Wein Heimat Württemberg 1/2024

Weinverkostung: Überraschende Eindrücke

Text: Harald Scholl, Fotos: Laura Colacicco, Jana Kay

Es war keine ganz alltägliche Verkostung: Am Rande der führenden internationalen Weinmesse der Welt – der ProWein in Düsseldorf – steckten drei Redakteure des Weinmagazins VINUM ihre Nase in 66 Rosé-Weine aus Württemberg. Rosé ist der Trendwein der Stunde – die sehr positiven Verkostungsergebnisse zeigten deutlich, warum. Mehr sommerliche Freude im Glas ist einfach schwer zu bekommen!

Das Spektrum in Sachen Rosé ist außerordentlich vielfältig. Von blassem Hellrosa bis intensiv purpurfarben reicht das Spektrum dieser Weine, denn eine wirkliche Definition, ab wann ein Wein als Rosé gilt, gibt es nicht. Wirklich sicher ist nur, dass ganz überwiegend rote oder blaue Trauben verwendet werden, aber auch der Einsatz von weißen Trauben ist grundsätzlich nicht verboten. Ihre Farbe, die zumeist zwischen Lachsrosa oder Rosa changiert, bekommen die Weine durch den Most, der vor der Gärung zwischen vier und zwölf Stunden mit den Beerenschalen in Kontakt ist. Je nach Länge des Kontakts ist der Roséwein unterschiedlich stark gefärbt. Aber auch die Beigabe von weißen Trauben ist nicht verboten, in Frankreich ist sie sogar gang und gäbe.

Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass pro Jahr in Deutschland mindestens 120 Millionen Flaschen Rosé getrunken werden. Ein interessanter Markt mit steigenden Wachstumsraten. Da lohnt sich der Blick auf die heimischen Erzeugnisse, die mit moderaten Alkoholwerten, kontrollierten Produktionsmethoden und attraktiven Preisen eine echte Alternative für Roséfans darstellen. Wer sich ein wenig mit den so herrlich sommerlichen Roséweinen beschäftigt, wird sehr schnell feststellen, dass gerade in Württemberg eine faszinierende Vielfalt von klaren, fruchtigen und frischen Rosé angeboten wird, die es wert sind, entdeckt zu werden. Auch wenn nicht alles, was in Deutschland roséfarben in der Flasche leuchtet, auch laut Weingesetz ein Rosé ist. Zum Beispiel ist Schillerwein, auch kurz Schiller genannt, ein Wein, der aus weißen und roten Trauben hergestellt wird. Wobei die Trauben aus derselben Parzelle im Weinberg stammen müssen. Traditionell ist diese Spezialität in Württemberg zuhause. Der Rotling, in Sachsen auch Schieler genannt, ist eine Cuvée aus roten und weißen Trauben. Sie können beim Verschnitt bereits separat eingemaischt sein, müssen aber zusammen gekeltert werden. Besonders häufig findet sich dieser Weinstil in Württemberg, Baden, Franken und eben Sachsen. Was allen Stilen der Weine mit der zartroten Farbe gemeinsam ist: Sie sind die perfekten Begleiter aller sommerlichen Aktivitäten. Egal ob Grillparty, Gartenfest, Picknick oder Dinner zu zweit auf dem ­Balkon, ein Rosé geht immer.