, Oberhaupt der toskanischen Weinfamilie, langjähriger Präsident des „Consorzio del Chianti Classico“ und Träger des Staatsordens „Cavaliere del Lavoro“ („Ritter der Arbeit“), ist jüngst im Alter von 94 Jahren auf seinem Gut Fonterutoli in der Nähe von Siena, verstorben. Alles was Rang und Namen hat kondolierte der Familie, allen voran Dario Nardella, Bürgermeister von Florenz, Vertreter aus Wirtschaft und Politik schlossen sich an, auch viele Kollegen und Wegbegleiter bis hin zum Verband Federdoc, der Organisation zum Schutz der Weinbezeichnungen Italiens.

Die Mazzei-Dynastie führt ihre Wurzeln auf das 11. Jahrhundert zurück und ist seither unzertrennlich mit der Toskana und dem Wein verbunden. Von einem der Vorfahren namens Ser Lapo Mazzei (1350–1412) stammt ein gesichertes historisches Dokument aus dem Jahr 1398, in dem der Begriff „Chianti“ erstmals erwähnt wurde. Im Zuge einer Vermählung übernahm die Familie der Marchesi Mazzei im Jahr 1435 das Weingut Fonterutoli. Fortan wird auf diesem Gut, das auch als Familiensitz gilt, bis heute Wein produziert.

Lapo Mazzei

Lapo Mazzei, geboren 1925, war Spross einer der ältesten Weinfamilien der Toskana. Er legte in seinem Wirken beim Weinunternehmen Fonterutoli stets den Fokus auf Moderne und Fortbestand, war aber auch besonders erfolgreich darin, den Chianti Classico zu seinem heutigen Ruf zu verhelfen. Der Agrarwissenschaftler Lapo Mazzei blieb sein ganzes Leben lang eine Schlüsselfigur der florentinischen Gesellschaft. Sein 20-jähriges Wirken als Präsident des Consorzio Chianti Classico war besonders bemerkenswert, nicht nur, weil er dem Chianti Classico 1984 zum DOCG-Status verhalf.

Längst anerkannt sind seine Bemühungen um den toskanischen Wein, aber Lapo Mazzei zeigte auch sein öffentliches Pflichtbewusstsein als Leiter der Cassa di Risparmio di Firenze. Während des Zweiten Weltkriegs leistete er Widerstand gegen die Achsenmacht Berlin-Rom und half den Alliierten, Italien zu befreien. Bereits während seines Studiums nach dem Krieg, übernahm Lapo Mazzei die Führung des Familienbetriebs, den er im Laufe der Zeit von Grund auf modernisierte und für die Zukunft aufstellte.

„Lapo Mazzei hat nicht nur sein Traditionsgut in die Moderne geführt, sondern auch durch persönliche Verdienste in Wirtschaft und Gesellschaft unseren Respekt mehr als verdient. Seine Bemühungen um den Chianti Classico werden in die Geschichte eingehen", sagt Nardella. „Mit Lapo Mazzei verlieren wir einen großen Florentiner, der unserer Stadt, dem toskanischen Wein und unserem Land so viel gegeben hat.“

Aktive Nachfolge

Heute ist die 24. Generation bei Fonterutoli am Ruder. Sohn Filippo hat eine humanistische Schulbildung und ebenso ein Studium der Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen. Seit 1989 leitet er das Familienunternehmen. Nach seinem Studium der Politikwissenschaften wirkte der zweite Sohn Francesco erst bei so namhaften Unternehmen wie Barilla und Piaggio, bevor er 1996 ebenfalls ins Unternehmen eintrat. Ein Jahr später übernahmen die Brüder Mazzei die Tenuta Belguardo in der Maremma und in 2003 das Weingut Zisola, gelegen auf Sizilien.

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