Update Covid-19

Grosse Herausforderungen für die Weinindustrie

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 17. Februar 2020


DEUTSCHLAND (Würzburg) – Vor dem Coronavirus kapitulierte die ProWein, die VinItaly auch. Auf Nachfrage bei Alois Lageder hiess es noch Anfang März: „man beobachte die Entwicklung“, die Vorbereitungen würden „weiterlaufen“. Gerade in Norditalien hatte sich zu dieser Zeit die Situation in den Gemeinden, Arztpraxen und Krankenhäusern extrem verschärft. Während in der Lombardei sowie zunehmend in Tirol Ärzte und Krankenhauspersonal an ihre Grenzen stiessen, war absehbar, dass auch der beliebte weinkulinarische Treff bei den Lageders in Margreid nicht stattfinden würde. Jetzt hat auch die Summa einen neuen Termin: 17. bis 18. April 2021.

Die Politik in Deutschland versucht, keine Panik aufkommen zu lassen, während Krankenhäuser, Arztpraxen und Apotheken nicht mehr wissen, wo sie Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken auftreiben können. In ganz Europa erlassen die Länder nach und nach Gesetze, die außergewöhnliche Maßnahmen erlauben, viele beenden den Schulbetrieb bis in den April hinein, Freizeitparks werden geschlossen, nicht für die Versorgung nötige Dienste sollen ruhen, wer Heimarbeit leisten kann oder nicht unbedingt gebraucht wird, der wird von den Unternehmen nach Hause geschickt.

Währenddessen erdreistete sich der US-Präsident Donald Trump, der gerade selbst einen Covid-19-Test mit negativem Ergebnis bescheinigt kam – Fake-News mal dahingestellt – den Zugriff auf deutsche Medizintechnik. Zwischen den USA und Deutschland entbrannte eine indirekte aber umso handfestere wirtschaftliche Auseinandersetzung hinter den Kulissen. Wie die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, versuchte US-Präsident Donald Trump, deutsche Wissenschaftler, die an einem potenziellen Coronaimpfstoff arbeiten, mit hohen finanziellen Zuwendungen in die USA zu locken beziehungsweise das Medikament exklusiv für sein Land zu sichern. „Es ist ausgestanden“, sagt Angela Merkel und meint damit, dass die Forschung am Impfstoff mit einem 80-Millionen-Kredit von der EU gefördert und das Know How nicht an die USA verkauft wird.

Europas Weinindustrie verlangsamt sich

Schauen wir uns aber mal die Weinwelt an. In Deutschland und gerade auch in Italien wurden alle größeren, mittlerweile auch die kleineren Weinevents abgesagt. Auch die jährliche Verkostung des neuesten Jahrgangs in Bordeaux ist Opfer der Verordnung geworden. Am vergangenen Wochenende gab die Union des Grands Crus de Bordeaux (UGC) bekannt, dass die für Ende März geplante En Primeurs-Woche verschoben werde. „Unsere Teams arbeiten derzeit daran, Lösungen zu finden, die es uns ermöglichen, den Jahrgang 2019 zu einem anderen Zeitpunkt zu verkosten. Wir werden Einzelheiten dazu bekannt geben, sobald der Kontext dies zulässt“, lautet die Erklärung von UGC-Präsident Ronan Laborde.

Für die Reise-, Gastronomie- und Weinindustrie wächst der wirtschaftliche Schmerz. Internationale Fluggesellschaften haben die Zahl der Flüge reduziert und die Gebühren für Passagiere, die ihre Reisepläne ändern wollen, ausgesetzt, insbesondere nach China, Italien und Südkorea, die die höchsten Fallzahlen aufweisen. Große Hotelketten, darunter Marriott, Hilton und Hyatt, haben viele Gebühren für Kunden, die ihre Reservierungen ändern wollen, ausgesetzt.

In Italien ist der Tourismus faktisch zum Stillstand gekommen, was Restaurants, Hotels und Weinkellereien schadet. Die neuen Regeln verbieten alle unnötigen Reisen innerhalb des Landes und alle großen öffentlichen Versammlungen bis mindestens 3. April, Verlängerung nicht ausgeschlossen. Museen und historische Stätten sind geschlossen, und Hochzeiten wurden ausgesetzt. Viele Wirtschaftswissenschaftler glauben, dass die ohnehin schon schwächelnde italienische Wirtschaft bald in eine Rezession geraten wird. Bars und Restaurants durften zunächst geöffnet bleiben, aber nur von 6 Uhr morgens bis 18 Uhr abends. Jetzt müssen alle geschlossen werden.

US-Winzer vor Corona-Trauma

In den USA haben Washington, Kalifornien und New York die meisten Fälle gemeldet, aber das Virus wurde bis heute in 34 Staaten gefunden. Es wird erwartet, dass diese Zahl noch steigen wird, wenn die Centers for Disease Control (CDC) mit der Zunahme der Tests beginnen. Das Gros der Weinkellereien hat bisher noch keine schweren Auswirkungen festgestellt. Aber schon melden Winzer einen leichten Rückgang der Besucherzahlen zu ihren Verkostungen. Sie und auch der Weinhandel befürchten, dass der Verkauf sich vor allem aufgrund der nachlassenden Restaurantbesuche und der zu erwartenden Import- und Exportbeschränkungen verlangsamen wird. Zum Thema berichten US-Medien an diesem Wochenende, dass die Umsätze in der Gastronomie in Seattle, San Francisco und New York schon zwischen 20 bis zu 50 Prozent nachgelassen hätten.

 

Aufmerksam bleiben

Mittlerweile trifft die Corona-Welle alle Branchen, nicht nur die Weinindustrie. In den Sozialen Medien ist die Meinung gespalten. Einerseits wird dort mit aufmunternden Worten die Viruswelle aus China kleingeredet, andererseits macht man sich Sorgen. Überall herrscht Unsicherheit. Aufklärung tut not. Zu empfehlen bleibt, den behördlichen Ratschlägen und Anweisungen zu folgen. Lassen Sie sich nicht von Fake-News oder von Posts, die keine Quellen benennen, verunsichern. Bleiben Sie die nächsten Wochen vorsichtig. Kümmern Sie sich um die ältere Generation und verzichten Sie möglichst auf soziale Kontakte. Alles wird gut – wenn wir dem Coronavirus diszipliniert entgegentreten, haben wir beste Chancen. Bis dahin wird es ein schmerzlicher Weg, für die Wein- und Reiseindustrie, für die Gastronomie und für alle Selbstständigen sowieso.

Ci abbracceremo di nuovo!

Zitat eines Facebook-Posts der italienischen Weinagentur Thurner-Pr: „Dies ist ein schwieriger und herausfordernder Moment für Italien, und nicht nur das. Wir müssen alle Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, die uns die Behörden vermitteln und unser Bürgersinn uns sagt, in Bezug auf uns selbst, unsere Lieben und alle unsere Mitbürger. Deshalb: Bleiben Sie zu Hause, aber verzagen Sie nicht. Liebe Produzenten, Journalisten, Sommeliers, Köche, Restaurant- und Hotelbesitzer, Weinimporteure und -vertreter, Weinliebhaber, Freunde, wir sind an Ihrer Seite und machen weiter. Für jede Information oder Anfrage zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Und vor allem: Bleiben wir zusammen, denken wir positiv und passen wir auf! Ci abbracceremo di nuovo! (Wir werden uns wieder umarmen!).

Zurück zur Übersicht

VINUM-Newsletter

Erhalten Sie das Neuste von VINUM direkt in Ihre Inbox!

JETZT ABONNIEREN