I magnifici sette

Talente des Jahres

Text: Christian Eder, Fotos: Tiberio Sorvillo, Sibon Fotografie, Svein Lindin, z.V.g.

Renommierte Namen, Anhänger der Biodynamie und Quereinsteiger: Diese sieben Weingüter haben in diesem Jahr nicht nur einige der besten Weine abgeliefert, sondern kümmern sich besonders um den Goût de Terroir und die Nachhaltigkeit.

Die Crus des Chianti Classico

Barone Ricasoli

Castello di Brolio – hier wurde 1872 durch Barone Bettino Ricasoli die Chianti-Formel erfunden – hat sich mit seinen mehr als 200 Hektar Rebbergen zu einem Nukleus des modernen Chianti Classico entwickelt. Zu verdanken ist das Francesco Ricasoli, der das Gut seit 1993 leitet. Er ist mit einer Zonierung seiner ausgedehnten Rebberglagen ein Vorreiter der Erkundung des Terroirs. 19 unterschiedliche Bodentypen wurden so auf Brolio unterschieden – Kalk, marine Sedimente, Schwemmböden, Galestro oder Arenarie (Sand-Fels-Formationen). Bodentypen, die zwar auch in anderen Zonen des Chianti zu finden sind, aber aus Brolio eine ideale Experimentierstube machen. Jede Lage wird daher separat vinifiziert. Jüngstes Ergebnis sind drei Lagen-Sangiovese, die den Chianti Classico unterschiedlichst interpretieren: Die Gran Selezione Cenipri stammt von einer Einzellage in 300 Metern Meereshöhe mit punktgenauer Textur. Die Gran Selezione Roncicone ist ein Cru in 320 Metern Meereshöhe mit burgundermässiger Eleganz. Und die Gran Selezione Colledilà ist schliesslich die Frucht eines Rebbergs in 380 Metern Meereshöhe. Francesco Ricasoli: «Die Weine sind das Resultat von mehr als zehn Jahren Arbeit: Die Erforschung des Terroirs sehe ich daher als ersten wichtigen Schritt, um Chianti Classico von Format zu produzieren.»

Dreimal Terroir

Mazzei Castello di Fonterutoli

Zwei Seelen wohnen in der Brust von Filippo und Francesco Mazzei. Mit dem Philip ist vor wenigen Jahren erst ein aussergewöhnlicher Wein entstanden, der kreiert wurde, um an einen Ahnherrn der noblen Familie, Filippo Mazzei, zu erinnern. Der revolutionäre Charakter von Filippo Mazzei wird durch den Blend des Weines symbolisiert: eine Mischung der besten Cabernet-Sauvignon-Trauben von Castello di Fonterutoli im Chianti und der Tenuta Belguardo in der Maremma. Gerade diese Idee der Toscanità im Wein ist tief in der Familie Mazzei verwurzelt: Sie kultiviert 120 Parzellen auf 73 verschiedenen Weinbergen in fünf verschiedenen Produktionszonen. Das Ergebnis sind inzwischen drei verschiedene Chianti Classico Gran Selezione, die aus unterschiedlichen Gemeinden stammen und so auch den Charakter der unterschiedlichen Lagen des Chianti ausdrücken: Die Gran Selezione Castello di Fonterutoli aus Rebbergen rund um den Stammsitz in Castellina in Chianti, Badiolà aus hochgelegenen Rebbergen in Radda in Chianti und Vicoregio 36, eine Selektion von 36 verschiedenen Sangiovese-Klonen in einem Rebberg (der bislang Mix 36 hiess). Terroir pur.

Lagenweine aus Bolgheri

Tenuta Argentiera

Die Tenuta Argentiera liegt im Süden des Anbaugebietes Bolgheri an der toskanischen Küste. Von sandigen Böden in tiefen Lagen über lehmig-kalkhaltige Positionen bis zu von Fossilien durchzogenen Kalkböden ist auf den mehr als 70 Hektar Rebbergen vieles zu finden – und findet dank einer akkuraten Zonierung seinen Niederschlag in unterschiedlichen Weinen. Vor allem sind es natürlich Rotweine, die der Österreicher Stanislaus Turnauer, seit 2016 Eigentümer des Betriebes, produziert. Zu den bereits eingeführten Schlachtschiffen Bolgheri DOC Superiore Argentiera und Bolgheri DOC Villa Donoratico hat sich mit dem Jahrgang 2015 ein Einzellagenwein gesellt: Der Toscana IGT Ventaglio zeigt das Potenzial der Rebsorte Cabernet Franc. «Als ich die Fassmuster verkostete, fiel mir immer wieder der Cabernet Franc aus einer bestimmten Lage auf, er war einfach besonders!», so Turnauer. So entschloss er sich nach Rücksprache mit dem Önologen die Lage Ventaglio, 1,4 Hektar in Panoramaposition in 120 Meter Meereshöhe, separat abzufüllen. Noch enthält der erste Jahrgang 15 Prozent Cabernet Sauvignon, soll aber schon mit dem nächsten Cabernet Franc in purezza werden.

Sieben dynamische Crus

Tenuta Corte Pavone

Als der Südtiroler Rainer Loacker vor 40 Jahren sein erstes Weingut kaufte, wollte er seine Rebberge schon biologisch-dynamisch bewirtschaften, das tat er später auch auf der Tenuta Corte Pavone in Montalcino. Seine Söhne Hayo, Franz Josef und Hannes folgen ihm in dieser Philosophie nach: Mit der selbst entwickelten Methode Dynamic Vine Selection, die auf Tenuta Corte Pavone zum Einsatz kommt. Durch Digitalisierung ermöglicht das System eine dynamische, an die verschiedenen Mikro-Lagen angepasste Bearbeitung der Rebstöcke im Weinberg.

Vor zehn Jahren hat Hayo begonnen, das Terroir und die Wachstumsprozesse der Reben auf Corte Pavone genauestens zu beobachten. Inspiriert von der Lagenklassifikation des Burgunds, war es sein Traum, ganz unterschiedliche Brunelli hervorzubringen. Durch die zwei grundsätzlich verschiedenen Bodentypen in den Weinbergen von Corte Pavone und die gesonderten Mikroklimata sind gute Voraussetzungen für Einzellagenweine gegeben.

Heute resultieren aus dieser Arbeit die sieben Dynamic Brunello Crus der Tenuta Corte Pavone. Dynamisch sind die Crus, weil die endgültige Selektion der Trauben innerhalb der Einzellage zum Zeitpunkt der Ernte jahrgangsspezifisch individuell optimiert wird. Dynamisch ist dieser Prozess auch, weil in jedem Jahr bis zu drei Infrarot-Messungen vorgenommen werden, um die individuelle Bearbeitung im Weinberg weiter zu verbessern. Zum einen erfolgt dies, um die Ernte individuell an den jeweiligen Jahrgang anzupassen, liefert aber auch langfristig wichtige Erkenntnisse im Hinblick auf die Einteilung und die jahrgangsdynamische Entwicklung der verschiedenen Wachstumszonen. Vier Crus sind bereits auf dem Markt, 2021 folgt der Start des fünften Cru als Riserva.

Vernaccia in Bio

Il Palagione

Il Palagione ist ein alter Bauernhof aus dem Jahr 1594, der an der malerischen Strasse Volterrana liegt, die San Gimignano mit Volterra verbindet. Die Mailänder Giorgio Comotti und seine Frau Monica Rota hatten sich einst auf den ersten Blick in die Lage verliebt, in Rebberge und Keller investiert, und begonnen, völlig eigenständige Vernaccia zu produzieren, die heute zum Besten gehören, was San Gimignano zu bieten hat.

Die 17 Hektar Rebberge werden biologisch bewirtschaftet und sind inzwischen die Basis von einer Handvoll verschiedenen Vernaccia: der jugendlich frischen Hydra, der Riserva Ori und der eleganten Lyra, dem Neuzugang. Allesamt Weine, die mit ihrer feinen salzigen Mineralität auch das Reifepotenzial der Vernaccia demonstrieren.

Die Weinberge zeigen auch die Vielfalt des Anbaugebietes und liegen in zwei verschiedenen Zonen: Palagione auf einer Höhe von 250 bis 350 Metern über dem Meeresspiegel mit überwiegend Nordost-Ost- und Süd-Exposition, die Böden sind reich an Fossilien; Montagnana mit Lagen zwischen 150 und 250 Metern über dem Meeresspiegel und überwiegend in Süd-/West-Exposition.

In beiden Zonen hat Comotti eine Zonierung durchgeführt. Die pedoklimatischen Eigenschaften jeder Parzelle wurden untersucht, um die Rebsorte zu pflanzen, die am besten zum Mikroterroir passt: ein Teil der alten Vernaccia-Klone auf kalkhaltigen Tonböden, die dem Nordosten ausgesetzt sind, um Frische und Aroma zu gewährleisten, Sangiovese beziehungsweise Prugnolo Gentile auf Böden, die reich an Lehm und Kieselsteinen und nach Süden ausgerichtet sind, um Struktur und Eleganz zu verbessern.

Senza Solfiti

Fattoria Lavacchio

Im Gebiet des Chianti Rufina westlich von Florenz, auf der Spitze des Hügels von Montefiesole in 450 Metern Meereshöhe war die Fattoria Lavacchio einer der ersten Betriebe des Anbaugebietes, der biologisch produzierte: «Unser Ziel war, die Harmonie zwischen unserer Arbeit am Bauernhof und der Natur rundherum herzustellen», sagt Faye Lottero, die Besitzerin, heute, bald zehn Jahre nach den Anfängen.

Es blieb aber nicht nur bei biologischem Anbau, auch die Vermeidung von Schwefel im Wein wurde bald zu einem Ziel der Kellerei. Nach Jahren des Experimentierens ist seit einiger Zeit der Puro in einer Annata- und einer Riserva-Version auf dem Markt: Ein Chianti DOCG aus Sangiovese in purezza, in Stahl ausgebaut, bei dem kein zusätzlicher Schwefel hinzugefügt wird. Schwefel als Antioxydantium und Antibakterium wird durch physikalische Massnahmen – wie kühle Lagerung, die maximale Extraktion von Polyphenolen und Filtrierungen – erreicht. Nach sechs Monaten in Stahl wird der Wein dann abgefüllt und ist mit seiner frischen Fruchtigkeit ein hervorragender Aperitif, aber nicht nur.

Der grosse Bruder ist die Chianti DOCG Riserva Senza Solfiti: Hier ist es Faye Lottero gelungen, einen Wein ohne den Einsatz von Schwefel ein Jahr in Holz auszubauen und seinen fruchtig-frischen Charakter stabil zu halten. «Aber das funktioniert nur mit Bedachtsamkeit während jedes Moments der Lese und im Keller», sagt sie.

Punktgenauer Vino Nobile

Tre Rose

Die Tenuta Tre Rose in Montepulciano ist Teil der Gruppe Bertani Domains mit Kellereien in verschiedenen Teilen Italiens. Bei Montepulciano erstrecken sich die Besitzungen in den hügeligen Positionen nahe des Trasimener Sees auf mehr als 200 Hektar, davon rund die Hälfte Rebberge. I Palazzi, Belvedere, Lodola, Poggetto und Santa Caterina heissen die fünf Hügel, die mit Prugnolo Gentile bestockt sind. Weingutsdirektor Andrea Lonardi kann auf einer Fläche von circa hundert Hektar die besten Trauben auswählen. Der Boden variiert in seiner Zusammensetzung von Sand über Ton bis Lehm und auch der nahe See hat einen ausgleichenden Einfluss auf das Mikroklima, die Reben und den Wein. Der Lesezeitpunkt für jede Parzelle wird exakt festgelegt, um nur optimale Trauben in den Keller zu bekommen. Jede Parzelle wird im Keller separat begleitet. So entstehen Vino Nobile mit geschmeidigen Tanninen und einem vielfältigen Aromenprofil.

Der reinsortige Prugnolo Gentile Santa Caterina ist neben der Riserva Simposio der ganze Stolz der Tre-Rose-Familie: Seine Trauben stammen vom gleichnamigen Hügel mit Böden marinen Ursprungs. «Dank den unterschiedlichen Parzellen und den Ausbaubedingungen im Holz haben wir verschiedenste Möglichkeiten, diesen Wein perfekt zu blenden», sagt Andrea Lonardi. Als technischer Direktor der Gruppe Bertani Domains ist Lonardi übrigens auch für San Leonino im Chianti Classico und Val di Suga im Montalcino-Gebiet – und ihre Interpretationen der Sangiovese-Traube – verantwortlich.

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