Nachhaltiger Weinbau in Portugal

Rebbau in einem intakten Ökosystem

In Portugal wird Weinbau traditionell im Rahmen eines natürlich gewachsenen Ökosystems betrieben. Monokulturen sind hier Ausnahmen. Selbst am Douro-Fluss, wo die spektakulären Terrassen-Rebgärten das Tal dominieren, wechseln sich die Rebzeilen mit Oliven- und Mandelbäumen sowie einer reichhaltigen Buschvegetation ab. Diese Ausgleichsflächen in und um die Rebberg werden heute von Winzern in ganz Portugal wieder gezielt aufgewertet. Denn eine reichhaltige Vegetation mit schattenspenden Bäumen, Sträuchern und Pflanzen bewahrt den Boden vor dem Austrocknen und ist so ein effizientes Mittel um die negativen Auswirkungen der Klimaerwärmung zu begrenzen.

Auch im Alentejo ergänzen die Weinberge seit jeher die sogenannte «Montado». Der Begriff beschreibt die beweideten Eichenhaine, in denen die schwarzfüssigen «Porco Preto»-Schweinchen leben und sich von jenen Eicheln ernähren, die danach den hochwertig aromatischen «Presunto» (luftgetrockneter Schinken) ergeben. Gleichzeitig produzieren die Eichenbäume auch den ökologisch wertvollen, weil natürlich nachwachsenden Kork. Alle neun Jahre werden die Bäume geschält. Pro Hektar können so rund 150 Kilo Kork geerntet werden. Organisationen wie der WWF gehen davon aus, dass heute im westlichen Mittelmeerraum mindestens 100‘000 Menschen von der Korkgewinnung leben. Portugal ist denn auch der weltweit wichtigste Hersteller von Naturkork-Weinflaschen-Verschlüssen.

In ganz Portugal kehren heute stolze Landgüter, Herdades genannt, mit modernen Konzepten zur altbewährten Mischwirtschaft zurück. Sie produzieren nebst prestigeträchtigen Spitzenweinen auch Olivenöl, Honig, Käse, Gemüse, sowie Kräuter für Tees und Würzmischungen. Damit fördern sie die Entwicklung ihrer Weingüter hin einem ganzheitlichen Ökosystem mit vielfältiger Flora und Fauna. Einige dieser Herdades bieten inzwischen ihre Spezialitäten aus eigenem Anbau in ihren gutseigenen Restaurants und Hotels an, und erweitern damit ihr Betriebskonzept hin zu einem ganzheitlichen Öko-Weintourismus, dem Fachleute eine wachsende Nachfrage zuschreiben.

Nachhaltiges Wasser-Management

In ganz Portugal hat heute der sorgsame Umgang mit Wasser höchste Priorität. Kein Wunder erleben alteingesessene Sorten wie Antão Vaz, Roupeiro (beide weiss), oder rote Gewächse wie Alicante Bouschet und Trincadeira, die sich gut an ihre niederschlagsarmen, trockenen Terroirs angepasst haben, eine Renaissance. Mit alten Stöcken dieser Sorten ist in Lagen, deren Böden über gute Wasserspeicherkapazitäten verfügen, selbst im heissen Süden des Landes das sogenannte «dry farming» möglich, das heisst die Weinberge funktionieren

ohne künstliche Tropf-Bewässerung.  Gleichzeitig sind diese Sorten auch Garanten für eigenständige, charaktervolle Spitzenweine. Eine wachsende Zahl von innovativen Weingütern erprobt zudem neue Konzepte zur Wasser-Retention. Diese beruhen darauf, dass das frei abfliessende Regenwasser im Winterhalbjahr in künstlich angelegten Seen und Teichen gefasst wird. Dieses Wasser kann dann im Sommer für die Bewässerung genutzt werden. Gleichzeitig entsteht am Rande der betreffenden Gewässer allmählich eine reichhaltige Vegetation, die den Boden vor dem Austrocknen bewahrt. Dank der Wasserretention ist auch in den halbsteppenartigen Regionen des Alentejo ein Weinbau mit einem weitgehendst geschlossenen Wasserkreislauf möglich, das heisst ohne dass eh die schon knappen Grundwasser-Reserven angezapft werden müssen. Die geringen Niederschläge während der Reifezeit der Trauben haben übrigens auch einen positiven Effekt. Sie verringern die Gefahr von Fäulnis und Pilzkrankheiten. Immer mehr Weingüter bekennen sich denn in ganz Portugal zu einem naturnah nachhaltigen Anbau. Ein Beweis dafür ist die stetig wachsende Zahl von Produzenten, die ihre Trauben kontrolliert biologisch anbauen.

Weiterführende Infos: www.winesofportugal.pt