Nährwert gefordert

Kalorienangabe auf Etiketten – Verbraucher machen Druck

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 23. Januar 2019


DEUTSCHLAND (Berlin) – „Wer es nicht bis zum Bierbauch kommen lassen will, sollte wissen, dass ein durchschnittlicher Liter Bier fast so viele Kalorien hat wie eine Tafel Schokolade", konstatiert Susanne Melior, Mitglied des Europäischen Parlaments und Mitglied der SPD, die eine Kennzeichnung von Kalorien auf den Etiketten von Alkoholika befürwortet. Kontra gibt ihr die österreichische Christdemokratin und ÖVP-Politikerin Elisabeth  Köstinger, die vor Aktivismus warnt: "Auf keinen Fall darf es zu einer Dämonisierung unserer jahrtausendealten Kultur der Wein- und Bierproduktion kommen. Winzer und Bierbrauer erhalten und entwickeln Kultur und Tradition."

Und was sagt die Volksseele? "Sieben Bier sind eine Mahlzeit". Diesen Spruch können Verbraucher bald selbst überprüfen. Denn Deutschlands Brauereien werden künftig den Kaloriengehalt auf dem Flaschenetikett ihrer Biere angeben. Im Laufe dieses Jahres werde die Kennzeichnung schrittweise eingeführt, kündigten der Deutsche Brauer-Bund und der Verein Private Brauereien Deutschland jüngst an.

Umfrage unterstützt freiwillige Aktion

Die Brauereien starten die Kalorienkennzeichnung freiwillig; sie empfehlen ihren Mitgliedsfirmen, die Initiative umzusetzen. Die Branche kommt damit einem Appell der Europäischen Union nach - und den Wünschen von Verbrauchern. 

In einer Umfrage im Auftrag des Brauer-Bundes unter 2052 Teilnehmern sagten 52 Prozent, sie würden es begrüßen, wenn auf allen alkoholischen Getränken die Kalorienangabe auf dem Etikett zu finden wäre. Nur ein Drittel der Befragten gab an, das wäre ihnen egal.

Die Umfrage ergab auch, dass viele Befragte den Kaloriengehalt eines Bieres überschätzen. Ein Pils hat nach Angaben der Branche pro 100 Milliliter rund 40 Kilokalorien. 42 Prozent der Befragten schätzten diese Zahl höher ein, 31 Prozent wussten keine Antwort. Richtig lagen immerhin 19 Prozent.

Die Brauereiverbände betonten, dass bereits heute "bei jedem deutschen Bier dessen Zutaten auf dem Etikett" stehen - "im Unterschied zu anderen alkoholischen Getränken". Künftig wolle die Branche auch den Brennwert (Kalorien) kennzeichnen "und so einen Beitrag zu besserer Verbraucherinformation und mehr Transparenz leisten".

Europaweit laufen Gespräche

Auf europäischer und nationaler Ebene stehen die Brauereiverbände bereits in Kontakt mit den Verbänden der Weinwirtschaft und Spirituosenindustrie, um für die Zukunft eine Zutaten- und Brennwert-Kennzeichnung für sämtliche alkoholische Getränke zu erreichen. 100 Milliliter Wein haben etwa 70 Kilokalorien, Whisky etwa 250 Kilokalorien. Allerdings sind die Mengen, die getrunken werden, auch meist geringer.

Alkoholfreie Biere und alkoholfreie Biermischgetränke mit weniger als 1,2 Prozent Alkohol müssen bereits mit den Nährwertangaben versehen werden. Für Getränke mit einem höheren Alkoholgehalt gilt dagegen eine Ausnahmeregelung. Die EU-Kommission hält dies für nicht mehr gerechtfertigt.

Statement

Die deutsche Weinszene betrachtet den jüngsten "PR-Coup" des Brauerbundes im Sinne dessen Vorpreschens als "Good Guy" eher kritisch, denn dadurch werden laufende Verhandlungsgespräche innerhalb der gesamten Alkoholwirtschaft gestört. Dabei wissen alle Beteiligte, dass in Sachen Kalorienangaben Vorgaben der EU mehr als wahrscheinlich sind.

Zitat DWI: "Die Weinbranche wird sich der Thematik Kalorienangaben selbstverständlich nicht verweigern. Wir arbeiten derzeit an einem Gesamtkonzept, welches sich gemäß der Anfrage der EU-Kommission auf die Nährwertangaben und die Angabe einer Zutatenliste nach der LMIV bezieht. Zum aktuellen Stand können wir momentan nur auf die von der Alkoholwirtschaft an die Kommission übermittelten Vorschläge und die durch Portugal eingebrachten Ergänzungen verweisen. Ein Austausch oder eine abschließende Einigung mit der Kommission stehen dazu noch aus. Eine freiwillige Vorleistung wird deshalb aktuell nicht aufgegriffen, da man diese Absprachen abwarten möchte, um nicht Gefahr zu laufen, erneute Etikettenänderungen vornehmen und diese dann den Verbrauchern auch wieder erklären zu müssen."

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