Herbstbilanz der fränkischen Winzer - Viel Arbeit und wenig Wein

29.10.2010 - arthur.wirtzfeld

DEUTSCHLAND (Würzburg) - Selten hat ein Jahrgang die Gemüter so bewegt wie der 2010er. Die Wetterkapriolen haben es den Winzern heuer vielfach nicht leicht gemacht. Letztendlich zeigte sich aber, dass der Jahrgang 2010 besser ist als sein Ruf. „Der Jahrgang hat uns vor große Herausforderungen gestellt und uns vor allem bei der Lese sehr viel abverlangt. Es ist kein großer Weinjahrgang, aber einer, der sich sehen lassen kann“, bilanziert der Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes Artur Steinmann.

 

Ende gut – alles gut? Einige Wermutstropfen gibt es dennoch, denn das Fazit der Winzer lautet: Viel Arbeit und wenig Wein. „Eine so geringe Menge haben wir seit 1985 nicht mehr eingefahren“, berichtet Präsident Steinmann. „Im Vergleich zum langjährigen Mittel haben wir rund 100.000 bis 120.000 Hektoliter weniger geerntet. Wir gehen dieses Jahr von ca. 340.000 Hektolitern Weinmost aus. Die Qualität kann sich aber durchaus sehen lassen. Im Durchschnitt wurden rund 58 Hektoliter pro Hektar mit einem durchschnittlichen Mostgewicht von 84 Grad Oechsle geerntet. Ca. 50 bis 60 Prozent des Weinmostes sind für Prädikatsweine geeignet.“

Dr. Hermann Kolesch von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) blickte auf „einen Jahrgang mit Licht und Schatten“ zurück. Nach einem langen Winter folgte ein kaltes Frühjahr. Spätfröste und ein ungünstiges Blütewetter sorgten für die ersten Ertragsreduktionen. Auf die extreme Hitze im Juli folgte dann ein äußerst regenreicher August (Würzburg: 185 mm/m2). „Solche Niederschlagsmenge im August haben unsere Winzer noch nicht erlebt“, so Kolesch. Die in der Folge einsetzende Fäulnis zwang die Winzer vielerorts zu einem relativ frühen Lesebeginn. „Die selektive Lese war dieses Jahr ein absolutes Muss. Verfaulte und unreife Trauben mussten aussortiert werden. Es war eine sehr teure Lese mit viel Arbeit und wenig Ertrag“, berichtet Kolesch.

Hermann Mengler, Fachberater für Kellerwirtschaft beim Bezirk Unterfranken, beschreibt den Weinjahrgang 2010 als „handwerklich und ehrlich“. Für Mengler sendet er eine klare Botschaft: „Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Wir sind einfach abhängig von der Natur. So ein Jahrgang wäre früher eine Katastrophe gewesen, heute wissen unsere Winzer damit umzugehen.“ Die ersten 2010er Weine präsentieren sich nach seinen Worten „belebend, nicht so opulent, aber mit klaren Fruchtkomponenten“. Als Gewinner des Jahres tituliert Mengler den Silvaner. Dieser konnte die schönen Tage im Oktober noch voll ausnutzten, so dass bei ihm mit einem Prädikatsweinanteil von 80 Prozent gerechnet werden kann.

Die Freunde des Frankenweins werden zukünftig wohl etwas tiefer in die Taschen greifen müssen. „Unsere Winzer hoffen, dass die Konsumenten einen etwas höheren Preis für die Flasche Wein akzeptieren werden. Wir haben uns in den vergangenen Jahren trotz gestiegener Erzeugungskosten bei Preiserhöhungen sehr zurückgehalten. Jetzt werden wir die Mehrkosten aber nicht mehr abfedern können. Eine Preissteigerung von fünf bis zehn Prozent wird wohl erforderlich sein“, so Weinbaupräsident Steinmann.

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