Unique wineries of the World - Deutschland

Schloss Johannisberg

Text: Rudolf Knoll, Fotos: freevectormaps.com / z.V.g.

Seit 300 Jahren macht Riesling hier Geschichte

Keiner hat die Wertigkeit einer Weinlage schöner in Worte gefasst als der Dichter Heinrich Heine (1797 bis 1856): «Wenn ich Berge versetzen könnte, der Johannisberg wäre just derjenige Berg, den ich mir überall nachkommen liesse.» Diese Flur auf exakt dem 50. Breitengrad im Rheingau hatte schon im 19. Jahrhundert Weltruf, obwohl sie vorher aus zeitgeschichtlichen Gründen oft den Besitzer wechseln musste (und dies auch später noch tat). Begonnen hatte alles im Jahr 817, als Ludwig der Fromme, Sohn des Weinbauförderers Karl der Grosse, auf dem Hang am Rhein Weinberge beurkundete und den ersten Ertrag mit sechs Fuder (6000 Liter) angab. Später gründeten die Benediktiner ein Kloster auf dem damaligen Bischofsberg. 1130 kam eine Basilika hinzu, die St. Johannes dem Täufer geweiht wurde. Dadurch erhielten die Areale den Namen Johannisberg.

«1200 Jahre Historie sind für uns Inspiration und Ansporn zugleich, bedeutenden Riesling zu erzeugen.»

Stefan Doktor

Ein Markstein in der langen Geschichte war ein Besitzerwechsel anno 1716, als die Fürstabtei in Fulda das damals vernachlässigte Weingut übernahm und man den Beschluss fasste, in den Weinbergen ausschliesslich auf den als besonders wertvoll angesehenen Riesling zu setzen. 1720 war der erste geschlossene Riesling-Weinberg der Welt vollendet (die geplanten Feierlichkeiten zum 300-Jährigen werden vielleicht im Jahr 2021 stattfinden). Ein weiterer Markstein war der Jahrgang 1748. Eine Flasche – flankiert von 25 000 weiteren Altweinen – liegt noch in der «Bibliotheca Subterranea», der legendären Schatzkammer des Weingutes. Dann 1775, als erstmals mit viel Verspätung edelfaule Trauben geerntet wurden. Dieses Ereignis ging als «Spätlese» in die Geschichte ein, obwohl das Ergebnis eher einem hochkarätigen edelsüssen Wein entsprach.

Nach der Säkularisation 1802 wechselte das Weingut seine Eigentümer fast im Monatsrhythmus. Sogar Kaiser Napoleon hatte kurzzeitig die Finger drauf, ebenso ein weiterer Kaiser, Franz I. von Österreich. Der machte Fürst Clemens Wenzeslaus I. von Metternich-Winneburg in Anerkennung seiner Verdienste um den europäischen Frieden 1816 zum neuen Besitzer. Die Lieferung von Grundwein schon ab 1877 an die junge Sektkellerei Söhnlein für den prickelnden «Fürst von Metternich» sollte später durch den Konzentrationsprozess in der Branche dazu führen, dass der Oetker-Konzern 1980 Schloss Johannisberg übernahm. Wechselhafte Jahre folgten. Aber inzwischen schöpft das Weingut Schloss Johannisberg das Potenzial seiner Hanglage sehr gut aus. Das Zweit-Weingut Mumm wurde zurückgefahren (überwiegend auf Sektgrundwein). Und eine neue Führungsspitze mit dem 2008 als Geschäftsführer bei Johannisberg gestarteten gelernten Sommelier Stefan Doktor (47, gebürtig aus der Slowakei, Ex-Profi-Rodler) und dem in Weinsberg zum Top-Önologen gewordenen Marcel Szopa, 38, sowie Kellermeister Gerd Ritter und Michel Städter (Aussenbetrieb) hat mit viel Tempo nicht nur einen Kurs-, sondern auch einen sanften Stilwandel vollzogen. Der verdient schon in der Basis mit dem zupackenden trockenen Bronzelack viel Beifall.

Drei Spitzenweine

2019 Riesling Silberlack Grosses Gewächs

Farben stehen für die verschiedenen Qualitäten im Haus, von Gelblack bis Violettlack. Der Silberlack ist elegant, spannungsgeladen, fein gewoben und tiefgründig. Über ihm thront noch der neue Goldlack, ein lang gereifter «Über-Drüber»-Riesling aus 2017 – Adel im Glas.

2019 Riesling Grünlack Spätlese

Der Wein zur 1775-Legende ist nach wie vor ein weltweit gefragtes Aushängeschild des Hauses. Zarte Pfirsich- und Zitrusnoten im Aroma, vielschichtig, feingliedrig, mit ausgewogenem Frucht- und Säurespiel. Edel, vornehm, derzeit noch zu jung, sehr langlebig.

2007 Riesling Rosalack Auslese

Edelsüsse Weine hatten auf Schloss Johannisberg immer viel Bedeutung. Die vor 13 Jahren geerntete Auslese ist noch im Verkauf. Aprikose, Mango und Apfel verführen die Nase, auf der Zunge folgt konzentrierte, ausgewogene Frucht. Ein raffinierter, zeitloser Riesling.

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