Nach Sanktionen und Boykott-Aufrufen

Französische Winzer wollen Weingüter von russischen Investoren zurückkaufen

Text: Alice Gundlach | Veröffentlicht: 18. März 2022


Sie hatten ihre Weingüter an die russische Familie Pumpyanskiy verkauft, jetzt wollen sie sie wieder zurück. Die bekannten Naturwinzer Jean-François Ganevat vom gleichnamigen Weingut im Jura und Benoit Pontenier von der Prieuré Saint-Jean de Bébian im Languedoc wollen eine Gesellschaft gründen, um die beiden Weingüter zurückzukaufen.

Die beiden Männer einigten sich mit dem von Sanktionen betroffenen Alexander Pumpyansky darauf, ihm die Güter abzukaufen. Das könnte sich aber schwierig gestalten. «Im Moment wissen wir nicht einmal, ob diese Übernahme möglich ist. Es ist noch zu früh, um das zu sagen, da bestimmte Hindernisse überwunden werden müssen, insbesondere rechtliche», erklärte Jean-François Ganevat gegenüber der Zeitschrift «La Revue du Vin de France».

Russischer Eigentümer schlug Deal vor

Ganevat arbeitet auch nach der Übernahme durch den russischen Investor weiter in seinem Weingut. Sollte der Rückkauf zustande kommen, würden aber die Projekte, die Pumpyansky ins Leben gerufen hat, auf Eis gelegt, so der Winzer. Der Investor habe dem Handel nicht nur zugestimmt, sondern ihn vielmehr vorgeschlagen. Es sei vereinbart, dass der Winzer etwa denselben Preis bezahlt, den er ursprünglich erhalten hatte, nämlich rund 48‘000 Euro pro Hektar. 

Die Familie Pumpyanskiy hatte die Domaine Ganevat erst im September 2021 erworben. In den sozialen Medien gab es Aufforderungen zum Boykott der Weine aufgrund des russischen Besitzes der Domaine Ganevat. Einige Händler sollen die Weine bereits aus ihren Regalen genommen haben.

Vermögenswerte auf Holding übertragen

Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine verhängte die EU am 9. März Sanktionen gegen den russischen Oligarchen, den Stahlindustriellen Dimitri Pumpyanskiy, und seinen Sohn, den schweizerisch-russischen Staatsbürger Alexander Pumpyanskiy. Benoit Pontenier sagte dem Fernsehsender France 3, Alexander Pumpyanskiy habe die Vermögenswerte beider Weingüter am 4. März an eine Holdinggesellschaft übertragen – nur fünf Tage vor der Verhängung der Sanktionen.

Pumpyansky sei im Übrigen nicht der einzige, der ihm ein Weingut zum Kauf angeboten habe, berichtete Ganevat. «Wir haben viele andere Übernahmevorschläge, die wir in den kommenden Jahren in Betracht ziehen könnten.» Zunächst wolle er aber sein eigenes Weingut retten.

Weiteres Château in Corbières betroffen

Château de Saint-Louis in Corbières hat ähnliche Probleme. Sein russischer Eigentümer Boris Pakhunov kann den Cashflow nicht mehr liefern. Bisher hatte das Weingut etwa ein Viertel seiner Produktion nach Russland geleifert. Pakhunov ist selbst Winzer aus Stavropol in Südrussland und besitzt zudem rund 40 Weingeschäfte in Russland.

«Da der Eigentümer aber keine Überweisungen mehr auf das Firmenkonto tätigen kann, befinden wir uns bald in der Zwangsverwaltung», erklärte Jean-Luca Parret, der Verwalter des Weingutes. Kredite könne man derzeit keine bekommen, da der Eigentümer Russe sei und den Sanktionen unterliege. Dabei stehe Pakhunov in keiner Weise dem Kreml nah. Die einzige Lösung für das Anwesen sei ein Verkauf vor der Liquidation, denkt Parret.

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