Knockin' on Heaven's Door

Ewald Zweytick, Ratsch an der Weinstrasse

Text: Nicole Harreisser, Fotos: Mirco Taliercio

Frischfruchtig-steirisch sind die Weissweine von Winzer Ewald Zweytick keinesfalls, auch wenn er in der Südsteiermark zuhause ist. Seine Weine sind zurückhaltend in der Nase, aber überraschend ausdrucksstark am Gaumen. Ganz eigen, ganz Ewald Zweytick.

Die Steiermark liegt im Südosten Österreichs und umfasst eine Rebfläche von 4633 Hektar, die sich auf die drei Weinbaugebiete Weststeiermark, Vulkanland und die Südsteiermark verteilen. Die Südsteiermark gehört mit ihren insgesamt 2563 Hektar Rebfläche zum grössten zusammenhängenden Weinanbaugebiet der Steiermark. Leitsorte der Region ist der Sauvignon Blanc, der vom vielfältigen Sortenspektrum von Welschriesling, Morillon (Chardonnay), Gelbem Muskateller, Weissburgunder und Grauburgunder begleitet wird. Die Bodenformationen sind vielfältig, es gibt Sandböden, Schiefer- und Kalkstein-, aber auch schwere Lehmböden. Ein mediterranes Klima mit warmen Tagen und kühlen Nächten fördert die Entwicklung einer reichhaltigen Aromatik und verleiht den Weinen vielschichtige Nuancen. Das Weinangebot der Region reicht von frischfruchtigen Jungweinen, den sogenannten «Junkerweinen » ohne Herkunftsbezeichnung bis hin zu herkunftstypischen DAC-Weinen. 

Schon immer wurde in der Familie von Ewald Zweytick Wein angebaut, früher als kleiner Teil des landwirtschaftlichen Betriebs der Eltern, den der ältere Bruder Hannes von ihnen übernahm. Ewald Zweytick war damals beruflich in Graz engagiert und half im Familienbetrieb, wenn Not am Mann war. Ganz so, wie es Tradition in der Region ist. Im Jahr 1989 bot sich ihm die Gelegenheit, ein Nachbargrundstück des Betriebs zu erwerben, und er griff zu. Er pflanzte die ersten eigenen Reben und begann neben seiner Tätigkeit in Graz mit den ersten Weinen zu experimentieren. Seinen Bruder zog es dann in die Politik nach Wien, und so kam die Frage auf, ob Ewald den Betrieb übernehmen und weiterführen würde. Der Bitte des Bruders kam er nach, und so kehrte er zurück in den Familienbetrieb nach Ratsch. Er übernahm den gesamten Betrieb und baute ihn weiter aus.

Gradlinig und kompromisslos

Aber eines war ihm schon damals klar: «Ich will meine eigenen Weine machen, nicht dieses Frischfruchtig-Steirische. Ich will grosse Weine machen.» Glücklicherweise konnte er nach und nach weitere eigene Weinberge erwerben und seine Idee der ganz eigenen Weine weiterverfolgen. Seinen eigenen Stil, manch einer bezeichnet ihn dabei auch als Fanatiker, macht die späte Lese aus, denn für ihn müssen die Trauben kerngesund und vollreif sein. So kam sein Chardonnay, Morillon in der Steiermark genannt, auch zu seinem Namen «November Rain». Die Lese zog sich im Jahr 1997 bis in den November hinein. Erst dann war Zweytick mit der Reife zufrieden. Kaum war die Ernte eingebracht, begann es zu regnen. Als grosser Fan der Hardrock-Band Guns n’ Roses benannte er den Wein nach einem der erfolgreichsten Songs der Band: «November Rain». Heute ist die Ernte meist schon bis Mitte Oktober im Keller, aber der einprägsame Name ist geblieben. Auch sein Herzenswein aus Sauvignon Blanc, der in manchen Jahren bis zu 20 Monate in der Barrique reift, ist nach einem Song der Band benannt: «Don’t Cry». Weinen könnte man fast, wenn man eine Flasche dieses genussreichen Weines geöffnet hat und viel zu schnell feststellt, dass sie bereits leer ist.

Zum Chardonnay, der 1997 zum ersten Mal gefüllt wurde, gesellte sich 1999 der Grauburgunder hinzu und 2000 dann der Sauvignon Blanc. Richtig bekannt wurden die Weine und ihr Macher dann im Jahr 2001.

«Dass mein Herz generell für den Sauvignon Blanc schlägt, weiss jeder, der mich kennt.»

Zweytick sieht sich selbst als klassischen Winzer und legt bei allen Arbeitsschritten, sei es im Weingarten, im Keller, aber auch bei Verpackung und Auslieferung selbst Hand an. Er arbeitet im Weinberg pestizid- und herbizidfrei und setzt seinen eigenen Dünger an, aber er führt keinen Biobetrieb. Jedes Jahr und jeder Jahrgang sind eine neue Herausforderung, die es zu meistern gilt. In seinen Weingärten ist er viel unterwegs, gerne auch mal mit dem Motorrad. Bereits im Frühjahr wird die Menge an Trauben beim Schnitt begrenzt. Die Frage nach einem Höchstertrag stellt sich ihm dadurch nicht. Seine Weine sind komplex, charaktervoll und vielschichtig, in der Nase eher still, umso expressiver am Gaumen. Vollreif geerntete Trauben, biologischer Säureabbau (BSA), Spontangärung und der Ausbau in der Barrique sind die handwerklichen Eckpfeiler im Keller. Seine Weine liegen auch schon einmal 20 Monate oder mehr in der Barrique, um vor Ewalds eigenem kompromisslosem Anspruch zu bestehen. «Wenn der Wein mir selbst nicht schmeckt, wird er nicht abgefüllt.» Gradlinig und kompromisslos, da sind seine Weine wie er selbst. Früher kamen Reinzuchthefen zum Einsatz, heute vergärt er alle Weine spontan. Die Weine entwickeln sich anders, sind ruhiger in der Nase, geben mehr ihre Herkunft preis und sind nicht mehr durch den Typ der verwendeten Reinzuchthefe geprägt.

Elf Hektar Reben stehen im Ertrag und verteilen sich auf vier Lagen rund um das Weingut: Ried Stermetzberg, Sulz, Ried Höllriegl am Alten Pfarrweingarten Gamlitz und Witscheiner Herrenberg. Diese Trauben vinifiziert er für seine eigenen Weine. Weitere neun Hektar Weingärten stammen aus den Weingärten des Bruders. Vinifiziert werden alle Trauben von Ewald im gemeinsamen Keller: «Kochen kann nur einer, sonst funktioniert das nicht».

Seit 2018 gehört er der Südsteiermark DAC an. Für ihn ist es im Hinblick auf die nächste Generation wichtig, die Herkunft zu belegen. Ihm persönlich ist die Bezeichnung an sich nicht so wichtig, es ging und geht ihm immer um den Wein. Der grösste Anteil der Rebfläche gehört dem Sauvignon Blanc, seiner absoluten Herzenssorte. Beim Sauvignon Blanc liegt ihm ganz besonders die Reife der Trauben am Herzen. Sein Topwein aus Sauvignon Blanc, «Heaven’s Door», ist ein besonders voller, dichter und langlebiger Wein. Für ihn selbst haben seine Weine mit vier bis sieben Jahren eine sehr gute Trinkreife. Seine Barriqueweine sind aber auch noch viele weitere Jahre ein absoluter Genuss und lassen auch im gereiften Stadium keinesfalls ihren Charme, Charakter und den ihnen eigenen Trinkfluss missen. Zweytick vergleicht seine Weine in Sachen Reife gern mit einem Riesling, der von Beginn seiner Jugend bis ins hohe Alter seinen Charakter zeigt.

Auch wenn seine Weine zur absoluten Spitze der Steiermark gehören, wird er nicht müde, Neues zu wagen. Sein neuestes Projekt ist ein Rosé aus Blauem Zweigelt mit Barriqueausbau.

Weine im Clubpaket

Südsteiermark DAC Sauvignon Blanc 2019

2021 bis 2026

Goldgelb leuchtend. Feinwürzig mit konzentriertem Aromenspiel reifer Frucht, etwas Honig und Garriguekräuter. Am Gaumen grosse Fruchtintensität und straffer Körper, animierend, macht Lust auf ein weiteres Glas. Lang.

Mariage: wunderbar als Apéro auf dem Balkon oder der Terrasse oder zu einem Meeresfisch vom Grill.

 

Südsteiermark DAC Gelber Muskateller Ried Höllriegl 2019

2021 bis 2026

Leuchtendes Gelb. In der Nase intensive, fein verwobene Muskataromatik, auch Kräuternoten. Saftige, gehaltvolle Frucht am Gaumen. Sehr balanciert und strukturiert.

Mariage: zu Curry-Gerichten mit mittlerer Schärfe oder zu kräftigen, geräucherten Schinken und rezentem Käse.

 

Sauvignon Blanc Don't Cry 2018

2021 bis 2030

Goldgelb mit feinwürzigen Holznoten, konzentriertes Aromenspiel. Sehr ausgewogen, doch straff und stringent. Schmelz. Charakter- und gehaltvoll, ohne zu ermüden, macht viel Lust auf mehr. Nahezu unendlich lang.

Mariage: hervorragender Begleiter zu Sashimi, der auch dem Wasabi Paroli bietet. Auch Wildgerichte sind spannende Partner.

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