Guide Weisser Burgunder

Träume in Weiss

Text und Degustation: Rudolf Knoll, Foto: Siffert/weinweltfoto.ch

Österreich ist trotz der roten Lokalmatadore Blaufränkisch und Zweigelt ein Weissweinland mit einem Flächenanteil von 67 Prozent. Fast jeder dritte Rebstock ist Grüner Veltliner. Aber mit Qualität und Variantenreichtum kann die Familie der Weissen Burgunder sehr angenehm überraschen.

Nach einer Serie Chardonnay war ein kleiner Scherz angebracht. «Das ist Österreichs neuer Grüner Veltliner!» wurde die Kollektion mit diversen erstklassigen Weinen gelobt. Konkurrenz in der Fläche wird Österreichs Hauptsorte natürlich nicht bekommen. Aber es wurde doch deutlich, dass die weltweit auf über 200 000 Hektar verbreitete Rebe, die in Austria erst seit Ende des letzten Jahrtausends nicht mehr unter dem Deckmantel des Weissburgunder versteckt wird, durchaus als ein Aushängeschild für Österreichs Weissweine taugt. Das gilt auch, obwohl die Zahl der Anstellungen geringer war, für Grauburgunder und Weissburgunder.

Der Dank für diese Erkenntnis gilt Gisela Bauer, Winzergattin aus Jetzelsdorf im Weinviertel, die vor einigen Monaten darauf hinwies, dass man sich in ihrer Gegend mit viel Freude und Phantasie um die internationalen Sorten Chardonnay und Weissburgunder kümmert. Diese Anregung wurde aufgegriffen. Die Probe bestätigte, dass viele Erzeuger den Umgang mit diesen drei Sorten gelernt haben.

Der besonders stark vertretene Chardonnay hat seine besten Möglichkeiten im Leithaberg im nördlichen Burgenland, wo er zu den DAC-Weinen gehört. Auffällig waren einige überzeugende Weine aus der Thermenregion und den Fluren an der Donau. Und natürlich trumpfte die Steiermark, wo die Rebe aus der Tradition heraus meist Morillon genannt wird, besonders auf.

Der manchmal etwas üppig ausfallende Grauburgunder kann gelegentlich mit einer hellroten Farbe oder einer Bronzefärbung überraschen; eine Auswirkung von Maischegärung oder -standzeit, bei der sich Farbstoffe aus der Beerenschale absondern. Der Weissburgunder gedeiht in mehreren Regionen Niederösterreichs ausgezeichnet; selbst die Wachauer Veltliner- und Riesling-Künstler können spannende Gewächse vorweisen. Am meisten beeindruckte hier freilich ein Wein aus der Südsteiermark und dem Burgenland.

Die Verkostung

Die Probe wurde organisiert von der Österreich Wein Marketing GmbH. In deren Räumen in Wien fand auch die Verkostung der über 100 Weine statt. Neben VINUM-Redakteur Rudolf Knoll steckten die Nasen in Glas und liessen die weissen Preziosen über die Zungen rollen: Gisela Pöhler, Weinberaterin und langjährige Verkosterin bei VINUM-Wettbewerben aus Neunburg vorm Wald, Weinautorin Daniela Dejnega aus Wien und Max Weber, frisch gekürter «Bester Nachwuchs-Sommelier Oberösterreichs», der im renommierten Parkhotel Vitznau am Vierwaldstättersee in der Schweiz arbeitet.

Zahlen und Fakten

Der Weissburgunder, der in Österreich auch Pinot Blanc genannt wird, wächst auf 1971 Hektar, was einem Flächenanteil von 4,2 Prozent entspricht. Der Chardonnay wurde bis vor gut 20 Jahren zahlenmässig in der Statistik mit dem Weissburgunder erfasst. Heute wird er separat ausgewiesen und kann aktuell 1617 Hektar mit leicht steigender Tendenz vorweisen (Anteil 3,5 Prozent). In der Steiermark wird er traditionell überwiegend als Morillon bezeichnet. Grauburgunder ist das kleinste Kind in der österreichischen Familie der Weissen Burgunder mit lediglich 226 Hektar (0,5 Prozent Flächenanteil). Die Anbaufläche nimmt seit 20 Jahren kontinuierlich ab.

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