Portugals Burgund

Die Zukunft gehört Dão

Text: André Dominé, Foto: CRV Dão

Wenn man die traditionelle Weinregion im Zentrum Portugals immer wieder mit Burgund vergleicht, dann aufgrund der Frische und Eleganz ihrer Weine. Und deren Potenzial, ausgezeichnet zu altern. Doch Dão hat darüber hinaus eigene Stärken. Die Granitböden. Starke Temperaturunterschiede. Einheimische Rebsorten. In der Heimat der erstklassigen Touriga Nacional wachsen diverse andere Sorten mit markantem Charakter. Aber nicht zuletzt begeistern auch die beeindruckende Natur, bodenständige Küche und liebenswerte Menschen.

Dão, bereits 1908 als Weingebiet anerkannt, ist der Klassiker unter den Rotweinen Portugals. Nicht von ungefähr erscheint er (meist) in Burgunderflaschen. Früher oft etwas kantig, zeigt er sich heute schon in jungen Jahren harmonisch. Mit präziser Frucht, dezenter Würze, feinziselierten Tanninen, anregender Frische und gemässigt im Alkohol. Ob Rot oder Weiss, die DOC Dão bietet Weine mit Stil, Finesse und sublimer Ausgewogenheit, die ausgezeichnet altern. Markante Gegenstücke zu aufgepäppelten Weinen im internationalen Stil. Gewächse, die jeden echten Weinfreund unweigerlich begeistern.

Diese Vorzüge haben die Weine zunächst einmal ihrer Landschaft zu verdanken. Das Anbaugebiet erstreckt sich über eine Ebene auf 400 bis 500 Metern Höhe, die von den Flüssen Dão, Mondego und Alva durchschnitten wird. Rundherum wird sie von den Bergketten Serra da Nave im Norden, Serra do Caramulo im Westen, Serra Buçaco im Süden und der imposanten Serra da Estrela mit dem höchsten Berg Portugals im Osten geschützt. Daraus resultiert ein Klima, das im Winter Kälte und Regen, im Sommer Hitze und Trockenheit, dann aber einen Herbst mit warmen Tagen und kühlen Nächten bringt, in dem die Trauben langsam und ausgezeichnet reifen. Garant für komplexe Aromen, raffinierte Tanninstruktur und reizvolle Frische. An den Berghängen, wo oft die besten Weine entstehen, reichen Rebterrassen bis auf 800 Meter Höhe hinauf. Es überwiegen karge sandige Granitverwitterungsböden mit Fels im Untergrund und im Osten Schiefer, wo man auch wegen der Nähe zum Atlantik gern Weissweine erzeugt, die ein Fünftel der Produktion stellen.

Unter der Diktatur Salazars wurde Dão in den 1940er Jahren zur Hauptweinregion erklärt und den Winzergenossenschaften das Monopol für die Weinproduktion übertragen. «Das Problem der Kooperativen bestand damals darin, dass sie keine professionellen Teams anheuerten, weder im Weinberg, noch im Keller, noch im Marketing», kritisiert Luís Lourenço. «Denn sie hatten damals keine Konkurrenz.» Es dauerte noch bis Ende der 1980er Jahre, bis Winzer wie Lourenço und Álvaro de Castro aus dem System auszuscheren wagten. Ein klares Zeichen setzte das Weinunternehmen Sogrape 1988 mit dem Erwerb eines eigenen Guts und dem Erbau seiner modernen Kellerei. «In Dão gibt es die Zeit vor Quinta dos Carvalhais und die Zeit danach», betont Önologin Beatriz Cabral de Almeida, «denn wir waren die Pioniere in einer Weinbereitung, die auf Qualität ausgerichtet war.»

1990 erhielt Dão, das ganz auf einheimischen Rebsorten fusst, die Anerkennung zur DOC. Ihr folgte eine ausgesprochen dynamische Entwicklung. Von den 37 Weingütern, die an der Dão-Wine-Route teilnehmen, sind nur 7 vor 1989 gegründet worden, wenn auch viele der modernen Erzeuger auf alte Quintas zurückgehen. 13 entstanden bis 1999, die übrigen 17 begannen erst ab 2000 Wein zu vermarkten, davon 12 erst ab 2007. Dabei ist ein starker Trend zur Qualität zu konstatieren. Global Wines, die mit Cabriz die meist exportierte Dão-Marke stellen, stiessen nach der Übernahme der Prestige-Güter Paço dos Cunhas de Santar und Casa de Santar mit konzentrierten Spitzen-Cuvées ins Luxussegment vor. Darum geht es auch Soito. Faszinierender sind aber Winzer, die die eigentlichen Stärken des Dão, seine Frische, Eleganz und Mineralität zum Ausdruck bringen wie Paulo Nunes auf der Casa de Passarella, Dirk Niepoort mit den Naturweinen seiner Quinta da Lomba oder der in Paris geborene António Madeira mit sensationell mineralischen Weinen aus 23 uralten Parzellen in Gemischten Sätzen von Höhenlagen der Serra da Estrela.

 


Global ist out

Völlig anders!

«Jedermann kennt Pinot Noir. Aber wer kennt Alfrocheiro? Die einheimischen portugiesischen Sorten, das sind versteckte Schätze. Die wollen wir den Leuten nahebringen. Sortenrein.»

Pierre Lemos

 


 

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