Das Dão im Herzen • Club les Domaines

Quinta da Falorca, Portugal

Text: Ursula Geiger, Foto: z.V.g.

Die Region Dão liegt im Zentrum Portugals und gilt als die Wiege der Sorte Touriga Nacional. Sie wird oft gemeinsam mit Tinta Roriz, Rufete, Jaën oder Alfrocheiro gekeltert und verleiht der Cuvée viel saftige Säure und samtenes Tannin.

Die Serra da Estrela bietet einiges an Abenteuern. So kann es zum Beispiel passieren, dass man Anfang Juni in Shorts und T-Shirt auf 1700 Metern Höhe bibbernd auf dem Wanderpfad steht. Der Wind bläst kalt, treibt dunkle Wolken vor sich her, und man wünscht sich einen ebenso dicken Pelz, wie ihn die Schafe tragen, die das Gras von den kargen Wiesen rupfen. Auch hinterm Steuer wird es aufregend, wenn die engen Gassen eines wildromantischen Bergdorfes nicht zu einer Piazza führen, sondern in eine Sackgasse. Leider lässt sich dort der Mietwagen nur in 113 Zügen wenden.

«Ich trage das Dão im Herzen. Das Land und sein Duft sind tief in meine DNA gemeisselt.»

Die Dorfbewohner helfen, den Kleinwagen wieder auf Spur zu bringen, und zeigen selbst dann Verständnis, wenn das wilde Rangieren der Fahrerin Scheibenwaschanlage, Warnblinker und Hupe gleichzeitig auslöst. Sie klopfen ihr tröstend auf die Schulter und empfehlen, künftig vor dem Ortseingang zu parken und keinesfalls dem Navi zu vertrauen. Wenig später werden die Akkus bei einem Glas Encruzado, Maisbrot und Queijo Serra da Estrela wieder geladen. Der Schafskäse ist ein Nationalheiligtum, nur die Milch zweier Schafsrassen ist dafür zugelassen, und anstelle von Lab wird die Milch mit dem Blütenextrakt einer Distelart angedickt. Der junge Käse ist weich und schmelzig. Die dünne Rinde wird aufgeschnitten und der Inhalt ausgelöffelt oder mit dem Messer aufs Brot gestrichen. Die Serra da Estrela ist der höchste Gebirgszug Portugals und schützt die kleine, sehr feine Weinregion Dão vor den kalten Nordost-Winden. «Wir sind das Hochland von Portugal. Im Winter fallen die Temperaturen unter null, im Sommer ist die Region ein Brutofen mit Tagestemperaturen von über 40 Grad Celsius», beschreibt Pedro seine Heimat. Pedro Barros de Figueiredo lenkt gemeinsam mit seinem Vater Carlos die Geschicke der Quinta da Falorca in Silgueiros, einer Kleinstadt in der Nähe von Viseu, der Hauptstadt der Beira Alta.

Rebenpardies im Zentrum Portugals

Die Beiras ziehen sich von der spanischen Grenze bis zum Atlantik und bilden eine Barriere zwischen dem kühleren Norden und dem trockenen Süden. Mittendrin liegt die Weinregion Dão, benannt nach einem Nebenfluss des Mondegos. Seit 1908 gilt Dão als Qualitätsanbaugebiet für trockene Rotweine in Portugal, seit 1990 trägt die Region den DOC-Status. Dão ist umschlossen von Bergketten, die die 14 000 Hektar Reben vor dem feucht-kalten Wetter des Atlantiks und den stark kontinental geprägten Einflüssen der iberischen Halbinsel schützen. Auf den sanften Hügeln stehen ausschliesslich autochthone Sorten wie Touriga Nacional, Tinta Roriz, Alfrocheiro Preto oder die weisse Encruzado, deren Wein so herrlich zum Schafskäse mundet. Nicht immer haben Carlos und Pedro die Trauben des Gutes selbst gekeltert. Das Genossenschaftswesen prägte die Region, und bis vor rund 25 Jahren lieferten die Weinbauern ihre Trauben an die Kooperativen der Region. Pedros Grossvater und Vater sassen einst selbst im Vorstand einer Genossenschaft. Säuberlich notierten sie Hektarerträge und Jahrgangsverläufe in ein Buch, quasi das Gedächtnis der Familie, die heute in fünfter Generation ihre Rebberge bestellt. Pedro erzählt: «Um 1900 wurde unsere Familie von der Reblauskrise getroffen. Es gab keinen Wein. Mein Urgrossvater legte sich eine Art Kerbholz zu. Jedes Mal, wenn er seinen Durst auf ein Glas Wein nicht stillen konnte, ritzte er aus Trauer ein Kreuz in ein Holzbrett. Die entgangenen Gläser Wein wollte er nach Bewältigung der Krise nachholen. Es waren viele Gläser.» Mit den amerikanischen Unterlagsreben konnten die Weinberge wieder aufgestockt werden. Rebenzeugen dieser Zeit stehen heute noch auf Carlos’ und Pedros Land.

Wie in so vielen Familien in dieser beschaulichen und auch etwas strukturschwachen Gegend zog es Sohn Pedro in die Stadt. Er studierte in Lissabon Wirtschaft und machte Karriere als Banker. «Das Dão trägst du im Herzen. Das Land und sein Duft sind in deine DNA gemeisselt. Irgendwann reicht es dir nicht mehr, nur zur Erntezeit in den Rebbergen zu arbeiten», schildert er seine Beweggründe, den Bürojob an den Nagel zu hängen und sich ganz dem Weinbau zu widmen. 1998 zog er mit seiner Familie zurück aufs Land. Das Keller-Equipment war teils schon vorhanden, denn Vater Pedro kelterte und verkaufte Offenwein. Also konnten 1999 schon die ersten 8000 Flaschen abgefüllt werden. Im Jahr 2000 hob die Familie das Label Quinta da Falorca aus der Taufe. Heute ist Pedros Keller top ausgestattet. Zu den traditionellen Lagares aus Granit, in denen Füsse noch immer die Trauben der Spitzencrus treten, sowie den traditionellen Holzfässern sind automatische Lagares dazugekommen, Gärtanks aus Edelstahl und Barriques. Diese wählt Pedro mit Bedacht und achtet besonders auf das Toasting der Fässer. Zu starke Röstaromen würde die feine Frucht seiner Lieblingsrebsorte Touriga Nacional dominieren. Auf den 13 Hektar der Quinta wachsen 30 verschiedene Klone dieser portugiesischen Urrebsorte, die ihren Ursprung in der Region Dão hat. «Für jede noch so kleine Parzelle, die wir neu bepflanzen, verwenden wir für die Pfropfreben das Schnittholz unserer eigenen Reben », erklärt er. Wurzelechte Pflanzungen seien im Dão auf den Granitböden nicht möglich. Die Erinnerung an die Reblauskrise sitzt der Familie noch immer in den Knochen. Tradition hat auf der Quinta einen hohen Stellenwert, auch jene aus den Zeiten, als die Weine in den Kooperativen in Stahltanks ausgebaut wurden.

Dieser Kultur setzt Pedro mit dem «T‑nac» ein Denkmal: Die Touriga-Nacional-Trauben werden entrappt, maischevergoren und im Stahltank ausgebaut. Anschliessend reift der Wein noch drei Jahre auf der Quinta, bevor er in den Verkauf kommt. Hier werde zwar viel Kapital gebunden, doch die Säure und das kräftige Tannin der Sorte bräuchten einfach Zeit, zu einem harmonischen Ganzen zu wachsen, sagt Pedro. Auch ist die Region Dão seit einigen Jahren die Schaumweinhochburg Portugals. 2015 startete Pedro sein Schaumweinprojekt mit einem Rosé aus Touriga Nacional. Seit 2017 setzt er auf Blanc de Noirs. Flaschengärung und neun Monate Hefelager sind vorgeschrieben. Doch Pedro geht einen Schritt weiter: Im Jahr 2022 wird er seine «Extra Reserva lancieren», nach 36 Monate Verweildauer auf der Hefe.

Weine im Clubpaket

Dão DO Touriga Nacional 2012

Dunkle Frucht-Aromatik, Kirsche, Blaubeeren und etwas Pflaume sind unterlegt mit feinster Holzwürze. Eleganter, fast feingliedriger Gaumen mit tragender Säure und samtigen Tanninen.

Mariage: zu Schmorgerichten oder kräftigen Eintöpfen, Gemüsegratins oder reifem Weichkäse.

2020 bis 2031

 

Dão DO Lagar Reserva 2014

Dichtes Rubin mit granatfarbenen Rändern. Komplexe, subtile Nase, rote Beeren, dazu Würznoten, etwas schwarzer Pfeffer und blonder Tabak. Die Frucht prägt den Gaumen, seidiges Tannin und eine lange Säureader enden mit einem einen herrlichen Frischekick.

Mariage: an Festtagen zu Rehrücken oder zu Truthahn, aber auch zu gegrillten Fisch oder Eintöpfen aus Hülsenfrüchten.

2020 bis 2033

 

Dão DO Garrafeira 2015

Dunkles, dichtes Purpur. Süsse Frucht, unterlegt mit fast orientalisch anmutender Würze. Eleganter Gaumen, Noten von kleinen, getrockneten Beeren, ein Hauch von Lakritze. Das kreidig-feine Tannin gibt Struktur und Länge.

Mariage: zu Chili con Carne, Lammkeule oder kräftig gewürzten Schmorgerichten mit Auberginen und Okraschoten.

2020 bis 2035

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