Unique wineries of the World - Deutschland

Gut Hermannsberg

Text: Rudolf Knoll, Fotos: freevectormaps.com / z.V.g., SIXDESIGNS

Die einstige Staats-domäne startete durch

So schön kann das Leben sein. Nach einem feinen Abendmahl gut geschlafen in einem ruhig gelegenen Gutshof mitten in den Reben, ein liebevoll zubereitetes Frühstück, dann Platz nehmen auf einer grossen Terrasse, auf einem Tisch ein Kübel mit Eis und einer Flasche Wein, der aus der steilen Lage kommt, die direkt im Blickfeld liegt: die Kupfergrube. Du nimmst einen Schluck vom Jahrgang 2015, der erst vor kurzem in den Verkauf gekommen ist, eine vernünftige Anleihe bei der Tradition, grossen Weinen Reifezeit zu gönnen. Und mit Sicht auf einen Teil der Kupfergrube kommt eine Ahnung auf, was hier vielleicht in ein paar Jahren ins Glas kommt. Denn der Weinmacher von Gut Hermannsberg, Karsten Peter, hat im Umfeld eines mächtigen Felsens in der Kupfergrube (im Volksmund «Mördergrube» genannt) einen besonderen Versuch gestartet. Einige tausend Reben stehen hier eng beisammen, umgerechnet 12 000 Stöcke auf einem Hektar. Kann sein, dass hier ein Riesling-Konzentrat entsteht, das sogar die bisherigen Grossen Gewächse aus sieben hoch eingestuften Einzellagen des Weingutes übertrifft.

«Alle unsere sieben Lagen haben ein erstklassiges Potenzial, das wir zu wecken wissen.»

Karsten Peter, Önologe

Wir befinden uns hier auf geschichtsträchtigem Boden. Unter staatlicher Regie wurde ab 1902 mit dem Aufbau eines Musterbetriebes begonnen, der «Königlich Preussischen Weinbaudomäne» zwischen Niederhausen und Schloss Böckelheim an der Nahe. Bewegt wurden damals in einem zerklüfteten Gelände über 300 000 Kubikmeter Erde. Der spätere Staatsbetrieb überstand zwei Weltkriege und den Nationalsozialismus. In den 90er Jahren verlor das Land Rheinland-Pfalz die Lust am offenbar defizitären Weinbau. Eine Familie Maurer übernahm 1998, investierte, stellte neue Leute ein, kam aber trotzdem nicht so recht voran.

Gut zehn Jahre später fanden sich neue Eigentümer, die den Willen hatten, das Potenzial erstklassiger Lagen richtig zu wecken: Jens Reidel, ein erfolgreicher Finanzinvestor (Jahrgang 1951), und seine Gattin Dr. Christine Dinse übernahmen das Gut 2009 gleich mit einem Glücksgriff. Zwei Wochen vor der Ernte wurde dem damals als hochtalentiert angesehenen Karsten Peter, der vorher bei seinem Schwager und Topwinzer Tim Fröhlich tätig war, die Verantwortung im Keller übertragen. Der gebürtige Pfälzer fand schnell den Durchblick bei den Eigenheiten der Hang- und Steillagen und deren Besonderheiten. «Riesling mit Ausrufezeichen» vermeldete der «Gault Millau» zum Jahrgang 2009, beschrieb die Weine als «kraft- und gehaltvoll» und machte das nun als Gut Hermannsberg bezeichnete Haus zum Aufsteiger.

Seitdem bekommt der 44-Jährige im VINUM-Weinguide Jahr für Jahr Bestnoten. Und er hat es geschafft, dem VDP deutlich zu machen, dass nicht nur die Kupfergrube und die Monopollagen Hermannsberg eines Grossen Gewächses würdig sind, sondern weitere vier Fluren im Hermannsberg-Besitz. Aus denen wird inzwischen auch eine neue Spezialität gewonnen: Sekt vom Feinsten, betont herb (Extra Brut), der erst nach langem Hefelager (mindestens zwei oder drei Jahre) in den Verkauf kommt.

Drei Spitzenweine

2019 Riesling trocken 7 Terroirs Gutswein

Sie heissen Kupfergrube, Bastei, Hermannsberg, Felsenberg, Steinberg, Rotenberg und Rossel. Aus diesen sieben Spitzenlagen entsteht ein mineralischer, vielschichtiger Wein mit feinem Säurespiel und einem förmlich anspringenden Aroma von der Spontangärung.

2015 Riesling Kupfergrube Grosses Gewächs Réserve

Der goldfarbene Wein wurde bis vor kurzem zurückgehalten und durfte lang reifen. Es entwickelte sich ein animierendes Aroma mit Mango und Aprikose. Im Geschmack betreibt er ein zärtliches Spiel mit der Zunge, ist feinmaschig, geschmeidig und rassig.

2014 Kupfergrube Extra Brut Versteigerungssekt

Fünf Jahre lang reifte der Riesling-Sekt auf der Hefe und entwickelte hier faszinierende Feinheiten. Im Aroma intensive, klare Würze; viel Rasse, Frische und jugendliche Art, sehr temperamentvoll. Jahrgang 2013 belegte 2019 beim VINUM-Sekt-Award Platz 1 beim reifen Riesling-Sekt.

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