Wettbewerb Blaufränkisch / Lemberger / Kékfrankos

Vaihinger Löwe international

Text: Rudi Knoll, Fotos: gettyimages / igorr1, www.mp-fotografie.at / Maria Pirchner, z.V.g., oreste.com, www.grossaufnahmen.de, LVWO Weinsberg

Eine früher oft in ihren traditionellen Herkunftsländern (vor allem Deutschland und Österreich) unterschätzte Rebsorte hat eine neue Plattform, auf der sie sich international präsentieren und ihre Qualität demonstrieren kann. Vorhang auf für den ersten Wettbewerb Lemberger / Blaufränkisch / Kékfrankos, der im Frühjahr im Burgenland und in Württemberg über die Bühne ging.

Gut gebrüllt, Vaihinger Weinlöwe! Ein Verein, der sich mehr als 20 Jahre einem eher regional strukturierten Wettbewerb mit Lemberger in verschiedenen Geschmacksrichtungen widmete, entschloss sich vor einigen Monaten mit Unterstützung von VINUM zur internationalen Ausschreibung und fand gleich Zuspruch im Burgenland, wo durch die Kooperation mit Wein Burgenland in Donnerskirchen über 140 Weine aus Austria und Ungarn (19 Weine) aufgeboten wurden. Blaufränkisch-Erzeuger in anderen Ländern (USA, Slowenien, Slowakei, Rumänien und Tschechien) konnten nicht mehr erreicht werden. Aber dafür wurden aus deutschen Landen, bevorzugt Württemberg, etwa 190 Lemberger rekrutiert, in zwei «Gewichtsklassen» gegliedert (leichtere Weine bis maximal 12,5 % Vol. Alkohol, kräftigere Weine mit mehr «Volt»).

Trotz der zahlenmässig leichten Übermacht aus Deutschland, hatten nach zwei Vorrunden im Burgenland und in Vaihingen/Enz und einem gemeinsamen Finale wieder in Vaihingen die Österreicher die Nase vorn. Bei den kräftigen Weinen siegte das Weingut K + K Kirnbauer aus Deutschkreutz im Mittelburgenland, bei den leichteren Weinen sprang das Weingut Lentsch aus Podersdorf (Neusiedlersee) auf das Siegerpodest. Aber immerhin landete unter den jeweils besten Drei ein deutsches Duo, einige weitere Erzeuger sind unter den Top ten zu finden.

Dass die Österreicher (oder Burgenländer) in der Spitze absahnten, lag einmal daran, dass in Austria noch ein deutlicher Vorsprung bei der Rebfläche besteht (etwa 3000 gegenüber 1900 Hektar) und hier die Erfahrung mit der Sorte und der Ehrgeiz, mit ihr bedeutende Weine zu erzeugen, ausgeprägter ist. Hinzu kam, dass einige deutsche Lemberger- Spezialisten keinen Dienst am Vaterland leisteten und nicht anstellten, während etliche der namhaften Austria-Toperzeuger ins Rennen gingen. Die Unterschiede bei den Bewertungen waren indes nicht gewaltig, manchmal entschieden nur einige Hundertstel im 20-Punkte System über die Reihung und den Einzug ins Stechen, wo dann die Karten nochmal neu gemischt wurden. Weil alles so eng zuging, haben wir auf die übliche Noten Bewertung verzichtet und nennen auf den folgenden Seiten nur die Platzierungen.

Dass die Ungarn, die auf rund 8000 Hektar Kékfrankos anbauen, keine Rolle in der Spitze spielten, mag daran liegen, dass die Wertigkeit der Sorte vielfach nicht richtig erkannt ist und ihr Potenzial noch nicht auf breiter Front ausgereizt wird. Aber was nicht ist … Und vielleicht sorgen nächstes Jahr die Amerikaner (die Interesse signalisierten) für Überraschungen.

Die bei der Lage anspruchsvolle Sorte kann eine grosse Bandbreite von Wein liefern. Gesucht wurden nicht Tropfen für den Alltag und für Schoppentrinker, sondern anspruchsvolle, komplexe Weine mit typisch feinem Beerenduft, zarter Säure und Lagerpotenzial. Viele der Weine liessen durchschimmern, dass sie im Holz gereift, aber nicht überholzt waren. Die Handschrift der Winzer war klar und gut, die Ergebnisse legen Zeugnis davon ab, dass die Sorte, egal wie sie genannt wird, ein exzellentes Potenzial hat.

Sieger Klassisch

Comeback des Juniors

Vom mitten in den Reben gelegenen, stattlichen Weingut der Familie Kirnbauer etwas ausserhalb von Deutschkreutz hat man einen herrlichen Ausblick in eine sanft hügelige Reben-Landschaft. Wir sind mitten im Blaufränkischland. Und die Kirnbauers gehören hier seit etlichen Jahren zur absoluten Prominenz. Weinbau betreibt die Familie seit über 350 Jahren, aber erst unter Senior Walter Kirnbauer, 64, begann ab 1979 der Aufstieg. Und der kann getrost weiter gehen. Denn vor zehn Jahren, als Walter das Amt des regionalen Weinbaupräsidenten angeboten wurde, gelang es ihm, seinen in die Wirtschaft abgewanderten Sohn Markus, 44, zurückzuholen. Der schmunzelt im Rückblick: «Ich habe ein sehr gutes Einkommen und viel Stress aufgegeben, aber viel Verantwortung und ein neues Leben vor allem in der Natur gewonnen.»

Die Weinbauschule Klosterneuburg hatte er schon vorher absolviert und brauchte keine Einlernphase. Er drehte im Keller (über 1000 Barriques) und im Weinberg an einigen Stellschrauben, konnte die Fläche von knapp 30 auf 45 Hektar erweitern und hat inzwischen das Nachhaltigkeitszertifikat. Penible Arbeit draussen und drinnen sorgt für Klasseweine. Das sind neben Blaufränkisch vor allem die begehrten roten Cuvées «Phantom» und «Forever». In Arbeit ist ein Hotel-Restaurant in einem historischen Gebäude im Ort, Fertigstellung im Sommer 2020.

Sieger Leicht

Wie es die Natur gibt

Vor rund 20 Jahren war Senior Franz Lentsch aus dem 2200-Einwohner-Ort Podersdorf am Neusiedlersee mit zwei Edelsüssen beim damaligen Süsswein-Cup von VINUM erfolgreich. Es folgten eine Reihe von Prämierungen bei diversen Disziplinen, ausgewiesen durch Hinweise am Eingang des Betriebes. Jetzt trat Junior Markus (Jahrgang 1994) auf diesem Feld quasi die Nachfolge des Vaters an, mit einer Sorte, die auf drei von 20 Hektar angebaut wird. Der junge, ambitionierte Winzer, der schon im Kindesalter im Weinberg zupackte, schloss 2014 seine Ausbildung in Klosterneuburg ab und bildete sich durch ein Praktikum in Südafrika fort. Seine Devise: «Ich nehme es, wie es die Natur hergibt.» Im Keller trägt gekonnter Holzeinsatz zur Struktur der Weine bei.

Von den Kunden (über die Hälfte ab Hof-Verkauf, darunter viele See-Touristen) nimmt er weniger. Die Preise für die recht umfangreiche Classic-Linie sind mit sechs bis knapp über sieben Euro ausgesprochen günstig. Aber man bekommt dafür tadellose, «trinkige» Weine. Wer auch preislich höher hinaus will, wird mit den Reserve- und Premium-Qualitäten gut bedient. Hier finden sich zum Beispiel auch ein gehaltvoller Chardonnay, genannt «Markus», ein saftiger Zweigelt Reserve und eine rassige Trockenbeerenauslese 2015 vom Sämling (Scheurebe).

www.weingut-lentsch.com

2. Platz Klassisch

Weingut Gager, Deutschkreutz

1984 begann der heutige Senior Josef Gager mit 800 Flaschen Blaufränkisch in den Ab-Hof-Verkauf. Seine 1988 erstmals erzeugten Cuvée «Quattro» war für ihn ein Urknall. Er entwickelte sich konsequent weiter, längst schon mit Unterstützung von Junior Horst. Gemeinsam bewirtschaften sie 38 Hektar, ausschliesslich mit roten Sorten bestockt. Das quadratische Etikett wurde zum Markenzeichen und symbolisiert gewissermassen die Zielsetzung der Gagers: Beim Wein die Quadratur des Kreises zu schaffen. Wer es vor Ort in Deutschkreutz überprüfen will: Es gibt fünf Gästezimmer im Weingut.

www.weingut-gager.at

3. Platz Klassisch

Weingut Drautz-Able, Heilbronn

Seit 1496 wird in der Familie Drautz Weinbau betrieben. Der Name Able gesellte sich 1960 durch Heirat hinzu. Seniorchefin Monika Drautz ist glücklich über das Engagement ihres Sohnes Markus (Jahrgang 1980), der in Geisenheim Weinbau studierte und mit Salwey und Wirsching Top-Ausbilder hatte. Seine Gattin Stephanie de Longueville (Wurzeln im Bordelais) gibt gute Ratschläge, die u.a. zu einigen Erfolgen beim Deutschen Rotweinpreis führten. Auf 16 Hektar erzeugt der regionale VDP-Vorsitzende serienweise erstklassige Weiss- und Rotweine sowie delikaten Sekt.

www.drautz-able.de

2. Platz Leicht

Staatsweingut Weinsberg

Vor einem Jahr feierte das Staatsweingut das 150-jährige Jubiläum. Die Institution ist nicht nur seit langer Zeit eine wichtige Ausbildungsstätte für Winzer aus Deutschland und Ländern wie Südafrika und Moldawien, sondern auch ein exzellentes Weingut mit Vorbildfunktion. Aktuell verantwortlich dafür sind seit Anfang 2017 der Önologe Dr. Dieter Blankenhorn als Direktor und der junge Geisenheim-Absolvent Florian Solymari, der im Keller die Prinzipien seines Chefs («Wir wollen Tradition, Erfahrung, Innovation und Kreativität vereinen») gekonnt umsetzt.

www.staatsweingut-weinsberg.de

3. Platz Leicht

Er hat das Motto «Mehr als Wein». Leo Hillinger ist auch im TV zu sehen ist, hält Vorträge in Sachen Management, betreibt Weinshops und Bars, ist als Extremsportler unterwegs und hat ein gutes Händchen für geschicktes Marketing. Mit all dem spaltet er etwas die Weinszene, weil er auch Discounter in grösserem Umfang beliefert. Aber Leo und sein Team verstehen sich ebenso darauf, ausgezeichnete Weine zu erzeugen, die überzeugen und Trinkfluss haben. Was ihn besonders freut: Der Staat Österreich verlieh ihm für seine Verdienste auf dem Feld Wirtschaft den Titel «Kommerzialrat».

www.leo-hillinger.com

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