Alkoholfrei

Monatliche Abstinenz

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 7. Dezember 2019


FRANKREICH (Paris) – Sie fühlen sich im Recht und berufen, den Konsumenten aufzuklären. Rund 20 französische Gesundheitsverbände riefen diese Woche zu einem „trockenen Januar“ auf. Im Wein- und Champagnerland Frankreich soll es einen „Monat ohne Alkohol“ geben – kann das gelingen? 

Gerade an Weihnachten und Silvester sollen die Franzosen mit einem intensiven Konsum von Alkoholika pausieren, fordern die Verbände, unterstützt auch von Suchthilfe-Verbänden und der Anti-Krebs-Liga. „Gönnen Sie ihrem Körper und ihrem Portemonnaie eine Pause und ziehen Sie Bilanz, welchen Platz der Alkohol in ihrem Alltag und ihrem sozialen Umfeld einnimmt“, heißt es in dem Aufruf.

Vorbild „Dry January“

Als Vorbild der Aktion gilt die seit 2013 in Großbritannien laufende Aktion „Dry January“. Auch die französische Regierung sprechen die Verbände an, die das Projekt auf breiter Basis unterstützen soll. Bisher blieb das Ministerium für Gesundheit eher reserviert, obwohl die Zahlen von über 40.000 Todesfälle durch Alkoholgenuss die Behörden zum Handel zwingen.

Äusserungen von Präsident Emmanuel Macron bewerten die Verbände als kontraproduktiv und politisch nicht korrekt. So hatte Macron beim Besuch der Winzer in der Champagne jüngst versichert, dass es „keinen trockenen Januar“  geben würde. Auf Nachfrage in Macrons Büro wurde diese Aussage weder bestätig noch dementiert.

Überzeugungsarbeit gefordert

In Deutschland plädieren die betreffenden Behörden zwar keinen alkoholfreien Monat, aber über die Folgen von übermäßigem Alkoholgenuss müsse mehr aufgeklärt werden, heißt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). „Zurücklehnen können wir uns bei Alkoholprävention definitiv nicht, da wir die Jugendlichen jeder neuen Genera­tion überzeugen müssen“, sagte die BZgA-Chefin Heidrun Thaiss bei der Fachtagung „10 Jahre Alkohol? Kenn dein Limit – zwischen Rauschtrinken und klar bleiben“ in Berlin.

Thaiss berichtete auch, dass die Zahlen zu jugendlichem Alko­holmissbrauch „erfreulich rückläufig“ wären, allerdings sei das Rauschtrinken „weiterhin problematisch.“ Experten definieren Rauschtrinken oder Komasaufen als zu viel Alkoholkonsum in kurzer Zeit, um sich ganz bewusst in einen Alkoholtaumel zu trinken. Auf der Tagung warnte auch Florian Reuther, Direktor des Verbandes der Privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV): „Wir müssen weiter investieren, damit wir auch die lokalen Netzwerke zum Aufklären nutzen können.“ Insbesondere verwies Reuther darauf, dass Gleichaltrige den Jugendlichen erklären, welche „schwerwiegenden Folgen“ der Alkohol haben könne.

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