Die Landschaft und ihre Besonderheiten

Die Region

Fotos: Helmuth Rier, IDM Südtirol-Alto Adige / Alex Filz

Wer in Südtirol Urlaub macht, hat danach etwas zu erzählen – und kann dabei ins Schwärmen geraten. Die Angebote für einen aktiven und genussvollen Urlaub am Rande der Dolomiten sind reichhaltig.

Die Landschaft und ihre Besonderheiten, Winzer, Weine und Gastronomie lassen sich in Südtirol auf vielfältige Weise entdecken. Und weil grundsätzlich niemand besser über die Weine, die Arbeit dahinter, die Geschichten, kurzum die Weinkultur Bescheid weiss als die Winzer selbst, sollte man den direkten Kontakt mit ihnen suchen. Für praktisch alle Winzer ist es selbstverständlich, Besucher zu empfangen. In den kleineren Betrieben wird das von den Familien selbst gemacht, in den Genossenschaftskellereien steht – in teilweise atemberaubend gestalteten Räumlichkeiten – geschultes Personal bereit.

Verkostungen und Führungen werden in fast allen Betrieben angeboten, je kleiner der Betrieb, desto eher sollte man sich anmelden, um am Ende einen authentischen Blick hinter die Kulissen zu bekommen.

Regionale Gourmetküche

In der Südtiroler Küche verbinden sich kulinarische Welten: Traditionelle bäuerliche Produkte wie Käse, Speck, Schüttelbrot und saisonales Gemüse treffen hier auf mediterrane Leichtigkeit. Viele Restaurants legen Wert auf regionale Produkte, die nicht weit transportiert und vorwiegend in Bioqualität angeboten werden. Gut, dass es hier noch viele traditionelle Höfe gibt, von denen man diese beziehen kann. Für den Vinschgau und das Eisacktal typisch sind Bergbauern, die Milch, Käse, Wurst und Speck produzieren. Im Herbst werden hier die Kastanien geerntet, im Frühjahr der Spargel. Der Vinschgau ist vor allem für den Anbau von Äpfeln bekannt. 

Und wo gut gegessen wird, ist auch der Wein nicht weit. In den Lokalen ist die Auswahl an regionalen Weinen gross. Hier kommt man auf den Geschmack, entdeckt die Vielfalt der Gegend und findet vielleicht den einen oder anderen Tropfen, der Lust auf mehr macht und direkt zum Besuch des nächsten Weinguts führt.

«Viele Leute kommen immer wieder zurück nach Südtirol, weil sie dort jedes Mal etwas Neues entdecken.»

Christine Burki, Winzerin

Der Wein hat in Südtirol überdies eine beachtliche Entwicklung durchgemacht. Was heute in die Flasche kommt, ist das Resultat von vielen Überlegungen und Entscheidungen, die vor gut fünf Jahrzehnten ihren Anfang nahmen.

Die späten 1980er Jahre brachten einen Einschnitt in die Geschichte des Südtiroler Weins. Hatte man bis dahin weitgehend auf Masse gesetzt, wurde der Kurs damals neu bestimmt. Das Ziel heisst seitdem Qualität und wird auch heute noch verfolgt.

Die passende Rebsorte für jede Lage

Der Ausgangspunkt des Qualitätsstrebens ist die fundamentale Erkenntnis, dass sich Südtirols Lagen aufgrund ihrer natürlichen Vielfalt nicht über einen Kamm scheren lassen. Das heisst wiederum, dass der erste Schritt sein muss, die am besten passende Rebsorte für die jeweilige Lage auszuwählen. Es war eine regelrechte Revolution, die vor rund 50 Jahren eingeleitet wurde: Es ist nicht mehr die Rebsorte, die der Lage aufgezwungen wird, sondern für die Lage wird die optimale Rebsorte bestimmt.

Die auffälligste Veränderung ist, dass sich Südtirol von einem vom Vernatsch dominierten Anbaugebiet zu einer Region entwickelt hat, in der rund 20 verschiedene Rebsorten gedeihen. Damit ging einher, dass in dem früheren Rotweinland nun auf zwei Dritteln der Rebfläche weisse Sorten wachsen, allen voran Pinot Grigio, Weissburgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc – und natürlich die ursprünglichste weisse Südtiroler Rebsorte, der Gewürztraminer. Unter den Rotweinen ist heute nicht mehr der Vernatsch der König. Häufiger angebaut werden die zweite rote Regionalsorte, der Lagrein, und vor allem Blauburgunder (Pinot Noir). Doch der Vernatsch ist nicht etwa verschwunden, sondern hat seine eigene Entwicklung durchgemacht. Zwar wird er heute nur noch auf 8 Prozent der Rebfläche angebaut – im Gegensatz zu früher bis zu 70 Prozent –, doch zeichnen sich die heutigen Vernatsch-Weine durch eine erheblich höhere Qualität aus. Viele seiner Vertreter werden inzwischen von den Weinführern zu den grossen Südtiroler Weinen gezählt.

Tour durchs Weingut buchen

Weinreisende können sich in Südtirol ganz genau ansehen, wo und wie der Wein wächst und reift. Viele Kellereien und Weingüter bieten geführte Touren durch ihre Weinberge und Keller an. Sie zeigen, welche Böden und Mikroklimata den Wein beeinflussen, wie er gereift und cuvetiert wird. Eine Fahrt oder Wanderung zu Aussichtspunkten und Verkostungsterrassen in den Weinbergen kann das Gespür für das Genussprodukt Wein ebenso verstärken wie der Rundgang durch den Fasskeller.

Die Weinlandschaft Südtirols lässt sich aber auch besonders gut mit dem Fahrrad oder E-Bike erkunden. Ein dichtes Netz gut ausgebauter Radwege führt nicht nur durch Täler und Dörfer, sondern auch mitten durch die Weinberge. Viele der schönsten Routen verlaufen direkt entlang der Südtiroler Weinstrasse, vom Eisacktal über das Unterland bis in den Vinschgau. Das kann man auf eigene Faust tun – oder eine geführte Tour buchen: Südtirol betreibt seit einigen Jahren ein «Bike Wine Ambassador»-Programm. Zertifizierte Guides begleiten Touren, die individuell geplant werden – sportlich oder gemütlich, mit Fokus zum Beispiel auf Rebsorten, Architektur oder Ausblicke. Der Wein wird auch verkostet – aber selbstverständlich nicht während der Fahrt, sondern danach: bei ausgewählten Stopps mit Kellerführung, kommentierter Degustation und Gesprächen mit den Winzern.