Strukturwandel beim Fine-Wine-Handel

Weisswein und Schaumwein gewinnen deutlich

Ein allgemeiner Weintrend der letzten Jahre ist jetzt auch beim Handel mit Fine Wines zu beobachten: die Vormachtstellung von Rotwein bröckelt. Seit 2010 hat der Handel von Weissweinen auf dem Sekundärmarkt um 650 Prozent zugenommen, der von Schaumwein sogar um 1100 Prozent – das berichtet Live-Ex, Plattform für Handel und Analyse von edlen Weinen auf dem Sekundärmarkt, in einer aktuellen Studie.

Rotwein stagniert zuletzt

Der Markt für Rotweine stagniert derzeit hingegen und liegt heute sogar um 15 Prozent unter dem Niveau von vor 15 Jahren. Das sei ein Zeichen für eine nicht nur vorübergehende, sondern strukturelle Veränderung im Verhalten von Händlern und Investoren, befinden die Analysten von Liv-Ex.

Starker Anstieg von kleiner Basis aus

Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass Weissweine und Schaumweine von einer sehr geringen Basis aus wachsen – in absoluten Zahlen dominieren die Rotwein im Fine-Wine-Handel trotzdem noch immer. 

Pandemie trieb Handel an

Schaumwein machte besonders während der Pandemie-Jahre von 2020 bis 2022 einen grossen Sprung. Der Handel Weisswein und Rotwein wuchs in dieser Zeit auch deutlich, aber weniger sprunghaft. 

Weisse aus Burgund in Führung

Ausschlaggebend für die Entwicklung von Weissen ist vor allem das Burgund, das sich als wichtigste Region für Weissweine im Liv-Ex-Netzwerk etabliert hat. Weisswein aus Bordeaux wiederum hat seit 2010 zweistellig an Boden verloren (-17,6 Prozent).

Trend zum früheren Genuss 

«Im Allgemeinen sind Weissweine früher trinkfertig als Rotweine. Die Verlagerung hin zu Weissweinen könnte ebenso viel mit einer Veränderung der Kaufgewohnheiten zu tun haben wie mit einer Veränderung der Konsumgewohnheiten», erklärt dazu Sophia Gilmour, Marktanalystin bei Liv-Ex. «Während Käufer von edlen Weinen in der Vergangenheit die nötige Geduld und den Platz hatten, um Weine ein Jahrzehnt oder länger zu lagern, wächst heute der Anteil derjenigen, die mit der Absicht kaufen, den Wein früher zu trinken. 

Auch Champagner werde «oft gekauft, um sofort geöffnet zu werden, und dies hat die Nachfrage in einer Phase der Marktabschwächung gestützt, in der Händler weniger bereit oder in der Lage sind, neue Bestände aufzunehmen.»

Handel mit Sammlerstücken und Anlagewerten

Unter «Sekundärmarkt» versteht man den Handel mit Weinen, die bereits einmal verkauft wurden und nun von Sammlern, Händlern oder Anlegern weiterverkauft werden. Das geschieht zumeist über Auktionen, spezialisierte Händler oder Online-Plattformen. Auf diesem Weg werden besonders hochwertige und gesuchte Weine gehandelt, die unter anderem auch als Wertanlage dienen können.

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