En-Primeur Nachlese

Weinpreise für Bordeaux in näherer Betrachtung

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 7. August 2019


FRANKREICH (Bordeaux) – Die En-Primeur Kampagnen 2018 sind zu Ende. Auch die Top-Châteaux, die sich gerne bis in den Frühsommer Zeit lassen, bis sie ihre Preise veröffentlichen, haben dies nun getan. Obwohl einige Château sich aus Vernunft an ihren Preisen aus 2015 und 2016 orientiert haben, haben andere die Preise ordentlich angezogen. Generell ist ein Preisanstieg feststellbar. Experten der Weinszene konstatieren unisono, dass der Jahrgang 2018 alles hat, was Weinliebhaber wünschen: Komplexität, Tiefe, Länge und Reichtum. Doch sie merkten zu Beginn der Kampagne kritisch an, das Preisniveau nicht zu überfordern und mahnten, auf dem Preisniveau von 2016 zu bleiben, dies jedenfalls nicht zu überreizen.

Und in der Tat war 2016 der jüngste hochwertige Jahrgang und steht zusammen mit dem Jahrgang 2015 mengenmäßig gut da. Die Vorräte aus beiden Jahrgängen sind heute noch immens, ein Zeichen dafür, dass die Preise zu hoch waren, um die Verbraucher zu gewinnen. Wenn dieser Fehler in 2018 „wiederholt werde“, so warnten die Kritiker, könne es passieren, dass auch dieser Jahrgang noch „lange gelagert werden müsse“. Fragt man Bordeaux-Kenner nach einer Einschätzung der Jahrgänge 2015 bis 2018, so lässt sich festhalten, dass der 2018er Jahrgang besser als der 2015er und 2016er Jahrgang sein soll, obwohl gerade diese Jahrgänge bestimmte Höhepunkte haben, die wiederum den 2018er punktuell übertrumpfen sollen.

Dabei sind sich Experten einig: Auch unabhängig besonderer Qualitäten des 2018er Jahrgangs und unabhängig der Preisgestaltung wird sich die Nachfrage in Grenzen halten. Diese Einschätzung zielt insbesondere auf Grossbritannien ab – grösster Abnehmer der En-Primeur-Weine – dass sich im laufenden Brexit-Prozess befindet und dieses Jahr sehr zurückhaltend agiert. Auch der gemeine Konsument orientiert sich vorangig am Preis und viel weniger an den Nuancen einzelner Jahrgänge. Wenn, dann honoriert er bestenfalls die Summe der Bedingungen über das Erntejahr hinweg. Nun war die Vegetation in 2018 anfangs nicht gerade ideal, es herrschte Schimmelpilzdruck wegen zu viel Feuchte am Beginn der Periode. Den Jahrgang 2018 rettete dann der warme, trockene Sommer und die idealen Bedingungen zur Reife und Erntezeit. Es wurden vielerorts in Bordeaux hochwertiges, ja sogar spektakuläres Traubenmaterial in die Keller gebracht.

Kampagnenstart weckte Hoffnungen

Schauen wir uns mal einige Spätmelder sowie ein Querschnitt der Preise an. Zur Betrachtung gehören so berühmte Châteaux wie Cheval Blanc (Saint -Émilion), Lafite Rothschild (Pauillac), Margaux (Médoc), Haut-Brion (Pessac) und Mouton Rothschild (Pauillac), um nur einige vorab zu nennen. Alle hier genannten Preise pro Flasche beziehen sich auf die Erstweine der Châteaux für den Einkauf durch den Handel, in Frankreich Négociant (frz. für Kaufmann, Händler, Handelshaus) genannt.

Einer der ersten Preismelder im April war Châteaux Angélus (Saint Émilion) und veröffentlichte mit 252 Euro pro Flasche, ein Rückgang von 8,7 Prozent gegenüber 2017 und identisch mit dem Preis aus 2015. Ein attraktiver Preis für die Négociants, was zu Beginn der En-Primeur als gutes Zeichen gewertet wurde, auch weil die Weine von Châteaux Angélus aus den Jahrgängen 2015 und 2016 heute für circa 380 Euro im Regal stehen.

Dann folgten ab Anfang Mai weitere Preismeldungen. Château Palmer (Margaux) setzte seinen Preis für 2018 mit 240 Euro an, 25 Prozent über dem Preis von 2017, aber identisch mit dem Preis von 2016. Die 2016er Weine von Palmer kommen gerade in den Verkauf und sind für circa 300 Euro zu haben. Branaire-Ducru (Saint-Julien) veröffentlichte seinen Preis für 2018 mit 38 Euro, ein Plus von 14,3 Prozent gegenüber 2017. Beychevelle (Saint-Julien) preiste mit 60 Euro, ein Plus von 13,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Malescot-St.-Exupéry (Margaux) rief 40,80 für seinen Wein aus, 17,2 Prozent höher als der letzte Jahrgang. Calon-Ségur (Saint-Estèphe) steigerte seinen Preis gegenüber dem Vorjahr um satte 20 Prozent auf 72 Euro. Pavie Macquin (Saint Emilion) veröffentlichte bei 53 Euro, ein leichter Anstieg von 2,3 Prozent gegenüber 2017. Und Pape Clément (Pessac-Léognan) seinen Preis von 66 Euro, was einem Zuwachs von 7,8 Prozent zum Vorjahr ausmacht.

Ende Mai ging es dann weiter, wobei die Vinexpo als Preistreiber seitens des Handels ausgemacht wurde, denn nach Ende dieser Messe steigen die Preise einiger Châteaux überproportional an. Château Canon  (Saint-Émilion) veröffentlichte seinen Preis pro Flasche mit 84 Euro, ein Plus von 27,3 Prozent gegenüber 2017. Der 2018er Wein von Rauzan-Ségla (Margaux) kostet mit 72 Euro deutlich mehr als im Vorjahr, ein Anstieg von 36,4 Prozent. Eine rühmliche Ausnahme betrifft den von Grand-Puy-Lacoste (Pauillac) veröffentlichte Preis von 55 Euro, was eine marginale Steigerung von 4,2 Prozent gegenüber 2017 entspricht. Léoville Barton (Saint-Julien) erhöhte gegenüber 2017 um 17 Prozent auf 62 Euro. Mit 42 Euro ist der Preis von Château Talbot (Saint-Julien) um 12,9 Prozent höher als in 2017. Und Valandraud (Saint-Emilion) rief mit 129 Euro aus, was einer Erhöhung um 29 Prozent gegenüber 2017 entspricht.

Anfang Juni kam die Bordeaux-Kampagne dann auf Hochtouren, als mehrere Top-Château fast gleichzeitig ihre Preise veröffentlichten. Château Lynch-Bages (Pauillac), weltweit als renommiertes Gut anerkannt, erhöhte seinen Preis um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 90 Euro. Dazu gesellte sich Château Troplong-Mondot (Saint-Émilion) mit einer moderaten Preiserhöhung von 3,3 Prozent gegenüber 2017 auf 74 Euro. Weit mehr verlangte Château Léoville Poyferré (Saint-Julien), dass für seinen Wein 66 Euro verlangte, 22,2 Prozent mehr als in 2017. Wiederum moderat fiel der Preis für 2018 von Château Giscours  (Margaux) aus, mit 7,2 Prozent erhöhte das Gut den Preis auf 44 Euro.

Moderater Preis von La Mission Haut-Brion

Überraschend waren dann ebenfalls in der ersten Juni-Woche die nächsten Kampagnen-Preise. Dabei liess La Mission Haut-Brion (Pessac-Leognan) die Weinszene mit einem nur um 5,0 Prozent erhöhtem Preis für 2018 auf 252 Euro aufhorchen. Die parallel und kurz darauf von anderen Châteaux veröffentlichen Kampagnen-Preise bildeten eine extreme Spanne. So gab Ducru-Beaucaillou (Saint-Julien) für seinen Wein 139 Euro an, 16 Prozent höher als in 2017. Léoville Las Cases (Saint-Julien) veröffentlichte mit 180 Euro, ein Anstieg von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Pichon Lalande (Pauillac) gab seinen Preis mit 132 Euro an, ein fast unglaublicher Anstieg von 46,7 Prozent zu 2017. Smith-Haut-Lafitte (Pessac-Léognan) veröffentlichte einen Preis von 79 Euro, ein Anstieg von 17,9 Prozent zum Vorjahr. Cos-d'Estournel (Saint-Estèphe) zog seine Preise um 33,3 Prozent auf 144 Euro an. Pichon Baron (Pauillac) erhöhte seinen Preis auf 114 Euro, ein Anstieg von 18,8 Prozent im Vergleich zu 2017. Und Les Carmes Haut-Brion (Pessac-Léognan) gab seinen Kampagnen-Preis mit 69 Euro bekannt, was einem Zuwachs von 27,8 Prozent ausmacht. Aber es geht auch moderat. So veröffentlichte Château Pavie (Saint-Émilion) für 2018 einen Preis von 282 Euro, was einem Anstieg von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Châteaux Margaux und Haut-Brion in Einigkeit

Mitte Juni zogen dann die Châteaux Margaux (Médoc) und Haut-Brion (Pessac) nach. Der Preis für den Margaux wurde um 17,2 Prozent im Vergleich zu 2017 auf nunmehr 408 Euro gesetzt. Und Haut-Brion zog identisch mit 408 Euro nach und legte damit ebenfalls um 17,2 Prozent zu. Château Lafite Rothschild (Pauillac) setze seinen Preis auf 470 Euro, ein eher moderater Anstieg um 11,9 Prozent. Dagegen steigerte Château L'Eglise Clinet (Pomerol) seinen Preis um 25 Prozent auf 210 Euro.

Ende Juni ging die Kampagne langsam dem Ende zu. Einige der letzten Meldungen kamen von den Châteaux Cheval-Blanc, Figeac und Vieux Château Certan. Cheval-Blanc (Saint-Émilion) steigerte seinen Preis um 22,2 Prozent auf 528 Euro, Figeac (Saint-Émilion) um beachtliche 45 Prozent auf 174 Euro und Vieux Château Certan (Pomerol) um 25 Prozent auf 210 Euro.

In Summe

Für alle Interessenten und Liebhaber der Tropfen aus Bordeaux ist dies ein kleiner Spiegel der Preisgestaltung seitens der Château für ihre ersten Weine des Jahrgangs 2018. Nur wenige Château gestalteten ihre Preise im Vergleich zu 2017 moderat. Im Durchschnitt stiegen die Preise in Bezug der hier besprochenen Château um 18,35 Prozent. Rühmliche Ausnahmen ist Château Angélus das seinen Preis um 8,7 Prozent niedriger ansetzte als noch im Vorjahr, die höchste Steigerung meldete Château Pichon Lalande mit 46,7 Prozent. 

Ein Überblick der hier besprochenen Handelspreise führender Châteaux basierend auf den Fasspreisen ist aus folgender Tabelle zu entnehmen:

 

CHÂTEAUX

ANBAUZONE

+/– IN %

PREIS 2018

Angélus

Saint-Émilion

-8,7

252 €

Pavie

Saint-Émilion

2,2

282 €

Pavie Macquin

Saint-Émilion

2,3

53 €

Troplong-Mondot

Saint-Émilion

3,3

74 €

Grand-Puy-Lacoste

Pauillac

4,2

55 €

La Mission Haut-Brion

Pessac-Leognan

5,0

252 €

Giscours

Margaux

7,2

44 €

Pape Clément 

Pessac

7,8

66 €

Lafite Rothschild

Pauillac

11,9

470 €

Talbot

Saint-Julien

12,9

42 €

Mouton Rothschild

Pauillac

14,0

510 €

Branaire-Ducru

Saint-Julien

14,4

38 €

Beychevelle

Saint-Julien

14,6

60 €

Ducru-Beaucaillou

Saint-Julien

16,0

139 €

Léoville Barton

Saint-Julien

17,0

62 €

Malescot-St.-Exupéry

Margaux

17,2

49 €

Margaux

Médoc

17,2

408 €

Haut-Brion

Pessac

17,2

408 €

Smith-Haut-Lafitte

Pessac-Leognan

17,9

79 €

Pichon Baron

Pauillac

18,8

114 €

Calon-Ségur 

Saint-Estèphe

20,0

72 €

Lynch-Bages

Pauillac

20,0

90 €

Léoville Poyferré

Saint-Julien

22,2

66 €

Cheval-Blanc

Saint-Émilion

22,2

528 €

Palmer

Margaux

25,0

240 €

Léoville Las Cases

Pauillac

25,0

180 €

L'Eglise Clinet

Pomerol

25,0

210 €

Certan

Pomerol

25,0

210 €

Canon

Saint-Émilion

27,3

84 €

Les Carmes Haut-Brion

Pessac-Leognan

27,8

69 €

Valandraud

Saint-Émilion

29,0

129 €

Cos-d'Estournel

Saint-Estèphe

33,3

144 €

Rauzan-Ségla

Margaux

36,4

72 €

Figeac

Saint-Émilion

45,0

174 €

Pichon Lalande

Pauillac

46,7

132 €

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