Eiskalte Ernte mit bescheidenen Mengen

18.01.2012 - arthur.wirtzfeld

DEUTSCHLAND (Mainz) - Leichtes Aufatmen in der deutschen Weinszene, jedenfalls bei den Erzeugern, die dieses Jahr Langmut bewiesen - denn sie wurden belohnt. In der Nacht auf Dienstag konnten mehrere Weingüter bei Temperaturen von bis zu - 9,0° Celsius Eiswein ernten. Ganz konträr zum vergangenen Jahr, als man Eiswein bereits Anfang Dezember 2010 bei besten Bedingungen und bestem Traubenmaterial ernten konnten. Für das Gros der Erzeuger in den deutschen Anbaugebieten war die Nacht vom 16. auf den 17. Januar allerdings nicht kalt genug um Eiswein zu ernten.

 

Wie der pfälzische Weinbauverband mitteilt, hatten nur sehr wenige Erzeuger die Möglichkeit, Eiswein zu ernten. Unter den Glücklichen ist das Weingut Langenwalter-Gauglitz in Freinsheim, das mit den Rebsorten Gewürztraminer, Kerner und Grauburgunder Eiswein einbrachte. Auch das Weingut Hochdörffer in Landau-Nußdorf konnte am frühen Morgen die Rebsorten Cabernet und Riesling ernten. Das Weingut Frey in Essingen hat die Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Scheurebe, Gewürztraminer und Muskateller mit ca. 160° Oechsle gelesen. Das Weingut Herrengut St. Martin, geführt von Familie Schneider, konnte die Rebsorte Riesling mit 135° Oechsle in der Weinlage St. Martiner Schloß Ludwigshöhe ernten.

Aber auch in Baden, Franken, Mosel und dem Rheingau konnte am Dienstag früh Eiswein geerntet werden. Einen Bericht aus Franken haben wir schon unter dem Titel „Fränkische Winzer erfolgreich in der Eisweinlese“ gebracht. In Baden konnte das Weingut Gragor und Thomas Schätzle aus Vogtsburg-Schelingen (Kaiserstuhl) Eiswein mit 180° Oechsle ernten.

„Die Freude über dieses Ergebnis ist groß, haben doch die feuchten und für die Jahreszeit zu warmen Temperaturen den noch am Rebstock hängenden Trauben sehr zugesetzt“, erklären die Gebrüder Schätzle die Situation. „Mit sportlichem Ehrgeiz haben wir in den vergangenen Wochen täglich den Zustand der Trauben beobachtet und immer wieder die von Fäulnis befallene Beeren entfernt. Belohnt wurden wir nun mit ca. 50 Liter Eiswein aus der Rebsorte Grauburgunder. Der Most weist sehr klare Fruchtaromen auf und verspricht schon jetzt hohen Genuss.“

An der Mosel freuten sich das Weingut Karthäuserhof aus Eitelsbach an der Ruwer und Weingut Steffen-Prüm in Maring bei Bernkastel-Kues über eine erfolgreiche Eiswein-Lese. Minus 8 Grad waren es in der Lage Sonnenuhr, der Riesling brachte Gerd Steffen etwa 100 Liter Most und wurde mit 150° Oechsle gemessen.

Im Rheingau war das Weingut Peter König aus Assmannshausen eines der ersten und erntete bereits am Montagmorgen die gefrorenen Spätburgundertrauben mit 162° Oechsle und setzte die Lese in der Lage Höllenberg 24 Stunden später fort. Auch hier wurden die erforderlichen Minusgrade gerade so erreicht. „Es war vielleicht die letzte Chance, überhaupt einen 2011er Eiswein zu bekommen“, sagt Peter König. Auch das Weingut Reiner Flick in Wicker kam zum Zug. Hier lautete die Eiswein-Lage "Nonnberg".

Bei allen sind die Mengen aber recht bescheiden. Da bleibt nur ein Trostpflaster: Die Liebhaber der edelsüßen und zugleich säurebetonten Eisweine können sich, wenn schon kaum aus dem aktuellen Jahrgang, aufgrund der jahrzehntelangen Haltbarkeit der Spitzengewächse problemlos aus älteren Jahrgängen bedienen.

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