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Weingut Librandi

Text: Christian Eder, Fotos: Free Vector Maps.com

Im Herzen mediterran

Sanft wiegen sich die Weinblätter im Wind, dahinter schimmert das Ionische Meer: Rebberge reichen in Cirò Marina in Kalabrien bis an den Meeresstrand. Die rote Gaglioppo ist die ureigenste Traube dieses traditionsreichen Weinanbaugebietes. Aus dieser gerbstoffreichen, säurearmen Traube wird seit Jahrzehnten der frisch-fruchtige Cirò Rosso gewonnen, benannt nach der Stadt seiner Geburt und lange Zeit der einzige Wein, der über die Grenzen Kalabriens hinaus bekannt wurde. Ein Pionier des Weinbaus in Kalabrien ist die Kellerei Librandi in Cirò Marina: 1953, als Antonio Librandi in den Betrieb eintrat, wurde bereits mit der Flaschenabfüllung begonnen, 1974 folgte ihm sein 13 Jahre jüngerer Bruder Nicodemo nach. Antonio kümmerte sich um die Administration, Nicodemo – damals noch im Hauptberuf Mathematikprofessor – um Weinbau und Verkauf. Librandi war bald einer der ersten Betriebe, der mit dem Gravello – einer Cuvée aus Gaglioppo und Cabernet Sauvignon – einen Super-Kalabreser schuf. Und rechtzeitig erkannten die Gebrüder Librandi später auch, dass die Stärke Kalabriens in seinem grossen Erbe an eigenständigen Rebsorten besteht, die in keinem anderen Teil Italiens zu finden sind. Gaglioppo ist nur eine davon: Mit dem Duca Sanfelice produziert die Kellerei einen eleganten, langlebigen Cirò Riserva aus dieser Traube.

«Das Potenzial unserer 
autochthonen Rebsorten lernt man langsam abzuschätzen.»

Nicodemo Librandi

«Das Potenzial unserer autochthonen Rebsorten lernt man erst schön langsam abzuschätzen», meint auch Nicodemo Librandi, der seit dem frühen Tod seines Bruders Antonio das Gut gemeinsam mit der nächsten Generation Raffaele, Paolo, Teresa und Francesco Librandi führt. Das ambitionierteste Projekt der Kellerei ist aber das Weingut Rosaneti im Val di Neto im Südwesten Cirò Marinas. Vor bald 20 Jahren wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Mailand ein Forschungsprojekt gestartet, um die ganze Rebvielfalt Kalabriens wiederzuentdecken, eine Geschichte, die bis in die Zeiten Magna Grecias zurückreicht.

Die in ganz Kalabrien in alten Rebbergen gefundenen Sorten wurden auf Rosaneti ausgepflanzt: Von den rund 200 verschiedenen Rebsorten sind 77 einzigartig und existieren nicht ausserhalb Kalabriens, wie DNA-Untersuchungen beweisen. Aber auch Verblüffendes kam zutage: zum Beispiel, dass die Sangiovese-Traube in Kalabrien eine nahe Verwandte namens Calabrese di Montenuovo besitzt, die gemeinsam mit Ciliegiolo zu den Ahnen der heutigen Sangiovese zählt. Rosaneti ist inzwischen längst aus dem Experimentierstadium heraus: Von den insgesamt 232 Hektar Rebbergen, die Librandi besitzt, sind 155 auf Rosaneti zu finden. Von hier kommen zum Beispiel der rote Magno Megonio, ein reinsortiger Magliocco, und der weisse Efeso, ein Mantonico in purezza, beides eigenständige kalabresische Rebsorten mit grossem Potenzial. Doch Rosaneti ist nur eine der sechs Tenute Librandis: Auch aus Critone, Ponta Duca Sanfelice, Pitaffo, San Biase und Brisi kommt die Basis einzigartiger Weine mit dem Goût de Terroir einer einzigartigen Region: Kalabrien. 

Unsere Spitzenweine


Val di Neto IGT Bianco Critone 2017

Die Trauben stammen von den Weingütern Critone in Strongoli und Rosaneti in Rocca di Neto/Casabona. Der Blend aus viel Chardonnay und etwas Sauvignon stammt von lehmig-kalkhaltigen Böden, der Wein wird nur in Stahl vinifiziert und ausgebaut. Gefällt mit seiner frischen Fruchtigkeit, den feinen Zitrusnoten und der Mineralität; am Gaumen kompakt, vife Säure, endet elegant und lang. 


 


Cirò Rosso Classico Superiore Riserva DOC Duca Sanfelice 2014

Reinsortiger Gaglioppo von Rebbergen in Cirò und Cirò Marina. Die Trauben werden am Alberello (Buschbäumchen) auf lehmig-kalkhaltigen Böden gezogen und Anfang Oktober gelesen. Der Wein reift drei Jahre in Stahl, bevor er auf den Markt kommt: duftet nach kleinen roten Früchten und Blüten, am Gaumen kompakt mit belebender Säure, elegant-ausgewogenes Finale. 


 


Val di Neto Rosso IGT Gravello 2015

Von Rebbergen in Strongoli und Rocca di Neto stammen die Trauben (Gaglioppo 60 Prozent, Cabernet Sauvignon 40 Prozent) für diesen Wein. Der Gravello mazeriert in Holz und bleibt anschliessend noch zwölf Monate in der Barrique, um sich abzurunden. Dunkelbeerig-würziges Bouquet, auch Rauch und Tabaknoten; am Gaumen kraftvoll und doch mit schöner Eleganz, Aromen von Cassis und mediterraner Macchia dominieren den Abgang.